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«Sie gingen auf unsere Kinder in der Schule los»

Im ersten ausführlichen Interview nach der Nacktselfie-Affäre wird Geri Müller deutlich: Er spricht von beinahe «kriegsähnlichen Zuständen», die er und seine Familie in den vergangenen Tagen erlebten.

Spricht von einer «Kampagne von vier, fünf Leuten» gegen ihn: Stadtammann Geri Müller vor dem Stadthaus in Baden. (8. September 2014)
Spricht von einer «Kampagne von vier, fünf Leuten» gegen ihn: Stadtammann Geri Müller vor dem Stadthaus in Baden. (8. September 2014)
Sigi Tischler, Keystone

Es sind harte Worte, die der Badener Stadtammann Geri Müller verwendet. In einem Interview mit der SRF-Sendung «Rundschau» spricht er erstmals ausführlich über diejenigen Kräfte, welche die Nacktselfie-Affäre um ihn ins Rollen gebracht haben. Müller spricht von einer «Kampagne von vier, fünf Leuten». Und er glaubt, auch ihr Ziel zu kennen: «neue Wahlgänge und einen Sturz zu erzwingen».

Dieses «Denunziantentum» erinnere ihn an Zustände in Ländern, in denen jemand die totale Kontrolle habe, und sei inakzeptabel, sagt Müller gegenüber der «Rundschau». Was er erlebt habe, sei «eine öffentliche Hinrichtung».

Die Jagd der Journalisten auf ihn und seine Familie in den vergangenen Tagen habe beinahe «kriegsähnliche Zustände» erreicht, erzählt Müller: «Sie gingen auf unsere Kinder in der Schule los.»

Müller prüft Persönlichkeitsklagen

Ob er wegen der «schweren Verletzung der Intimsphäre» Klagen wegen Persönlichkeitsverletzung einreichen wird, lässt Müller im Interview offen. Es sei aber «durchaus denkbar».

Der Stadtrat von Baden hatte Geri Müller nach der Affäre den Rücktritt nahegelegt und ihm anschliessend alle Ressorts entzogen. Trotzdem will Müller in seinem Amt bleiben. Die Hetze gegen ihn könnte nun zum Präzedenzfall werden, der auch andere Leute treffen könnte, sagt Müller in der Sendung. Deshalb wolle er nicht zurücktreten. Finanzielle Überlegungen spielten keine Rolle. Auf die Frage, ob er einen Rücktritt als Stadtammann von Baden unter jeden Umständen ausschliesse, verweist Müller jedoch lediglich auf das laufende Mediationsverfahren im Badener Stadtrat und das Vertrauen, das wiederhergestellt werden müsse. Die Situation sei «ergebnisoffen».

Nacktbilder an Chatbekanntschaft

Die Zeitung «Schweiz am Sonntag» hatte am 17. August berichtet, dass der Badener Stadtammann und Nationalrat von seinem Stadthausbüro aus einer 33-jährigen Chat-Bekannten Nacktbilder geschickt hatte. Er versuchte die Frau später zu überreden, die Bilder zu löschen.

Nach Selbstmorddrohungen der Frau schaltete Müller die Polizei ein. Die Polizei hielt die Frau in Baden an und befragte diese. Müller reichte bei der Staatsanwaltschaft Bern-Seeland am 14. August eine Strafanzeige gegen die Chat-Bekanntschaft ein. Bei einer Hausdurchsuchung wurde das Mobiltelefon der Frau beschlagnahmt. Die Strafuntersuchung ist noch nicht abgeschlossen.

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