Amstutz beschimpft Zivildienstler als «traurige Weicheier»

Der SVP-Nationalrat macht Stimmung gegen Männer, die keinen Militärdienst leisten. Er tut ihnen unrecht.

«Traurige Weicheier»: SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz findet harte Worte für junge Männer, die keinen Militärdienst leisten. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

«Traurige Weicheier»: SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz findet harte Worte für junge Männer, die keinen Militärdienst leisten. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

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Er hat seine Rekrutenschule als Fallschirmgrenadier absolviert, also auf die harte Tour. Und er ist als Fraktionschef der SVP mit einer Kampfrhetorik aufgefallen, die selbst für seine Partei zackig daherkam. Adrian Amstutz, der grosse Austeiler, ist kein Mann fürs Weiche. So gesehen passt es zu ihm, dass er Schweizer Männer, die Militärdienst leisten könnten und es nicht tun, als «traurige Weicheier» bezeichnet. Er nennt sie auch «Hosenscheisser», «Pseudopazifisten» und «Schutzverweigerer», die im Ernstfall nicht bereit seien, die Menschen in der Schweiz zu verteidigen.

So steht es in einem Artikel, den der Berner Nationalrat auf der Website seiner Partei aufgeschaltet hat. Im Gespräch mit «20 Minuten» hat er seine Haltung nicht nur bekräftigt, sondern noch nachgelegt. Denn Amstutz meint mit seiner Kritik nicht nur die, welche sich auf vom Militärdienst dispensieren lassen. Sondern explizit auch jene, die es sich nicht einfach machen und Zivildienst leisten. Dieser dauert anderthalb mal so lange wie das Militär. So hat es die Schweiz nach einer fast hundertjährigen Debatte 1992 per Abstimmung entschieden. Vier Jahre später wurde der Zivildienst eingeführt.

Ob die Armee «schlagkräftig, einsetzbar» ist, um «die Menschen in der Schweiz vor Bedrohungen und Angriffen» zu schützen, muss man sich fragen. Ich habe ein Jahr meines Lebens an die Armee verloren, als Nachrichtensoldat in einem Radfahrerregiment, also darf ich mitreden. Was mir von der Rekrutenschule und den acht Wiederholungskursen geblieben ist: Herumsitzen und Drillen, dauerbekiffte Korporale, überforderte Zugführer und Manöver, die mit einer Kriegssituation so viel zu tun haben wie der Zahnstocher mit dem Maschinengewehr. Eine solche Armee würde im Ernstfall so lange ausharren wie die Niederlande gegen die Nationalsozialisten: vier Tage.

Was Zivildienstler leisten

Frage an Adrian Amstutz: Wäre die Schweizer Armee im Ernstfall gerüstet? Er antwortet per Mail. «Pauschalverunglimpfungen über Dienstbetrieb, Korporale und Manöver sind falsch. Was den Ernstfall angeht: nein – heute leider nicht.» Das sei das Verschulden der mitte-linken Bundesrats- und Parlamentsmehrheit, die in den letzten Jahrzehnten der Armee gegen den Willen der SVP die Mittel zur Aufrechterhaltung der Verteidigungsfähigkeit verweigert habe.

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Amstutz hält den Zivildienst für «bequem» und militärtaugliche Zivildienstler für «Abschleicher». Wer selber erlebt hat, was Zivildienstler leisten, die alte oder demente Patienten betreuen oder auf glühenden Feldern schuften, also eine psychisch oder physisch anspruchsvolle Arbeit leisten, und das anderthalb Jahre lang, kommt zum Schluss: Zivildienst ist nichts für Weicheier. Und er ist sinnvoll. Darum wird er auch immer beliebter. 1,8 Millionen Zivildiensttage wurden 2017 geleistet. Ein neuer Rekord. Im Einsatz für die Schweiz.

Erstellt: 31.05.2018, 09:05 Uhr

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