Zum Hauptinhalt springen

Schweizer Whistleblower stellte Unschuldige an den Pranger

Ex-Banker Rudolf Elmer lässt sich gerne als Kämpfer gegen Steuerbetrüger feiern. Doch einige Dokumente, die er Wikileaks zuspielte, waren offenbar gefälscht.

Hielt sich eine Weile auf Mauritius versteckt, weil er sich verfolgt fühlte: Rudolf Elmer.
Hielt sich eine Weile auf Mauritius versteckt, weil er sich verfolgt fühlte: Rudolf Elmer.

Eine Woche vor dem Prozess gegen den Ex-Banker Rudolf Elmer wirft die «Rundschau» die Frage auf, ob es sich beim Whistleblower um einen Hochstapler handelt. Ein paar seiner Dokumente, die er auf Wikileaks veröffentlicht habe, seien gefälscht und seine Motivation sei undurchsichtig, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Elmer bezeichnet sich gerne als einen der ersten Whistleblower im Umfeld von Wikileaks, der sich dem Kampf gegen Steuerbetrug verschrieben hat. Seine Geschichte erzählt der ehemalige Banker, der bis zu seiner Entlassung im Jahr 2002 für Julius Bär auf den Cayman Islands arbeitete, wie folgt: Er habe Fälle von Steuerbetrug in den Kundendaten entdeckt und sei deshalb von der Bank unter Druck gesetzt worden. Julius Bär habe ein Detektivbüro auf ihn angesetzt.

«Beweis» für Schwarzgeldkonto von Merkel war gefälscht

Laut Elmer schüchterten ihn seine Beschatter dermassen ein, dass er Angst bekommen habe. Aus diesem Grund habe er sich vor drei Jahren dazu entschlossen, die heiklen Daten auf Wikileaks zu veröffentlichen. Auf der Enthüllungs-Plattform prangerte er angeblich illegale Steuertricks seiner Bank an. Dem deutschen Jürg G. warf er vor, er habe einen 25-Millionen-Dollar-Steuerbetrug begangen.

Doch später musste sich Wikileaks bei Jürg G. dafür entschuldigen: «Es ist mittlerweile auch von unserer Seite verifiziert worden, dass es sich gar nicht um Sie handelt», schrieben die Verantwortlichen in einem Mail an Jürg G., das die «Rundschau» in ihrem Beitrag zeigte. Ähnlich erging es Heinrich S. aus Frankfurt, der gemäss den Informationen von Wikileaks 15 Millionen hinterzogen haben soll. Auch das erwies sich im Nachhinein als falsch.

Bombendrohung gegen Bank Bär

Ein Beleg über ein angebliches Schwarzgeldkonto der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im Steuerparadies Guernsey erwies sich zudem als Fälschung. Laut Recherchen des Nachrichtenmagazins erstellte Elmer das Papier selber, was dieser allerdings bestreitet. Ansonsten wollte Elmer gegenüber der «Rundschau» zu den neusten Entwicklungen in seinem Fall keine Stellung nehmen.

Auch die Anklageschrift wirft ein neues Licht auf Elmer. Am nächsten Mittwoch muss er sich vor dem Bezirksgericht Zürich wegen Nötigung und Verletzung des Bankgeheimnisses verantworten. Angeblich hat Elmer versucht, die gestohlenen Daten für 50'000 Dollar zu verkaufen. In einer E-Mail an die Bank Julius Bär schrieb er offenbar: «Sie können diese heute Nacht für USD 50'000.– kaufen. Das ist ein guter Preis.» Weil die Bank nicht reagiert habe, habe er versucht, die Daten anderweitig zu platzieren.

Zudem wird dem Ex-Banker vorgeworfen, er habe «durch Gewalt und Androhung ernstlicher Nachteile» die Bank und ihre Mitarbeiter «in Schrecken und Angst versetzt». Am 24. August 2007 habe er gar gedroht, in der Bank werde eine Bombe hochgehen.

Der Fall Elmer erhält angesichts dieser Fakten eine neue Dimension. Und der Ex-Banker wird nächste Woche neben der Gerichtsverhandlung ein zweites Mal im Rampenlicht stehen: Für nächsten Montag ist ein gemeinsamer Auftritt mit Wikileaks-Gründer Julian Assange angekündigt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch

Mehr zum thema