Service-public-Initiative: 8000 Angestellten droht Lohnkürzung

Bei SBB, Post und Swisscom bedroht die Vorlage nicht nur Cheflöhne, sondern laut einer Studie auch «normale» Gehälter. Zugleich wäre der Spareffekt schnell verpufft.

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1,8 Millionen Franken kassierte Swisscom-Chef Urs Schaeppi im letzten Jahr – bei Andreas Meyer (SBB) und Susanne Ruoff (Post) waren es immerhin noch rund je eine Million. Alle drei CEOs verdienen damit deutlich mehr als ihre politische Vorgesetzte Doris Leuthard, die das Verkehrs- und Kommunikations­departement leitet: Ein Bundes­rats­gehalt liegt bei rund 475'000 Franken. Die Volksinitiative «Pro Service public», die am 5. Juni zur Abstimmung kommt, will mit den «Lohnexzessen» in den bundes­nahen Betrieben nun Schluss machen. «Der Bund sorgt dafür, dass die Löhne und Honorare der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Unternehmen nicht über denjenigen der Bundesverwaltung liegen.» So lautet der entsprechende Passus der Initiative.

Wie eine Untersuchung nun aber zeigt, wird die sehr allgemein gehaltene Formulierung deutlich mehr Menschen treffen als bloss die obersten Firmenbosse. Die Studie, bestellt von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für das Berggebiet und dem Schweizerischen Gemeindeverband, liegt seit November 2015 vor – sie blieb aber bisher unter Verschluss und wird erst jetzt publik. Die Autoren vom Zürcher Beratungsunternehmen Swiss Economics kommen darin auf eine Lohnsumme von 127,3 Millionen Franken, die bei Post, SBB und Swisscom insgesamt eingespart werden müsste.

Pöstler müssen zittern

Das Team um Ökonom Christian Jaag ging methodisch so vor, dass es die 9 internen «Job-Levels» der Swisscom-Hierarchie den 38 Lohnklassen der Bundesverwaltung zuordnete. Auch die Lohnsysteme von SBB und Post teilte es nach dieser Logik in 9 Stufen ein (mit Stufe 1 für die höchsten Löhne) und stellte es anschliessend den Gehältern der Verwaltung gegenüber. Das Resultat ist vor allem bei der Post drastisch: Bei einem Ja zur Initiative müsste der «gelbe Riese» seinen Leuten bis hinunter auf Stufe 5 – die ungefähr den Lohnklassen 16 bis 21 der Bundesverwaltung entspricht – das Salär kürzen. 2877 Personen arbeiteten zum Untersuchungszeitpunkt in diesem Segment; der Höchstlohn liegt heute je nach Region und konkreter Funktion bei wenig mehr als 116'000 Franken.

Infografik: Pro Service Public betrifft über 8000 Angestellte Grafik vergrössern

Zu den Berufsleuten, die es treffen könnte, gehören etwa die Leiter von Poststellengebieten, sagt Ökonom Jaag. Die Medienstelle der Post fügt auf Nachfrage noch weitere mögliche Leid­tragende an: die Betreuer von Gross­kunden im Verkauf zum Beispiel, bestimmte Informatikspezialisten sowie qualifizierte Sachbearbeiter oder Teamleiter im Marketing- und Ökonomie­bereich.

Bei Swisscom und SBB würde «Pro Service public» ausschliesslich in den obersten drei Gehaltsklassen zu Kürzungen führen. Allerdings gehören bei der Swisscom immerhin 2931, bei den SBB 1339 Mitarbeiter zum Kreis der potenziell Betroffenen – also weit mehr als nur die inneren Zirkel um die Topmanagements. Insgesamt müssten bei einem Ja zur Initiative über 8000 Angestellte um ihre Löhne fürchten.

Für alle drei Betriebe gilt im Übrigen: In den tieferen Gehaltsstufen gibt es kein Sparpotenzial. Denn im Niedriglohnbereich zahlt die Verwaltung mehr. Die Lohnschere ist bei den bundesnahen Betrieben merklich weiter geöffnet als beim Bund selber.

Teure Lohnsenkungen

Fragt sich schliesslich: Könnten die Lohnsenkungen am Ende zu einem besseren Service public führen, weil mehr Geld für Investitionen zur Verfügung steht? Die Swiss-Economics-Studie kommt in diesem Punkt zu einem ernüchternden Fazit.

Bei der Swisscom verkleinerte sich die Lohnsumme demnach nur um 2,5 Prozent, bei der Post um 2 Prozent und bei den SBB gar um weniger als 1,5 Prozent. Vor allem aber würden die Lohnsenkungen selber wiederum administrativen Aufwand verursachen und damit womöglich zusätzliche Kosten generieren. Paradoxerweise könnte die Sparkur also teuer werden.

Was halten Sie von der Initiative «Pro-Service-Public»? Machen Sie mit bei unserer Umfrage.

Erstellt: 10.05.2016, 23:12 Uhr

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