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Sexueller Missbrauch: Kirche verschärft Richtlinien

Bei einem rechtsgenügenden Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch einen Priester will die katholische Kirche in der Schweiz neu grundsätzlich Anzeige erstatten. 104 Opfer haben sich gemeldet.

Priester, die sich sexuell vergehen, werden in der Schweiz nicht auf eine schwarze Liste gesetzt. Dies haben die Bischöfe im Kloster Einsiedeln beschlossen. Stattdessen soll bei der Einstellung von Seelsorgern der Leumund konsequent überprüft werden.

Norbert Brunner, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), hat am Mittwoch darüber informiert, wie die Kirche die Missbrauchsfälle aufarbeiten und neue Fälle möglichst vermeiden will. Die oft geforderte schwarze Liste gehört nicht zu den beschlossenen Instrumenten.

Um neue Fälle zu vermeiden sei der direkte Kontakt zwischen den Bischöfen besser als ein zentral geführtes Register, sagte Brunner. Die SBK gesteht dabei ein, dass in der Vergangenheit sich die Bistümer in einigen Fällen nicht oder ungenügend über sexuelle Übergriffe informierten, wenn fehlbare Seelsorger die Diözese wechselten.

Die Bischöfe verpflichteten sich deshalb, Seelsorger nur noch einzustellen, wenn sie vom bisherigen (in- oder ausländischen) Arbeitgeber schriftlich und lückenlos über das Vorleben des betreffenden Auskunft erhalten haben.

Vermehrt Gang vor weltliches Gericht

Zudem wollen die Bischöfe künftig konsequenter Seelsorger, die sich eines sexuellen Übergriffes schuldig machten, anzeigen. Bislang wurde dies nur in schweren Fällen und bei Wiederholungsgefahr gemacht.

Gemäss den neuen überarbeiteten Richtlinien erheben die Amtsträger bei einem «rechtsgenügenden Verdacht» Anzeige. Davon wird nur abgesehen, wenn dies das Opfer wünscht. In jenen Fällen, in denen sich die nahe Gefahr einer Wiederholungstat nicht anders bekämpfen lässt, darf indes nicht auf eine Strafanzeige verzichtet werden.

Wie bis anhin, werden die Täter zu einer Selbstanzeige aufgefordert und die Opfer auf die Möglichkeit einer Strafanzeige hingewiesen. Die SBK hatte die Richtlinien «Sexuelle Übergriffe in der Seelsorge» 2002 erarbeitet und 2009 ein erstes Mal revidiert.

Oft wollten die Opfer aber weniger eine Strafanzeige oder psychologische Betreuung, sondern Anteilnahme und Zuwendung, sagte die Juristin Beatrice Luginbühl. Sie arbeitet in Zürich im Auftrag des Bistums Chur in einer Anlaufstelle für Missbrauchsopfer.

Viele alte Fälle kamen ans Tageslicht

Die Missbrauchsdebatte, die die katholische Kirche dieses Jahr erfasste, wirkte sich auch auf die Statistik des SBK-Gremiums «Sexuelle Übergriffe in der Seelsorge» aus. Von Januar bis Mai 2010 meldeten sich 104 Opfer von 72 Tätern. 2009 waren es 15 Opfer von 14 Tätern gewesen.

Die meisten der 2010 gemeldeten Fällen stammten aus der Zeit vor 1990, sagte Joseph Bonnemain vom zuständigen SBK-Expertengremium. Nur 9 der 104 Opfer hätten die Übergriffe nach 1990 erlitten. 17 Opfer waren älter als 16 Jahre.

SDA/raa

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