Sie führt Frauen in den Bundesrat

Brigitte Hauser-Süess ist die Strippenzieherin hinter Viola Amherds Triumph. Die Walliserin arbeitete bereits für drei andere Bundesrätinnen.

Sparringpartnerin und eine Freundin für Viola Amherd: Brigitte Hauser-Süess. Foto: Keystone

Sparringpartnerin und eine Freundin für Viola Amherd: Brigitte Hauser-Süess. Foto: Keystone

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Als sie das Wahlresultat vernimmt, kommen Brigitte Hauser-Süess fast die Tränen. Gewählt ist ihre lang­jährige Freundin Viola Amherd – mit 148 Stimmen im ersten Wahlgang. «Ich habe eine Riesenfreude, dass sich der Einsatz gelohnt hat», sagt die 64-jährige Walliserin. Sie meint damit den Einsatz von Amherd. Aber es war auch ihr eigener. Hauser-Süess begleitete die Bundesratskandidatin im Wahlkampf und diente ihr auch als Sparringspartnerin. Mit Erfolg.

Video: Tränen bei CVP-Frauen nach Amherd-Wahl

Es ist nicht das erste Mal, dass sie jemanden in den Bundesrat führt. 1999 coachte sie Ruth Metzler. Und hatte bei der Verkündigung des Wahlresultats ebenfalls eine «Riesenfreude». Damit nicht genug: Hauser-Süess war auch die engste Mitarbeiterin von Eveline Widmer-Schlumpf und unterstützte Doris Leuthard während des Präsidialjahrs 2017 sowie bei Abstimmungen. Zu allen vier «blitzgescheiten Frauen» habe sie nach wie vor Kontakt. Gut möglich, dass Hauser-Süess jetzt in den Stab von Viola Amherd eintritt – trotz Pensionsalter. «Ich liebe Herausforderungen», sagt sie. Entschieden sei aber noch nichts.

Die beiden Brigerinnen sind schon seit 30 Jahren befreundet. Es war denn auch Hauser-Süess, die 1992 ihre acht Jahre jüngere Freundin motivierte, für den Briger Stadtrat zu kandidieren. Acht Jahre später wurde Amherd Stadtpräsidentin, 2005 Nationalrätin und jetzt Bundesrätin. Stets dabei: Brigitte Hauser-Süess.

«In solchen Positionen braucht man eine Vertrauensperson, und das bin ich gerne.»

Während des Wahlkampfs hat sie Viola Amherd bei Medienauftritten begleitet und ihr auch mal diskret eine Notiz zugeschoben. Andere Bundesratskandidaten lassen sich ebenfalls coachen, aber selten so eng wie Amherd von ihrer langjährigen Freundin. Selbst vor der Fernsehkamera marschierte Hauser-Süess mit.

Auch für Eveline Widmer-Schlumpf war die Walliserin weit mehr als nur die Kommunikationschefin, als die sie angestellt war. Bei der Bekanntgabe des Rücktritts bezeichnete die BDP-Bundesrätin Hauser-Süess als «meine Freundin».

«In solchen Positionen braucht man eine Vertrauensperson, und das bin ich gerne», sagt Hauser-Süess. Sie gilt als loyal, sachbezogen und freundlich, kennt aber auch die politischen Unterzüge. Selbst habe sie nie Bundesrätin werden wollen, beteuert die 64-Jährige. Obwohl sie im Januar 1999 noch öffentlich darüber nachdachte. Dies habe sie nur getan, um «Druck von anderen wegzunehmen», sagt sie. Kommt hinzu, dass damals mit Pascal Couchepin bereits ein Walliser im Bundesrat sass.

«Jede Gesellschaft hat den Schmutz, den sie verdient.»Satz auf einem Wahlplakat

Zwei Jahre zuvor wurde Hauser-Süess Opfer einer hässlichen Plakatkampagne. Abtreibungsgegner nahmen ihr übel, dass sie als Präsidentin der CVP-Frauen für eine Fristenregelung mit Beratungspflicht plädierte. Eines Tages sah sie sich auf einem Plakat mit einem blutigen Fötus und dem Satz: «Jede Gesellschaft hat den Schmutz, den sie verdient.»

Die CVP-Frau hatte sich im Wallis Feinde geschaffen. Sie, die einst aus Luzern zugezogen war – aus Liebe zu einem Mann. Der Mann heisst übrigens Edi Hauser und holte an den Olympischen Spielen 1972 Bronze in der Langlauf-Staffel. Erfolg scheint Brigitte Hauser-Süess anzuziehen.

Video: Amherd und Keller-Sutter vereidigt

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 05.12.2018, 21:03 Uhr

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