Sie verschandeln das eigene Land

Bauen in der Landwirtschaftszone ist beliebt, aber fatal. Ausgerechnet die SVP hilft mit, die Schweiz zu zerstören.

Bedrohte Idylle? Der Traum vom eigenen Haus in ländlicher Idylle wird auf dem Land der Bauern Realität. Bild: Urs Flüeler/Keystone

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Baugebiet und Nichtbaugebiet – das sind zwei sauber getrennte Welten in der Schweizer Raumplanung. Theoretisch. In der Praxis verwischen sich die Grenzen zunehmend. Verantwortlich dafür ist das bürgerlich dominierte Parlament. Seit Ende der 90er-Jahre hat es das Bauen ausserhalb der Bauzone mit einer Reihe von Gesetzes­änderungen erleichtert – und will es weiter erleichtern. Heute darf ein Bauernhaus oder ein Stall nur bis zu einer bestimmten Obergrenze erweitert werden. Diese Einschränkung soll fallen. Der Vorstoss aus SVP-Kreisen findet Zuspruch bei FDP- und CVP-Politikern.

Viele Bauernhöfe sind in schlechtem Zustand, dem Anspruch an modernen Wohnkomfort genügen sie nicht. Eine massvolle Erneuerung kann da durchaus Sinn machen – sofern es dabei bleibt. Doch die Entwicklung geht längst weiter, weil das nationale Raumplanungsgesetz zu wenig scharf ist und die kantonalen Baubehörden mit Baugesuchen mitunter grosszügig verfahren. So werden Ställe zu Wohnhäusern, Bauernhöfe müssen Landvillen weichen. Wie Fremdkörper stehen diese Neubauten in der Landschaft und provozieren weiteren Landfrass: breitere Zufahrtstrassen, Parkplätze, eine Garage – dem Hausherrn soll es an nichts fehlen.

Die Vielfalt der Kulturlandschaft schwindet, lieb gewonnene Tradition geht verloren.

Die Folgen sind einschneidend. Die Scholle, die der Bauer seit Jahrhunderten hegt, verliert ihren Charakter, die Vielfalt der Kulturlandschaft schwindet, lieb gewonnene Tradition geht verloren. Fatal ist: Dieser Wandel verläuft schleichend, er eignet sich schlecht für Schlag­zeilen und findet daher kaum Beachtung.

Der politische Druck auf die Landwirtschaftszone ist nicht zufällig so hoch. Im Siedlungs­gebiet ist der Spielraum enger geworden, seit das Volk 2013 beschlossen hat, zu grosse Bauzonen zu verkleinern und bestehende Baulandreserven besser zu nutzen. Der Traum vom eigenen Haus in ländlicher Idylle – er wird nun einfach auf dem Land der Bauern Realität.

Was bleibt, ist eine bittere Pointe: Die SVP gibt vor, die Urtümlichkeit des Landes bewahren zu wollen. In Tat und Wahrheit hilft sie mit, diese Urtümlichkeit zu zerstören.

Erstellt: 02.12.2016, 23:09 Uhr

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