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Seconda und Sennentochter

Die Waadtländerin Ada Marra hat die Einbürgerungsinitiative lanciert.

Brachte die Initiative vor acht Jahren ins Parlament: SP-Nationalrätin Ada Marra.
Brachte die Initiative vor acht Jahren ins Parlament: SP-Nationalrätin Ada Marra.

Laut ist die Debatte über die Unternehmenssteuerreform III vor der Abstimmung am 12. Februar. Da gehen die Diskussionen über die Initiative zur erleichterten Einbürgerung junger Ausländer der dritten Generation fast unter.

Das registriert auch SP-Nationalrätin Ada Marra, welche die Initiative vor acht Jahren ins Parlament brachte. Nicht einmal ihre eigene Partei vermag sich so recht auf die Einbürgerungsinitiative zu konzentrieren. Mit dem Aufmerksamkeitsdefizit habe sie kein Problem, sagt die Waadtländerin. Mehr störe sie, dass die Medien die Initiative erst wahrnahmen, als die SVP mit Burka-Plakaten zu pöbeln begann, so die 43-Jährige. Seit Tagen provoziert die SVP mit einer Identitätsdebatte. Rechte monieren, heute gebe man jungen Italienern den Schweizer Pass, in 40 Jahren seien dann «die Afrikaner» an der Reihe. Das sei erstens rassistisch und zweitens grober Unfug, sagt Marra. Gemäss dem Bundesamt für Statistik kämen die allermeisten Einwanderer wie schon in den 1960er-Jahren aus europäischen Ländern, und zwar aus Italien, Deutschland, Frankreich, Portugal und Spanien.

Sie hat die Staatsbürgerschaft beantragt, weil sie den Wunsch verspürt habe, wählen und abstimmen zu können.

Zur damaligen Einwanderergeneration gehörten Ada Marras Eltern. Ihr Vater arbeitete als Laufbursche für eine Metzgerei, dann als Senn und schliesslich als Lastwagenchauffeur. Ihre Mutter, die aus demselben italienischen Dorf wie der Vater stammte, kam später in die Schweiz, um ihren Freund zu heiraten. Ada Marra ist Seconda, wurde 1973 in Paudex VD geboren und erhielt 1998 den Schweizer Pass. Sie habe die Staatsbürgerschaft beantragt, weil sie den Wunsch verspürt habe, wählen und abstimmen zu können, erinnert sich die Politologin.

Dass die Nachfahren einstiger Einwanderer sich in dritter Generation demselben Einbürgerungsverfahren stellen müssen wie die erste Generation, hielt Ada Marra schon immer für eine «administrative Anomalie». Die Enkel seien voll in die Gesellschaft integriert. Ihnen fehle die Bindung zur Heimat ihrer Grosseltern. Dass jede Schweizer Gemeinde dann auch noch ein eigenes Einbürgerungsverfahren durchführt, ist für Marra wie «russisches Roulette».

Die Hürde, die Initiative zum Erfolg zu führen, ist hoch. Weil diese eine Verfassungsänderung anstrebt, benötigt sie ein doppeltes Ja: neben einer Volks- auch eine Ständemehrheit. Die Initiative braucht deshalb sicheren Rückhalt in der Deutschschweiz. Weil sie Französisch und Italienisch, aber kein Deutsch spricht, musste Marra den Wahlkampf ennet der Saane anderen Helfern anvertrauen: dem Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Flury etwa, den Gewerkschaften Unia und Travailsuisse sowie der Operation Libero. Das Anliegen sei da in guten Händen, ist Marra überzeugt. Aber die Deutschschweizer Skepsis gegenüber Einbürgerungen innert drei Monaten zu ändern, mit 7000 Franken Werbebudget, das sei schon eine Herkulesaufgabe.

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