Schweizer wird Ärztepräsident in Brüssel

Der frühere FMH-Präsident Jacques de Haller wird Vorsitzender der europäischen Ärzteschaft.

Jacques de Haller wurde zum Präsidenten des Comité Permanent des Médecins Européens(CPME)gewählt. Foto: Keystone

Jacques de Haller wurde zum Präsidenten des Comité Permanent des Médecins Européens(CPME)gewählt. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Drei Jahre nach seiner Abwahl als Präsident der schweizerischen Ärzteverbindung FMH ist Jacques de Haller an die Spitze der europäischen Ärztevereinigung gewählt worden. Die Ernennung eines Schweizers an die Spitze des ­Comité Permanent des Médecins Européens (CPME) war nicht unbestritten. Denn mit Ausnahme der schweizerischen FMH sind alle anderen Mitgliedsverbände der CPME in Ländern beheimatet, die Mitglied der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) sind. De Hallers Wahl erfolgte mit 17 zu 11 Stimmen, wie dieser auf Anfrage sagte. De Haller obsiegte gegen den Briten Terry John. Dass er als Schweizer gegen einen Vertreter aus einem grossen EU-Land gewann, verdanke er vor allem den Stimmen der kleinen und mittelgrossen Länder.

Die Wahl sei nicht nur eine Ehre für ihn, sondern für die Schweiz, sagte de Haller. Für die Schweiz seien gute Beziehungen zu den europäischen Gremien wichtig. Direkter Ansprechpartner des CPME mit Sitz in Brüssel ist die EU-Kommission. Über die bilateralen Verträge sei die Schweiz im medizinischen Bereich eng verbunden mit den Gremien in Brüssel. Entscheide auf europäischer Ebene beträfen auch die Schweiz, etwa wenn es um Datenschutz, die Anerkennung von Ausbildungsdiplomen, die ­Behandlung von Patienten im Ausland (Patientenfreizügigkeit) oder E-Health gehe, sagt de Haller.

Sympathie für linke Anliegen

De Haller wird diesen Monat 63 Jahre alt. Er tritt sein neues Amt Anfang 2016 an und ist für drei Jahre gewählt. Das Präsidium sei ein 50-Prozent-Job und erfordere zweimal im Monat seine Präsenz in Brüssel. Die meiste Arbeit für die europäische Ärztevereinigung könne er von der Schweiz aus erledigen.

De Haller wurde im Juni 2012 als Präsident der FMH abgewählt, nachdem er die Schweizer Ärzteverbindung acht Jahre geleitet hatte. An seiner Stelle wurde der Berner Hausarzt Jürg Schlup gewählt. Für die Abwahl de Hallers gab es mehrere Gründe, die ihm in der Summe das Amt kosteten: Der Genfer Hausarzt sah die FMH als politische Stimme einer vereinigten Ärzteschaft. Daran störten sich jedoch die bürgerlichen Ärzte. Denn de Haller zeigte Sympathien für linke gesundheitspolitische Anliegen wie etwa für die Einheitskasse oder für eine strikte Trennung von Grund- und Zusatzversicherungen. Zudem sah sich de Haller als Leitfigur einer zentralisierten FMH, was den Föderalisten und Spezialisten unter den Ärzten zuwiderlief. Für Unruhe sorgte in der FMH auch, dass de Haller 2011 für die SP des Kantons Bern als Nationalrat kandidierte. Er schaffte die Wahl damals allerdings nicht. Auch bei der letztjährigen Volksabstimmung über eine öffentliche Krankenkasse engagierte sich de Haller für die links-grüne Initiative.

De Haller betont, dass ihn der Vorstand der FMH bei seiner Kandidatur für das Präsidium der europäischen Ärztevereinigung vorbehaltlos unterstützt habe. Neben seinem Verbandsengagement auf europäischer Ebene organisiert de Haller Kongresse. Früher war de Haller Hausarzt in Genf.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2015, 05:03 Uhr

Artikel zum Thema

Mediziner beharren auf Arztgeheimnis bei Piloten

Regelmässige psychiatrische Untersuchungen könnten helfen, psychische Probleme von Piloten rechtzeitig zu erkennen, sagen Ärzte. Eine Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht lehnen sie jedoch strikte ab. Mehr...

Ärzte klagen über bürokratischen Hürdenlauf

Krankenkassen würden Gesuche für teure Medikamente verschleppen, monieren Mediziner. Mehr...

So könnte der Ärztemangel behoben werden

Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative wird den Ärztemangel drastisch verschärfen. Ärzte, Spitäler und Patientenvertreter sagen, wie das Problem gelöst werden kann. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Grösste Wallfahrt der Welt: Eine Frau ruht sich während der jährlichen Pilgerfahrt zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe in Mexico City aus. (11. Dezember 2018)
(Bild: Carlos Jasso) Mehr...