Sensibilisieren ist gut, bestrafen ist besser

Die Kampagne gegen Auto- und Töfflärm ist sinnvoll. Doch die Behörden müssten härter durchgreifen.

Dass man wegen zu lauten Fahrens den Fahrausweis verlieren kann, wissen zu wenige Verkehrsteilnehmer. Foto: Herbert Zimmermann

Dass man wegen zu lauten Fahrens den Fahrausweis verlieren kann, wissen zu wenige Verkehrsteilnehmer. Foto: Herbert Zimmermann

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Wer an die Street Parade geht und dann mit einem Lärmkater erwacht, hat keinen Grund zum Jammern. Berechtigt sind Lärmklagen jedoch, wenn man unfreiwillig einer Überdosis Dezibel ausgesetzt wird. Besonders oft sind es noch immer Motorräder und Autos, die zu viel und unnötigen Krach verursachen.

Es gibt zwar Immissionsgrenzwerte für Strassenlärm, eine Lärmschutzverordnung und einen Massnahmenplan Lärmschutz. Trotzdem sei es bisher nicht gelungen, das Problem mit lärmigen Fahrzeugen in den Griff zu bekommen, so das ernüchternde Fazit des Bundesamts für Umwelt. Der amtliche Befund deckt sich mit der leidigen Erfahrung vieler Menschen, die das Pech haben, an einer bei Motorradfahrern beliebten Strecke zu wohnen.

Jetzt setzt der Bund auf eine Sensibilisierungskampagne. Getestet wird ein Lärmdisplay, an einer bei Töfffahrern beliebten Strecke in Solothurn. Den Fahrern wird angezeigt, ob sie zu laut unterwegs sind. Die Braven werden mit einem «Danke» belohnt, die Bösen mit einem «Langsamer!» oder «Leiser!» ermahnt. Solche Bemühungen zeigen Wirkung, das ist unbestritten und mit den Warnanlagen in Tempo-30-Zonen gut belegt. Schliesslich sind die meisten Autofahrer und Töfffahrer bemüht, sich an die Vorschriften zu halten.

Die Polizei müsste die Bestrafung solcher Übeltäter offensiver kommunizieren.

Eine Sensibilisierungskampagne reicht aber wohl kaum aus, um auch die Lärmrowdys zur Vernunft zu bringen. Denn die abschreckende Wirkung von Verboten entfaltet sich vor allem dann, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, auch erwischt zu werden.

Deshalb müssen solche Rowdys vermehrt bestraft werden. Das ist zwar schon heute möglich – bis hin zum Entzug des Fahrzeugausweises und dem Einzug des Fahrzeugs. Aber das wird einerseits viel zu selten gemacht, obwohl es inzwischen technisch möglich ist, mittels Radar Lärmsünder zu überführen.

Andererseits sollte die Polizei die Bestrafung solcher Übeltäter offensiver kommunizieren. Viel öfter müsste es nach einem Wochenende heissen: Die Polizei hat bei einer zweistündigen Kontrolle 20 Töfffahrer und 5 Autofahrer wegen Lärms gebüsst.

Erstellt: 11.08.2019, 21:54 Uhr

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