«Sie wollen mich fertigmachen»

Der hartnäckige Journalist Urs Paul Engeler hat einen Bundesrat verhindert. Als Hausbesitzer steht er nun im Zentrum einer gehässigen Dorfgeschichte.

Die Gemeinde will es unter Denkmalschutz stellen: Urs Paul Engeler vor seinem Haus, das er gerne umbauen möchte. <nobr>Fotos: Urs Jaudas</nobr>

Die Gemeinde will es unter Denkmalschutz stellen: Urs Paul Engeler vor seinem Haus, das er gerne umbauen möchte. Fotos: Urs Jaudas

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Von Urs Paul Engeler sagt man, er verhalte sich wie ein Hund: Hat er einmal einen Knochen im Mund, gibt er ihn nicht mehr her. Der Journalist verhinderte Bruno Zuppiger als Bundesrat, trieb Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand aus dem Amt und enttarnte die Geheimarmee P-26.

Nun kämpft er gegen ein Dorf. Die Reporterlegende, genannt UPE, gegen Beinwil am Hallwilersee. Und mittendrin: ein Bauernhaus an der Rankstrasse 44, mit Garten und Seesicht, 199 Jahre alt.

Der 69-jährige Engeler nahm es während seines Berufslebens mit den Mächtigsten auf, nun führt er durch das Haus, das ihm gerade Probleme bereitet, das ihm über den Kopf zu wachsen droht. Die Gemeinde will es unter Denkmalschutz stellen.

Engeler will 260.70 Franken Entschädigung bekommen.

«Künftige Renovationen werden damit erschwert und bis zu dreimal teurer», sagt Engeler, der in Bern wohnt und in Beinwil oft die Wochenenden verbringt. Nun will er das vor elf Jahren gekaufte Haus modernisieren und im hinteren Teil, einer ungenutzten Scheune,Wohnungen erstellen.

Engeler nimmt eine rosa Mappe mit Dokumenten hervor und erzählt von seiner Mühsal. Er spreche mit sanfter Stimme, hat «Der Bund» einmal geschrieben, er selbst beschreibt sich als «alten Mann mit Schnauz», im Gespräch entsteht der Eindruck eines zurückhaltenden Menschen.

Mann der heftigen Worte

Das kann täuschen. Einstige Journalistenkollegen sprechen von einem Mann mit heiligem Zorn. Engeler nannte die Neat einen «gigantischen Betrug am Volk» und die Bundesanwaltschaft einen «Krüppel». Seine heutigen Worte haben nicht an Prägnanz verloren: «Sie plagen mich. Sie wollen mich fertigmachen», sagt Engeler, «doch das gelingt ihnen nicht.»

Sie, das sind die Gemeinderäte Beinwils. Kürzlich wollte Engeler bei der Gemeindeversammlung Flyer verteilen, um auf seine Sache aufmerksam zu machen. Der Gemeindepräsident schickte ihn weg, das Verteilen sei illegal. Engeler widerspricht und geht nun juristisch gegen die Gemeinde vor. Er will recht haben – und 260.70 Franken Entschädigung bekommen. So viel kostet es ihn nun, die Flyer per Post zu verschicken.

«Wenn der Denkmalschutz kommt, gebe ich am besten die Schlüssel ab.»

Engeler hat ein Gegengutachten erstellen lassen, er schreibt Leserbriefe (die in der Lokalzeitung nicht abgedruckt werden), er druckte Banner und hat eine Website professionell programmieren lassen. Darauf gratuliert er lokalen Journalisten zu kritischen Berichten und schreibt von «Behördenwillkür» und «tödlichen Folgen». «Wenn der Denkmalschutz kommt, gebe ich am besten die Schlüssel ab», sagt Engeler.

Begonnen hat das Unheil gemäss Engeler im Jahr 2015. Neben seinem Haus hätte eine grosse Überbauung entstehen sollen, Engeler kämpfte dagegen – und gewann. «Das haben sie nicht vergessen», sagt er. 2016 kam der Denkmalschützer, lief durch das Haus und wollte es ins Inventar des Denkmalschutzes aufnehmen. Als Gespräche mit der Gemeinde ins Leere liefen (Engeler fühlte sich ignoriert), blies er zum Gegenangriff.

Seine Söhne helfen ihm dabei. Zugleich sagen sie, dass man ihn in seinem Eifer manchmal vor sich selber schützen müsse. Am 9. Dezember werden dieBeinwiler über die neue Bau- und Zonenordnung abstimmen, bis dann muss er mobilisieren. In einem Dorf, in dem er bloss die nächsten Nachbarn kennt, die ihn unterstützen.

Die Gemeinde widerspricht

Gemeindepräsident Peter Lenzin stutzt, als er von den Vorwürfen hört. Skurril nennt er sie, «wir wollen niemanden fertigmachen und behandeln alle gleich». Engelers Haus sei überhaupt ein Nebenschauplatz in der neuen Bau- und Zonenordnung. «Er kann sich doch freuen, dass wir sein Haus als derart wertvoll erachten», sagt Lenzin.

Die Gemeinde habe beschlossen, dass sie Engelers Vorwürfe nicht öffentlich kommentieren werde. Intern hat sie aber von Architekten ein Dokument erstellen lassen, dieses widerspricht Engeler in 12 Punkten. So steht etwa, dass er weiterhin in der Scheune Wohnungen bauen könnte, was Engeler wiederum als unrealistisch bezeichnet und auf sein eigenes Gutachten verweist.

«Mit uns kann man reden», sagt Lenzin und erzählt von seiner ersten Begegnung mit Engeler. Der Mann habe ihm in bestimmten Ton gesagt, falls sein Haus unter Denkmalschutz falle, gehe er bis vor Bundesgericht. Das sagt Engeler auch heute noch. Der Gang nach Lausanne reizt ihn – recht bekommen auch. Er weiss aber schon jetzt: «Der Zuppiger war einfacher.»


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Erstellt: 29.11.2019, 12:31 Uhr

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