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So entwickelt sich die Zuwanderung in die Schweiz

Unsere Übersicht zeigt, wie viele Menschen einwandern, woher sie kommen und warum sie sich für die Schweiz entscheiden.

Die Zuwanderung hat nicht abgenommen: Passagiere besteigen im Zürcher Hauptbahnhof eine S-Bahn. Foto: Keystone
Die Zuwanderung hat nicht abgenommen: Passagiere besteigen im Zürcher Hauptbahnhof eine S-Bahn. Foto: Keystone

Das Jahr 2019 stand ganz im Zeichen der Klimadebatte. Andere Themen hatten es schwer, so auch die Flüchtlingskrise, die lange die Schlagzeilen dominierte. Mittlerweile ist es ruhiger geworden um das Thema. Dabei ist die Zahl der Betroffenen inzwischen auf ein neues Rekordniveau gestiegen: Weltweit gibt es über 70 Millionen Vertriebene.

In der Schweiz haben in diesem Jahr gut 13'000 Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt. Das sind weniger als in den letzten Jahren. Aber die Zuwanderung hat trotzdem nicht abgenommen. Wir zeigen, warum das so ist, und machen einen Überblick in fünf Kapiteln:

  • So viele Menschen wandern in die Schweiz ein
  • Das sind die Gründe für die Einwanderung
  • So haben sich die Asylzahlen entwickelt
  • Aus diesen Ländern kommen die meisten Flüchtlinge
  • Das sind die Ausländer in der Schweiz

So viele Menschen wandern in die Schweiz ein

Die Zuwanderung ist in erster Linie von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Das Abkommen mit der EU über die Personenfreizügigkeit trat schon 2002 in Kraft. Aber erst drei Jahre später, als die Konjunktur anzog und die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften stieg, nahm auch die Einwanderung deutlich zu. Zwischenzeitlich gestoppt wurde der Aufschwung von der Finanzkrise 2008. Doch weil sich die Schweizer Wirtschaft im ­Vergleich zu anderen Ländern schneller davon erholte, stieg auch die Zuwanderung bald wieder an.

Ab 2014 zeigte der Trend dann auf einmal nach unten. Während sich die Wirtschaftslage in der EU verbesserte, stagnierte sie in der Schweiz. Vor allem aber belastete die Aufhebung des Euromindestkurses 2015 die Konjunktur in der Schweiz stark und drückte auf die Nachfrage nach Arbeitskräften aus dem Ausland.

Erst 2017 setzte eine wirtschaftliche Erholung von der Frankenstärke ein. Im vergangenen Jahr nahm die Zuwanderung deshalb wieder leicht zu. Der Wanderungssaldo (Einwanderung minus Auswanderung) betrug rund 54’700 Personen, was einer Zunahme von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach.

2019 setzt sich diese Entwicklung Stand jetzt fort, wie die aktuellsten Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM) zeigen. Zwischen Januar und November wanderten gut 131’000 Ausländer in die Schweiz ein und 73’000 aus. Der Wanderungssaldo ist damit schon jetzt fast gleich hoch wie im Vorjahr.

Fast 70 Prozent der Menschen, die 2019 in die Schweiz kamen, stammten aus der EU und aus Efta-Staaten (Liechtenstein, Norwegen, Island). Das war auch schon in den vergangenen Jahren so. Denn die Aussicht auf eine Arbeitsstelle ist immer noch der Hauptgrund, warum sich viele für die Schweiz entscheiden.

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Das sind die Gründe für die Zuwanderung

Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ist der mit Abstand wichtigste Einwanderungsgrund, daran hat sich auch 2019 nichts geändert. Mehr als die Hälfte der Ausländerinnen und Ausländer kam wegen eines Jobs in die Schweiz. An zweiter Stelle folgt mit knapp 30 Prozent der Familiennachzug, an dritter Stelle liegen Aus- und Weiterbildungen mit gut 9 Prozent.

Übertritte aus dem Asylbereich machten dieses Jahr bisher nur 4,6 Prozent der Zuwanderung aus. Das liegt auch daran, dass immer weniger neue Asylgesuche gestellt werden.

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So haben sich die Asylzahlen entwickelt

Bis Ende November 2019 wurden gut 13’000 neue Gesuche gestellt. Das sind weniger als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr (14’230) und deutlich weniger als noch vor zwei Jahren (16’887). Seit dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 hat sich die Zahl der Asylgesuche sogar mehr als halbiert.

Hauptgrund für den Rückgang ist die Abnahme der Überfahrten von Afrika über das zentrale Mittelmeer nach Italien, also auf der wichtigsten Migrationsroute in die Schweiz. Laut dem SEM hat die Schweiz zudem als Ziel für Migranten ohne hinreichende Fluchtgründe an Bedeutung verloren, weil Gesuche, die voraussichtlich abzulehnen sind, rasch und konsequent behandelt werden. «Einiges spricht dafür, dass nun Jahre mit einer vergleichsweise entspannten Migrationssituation vor uns liegen», sagt das SEM.

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Aus diesen Ländern kommen die meisten Flüchtlinge

Als Flüchtling gilt eine Person, die in ihrem Heimatland wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauung diskriminiert wird oder bedroht ist. Erfüllt ein Zuwanderer diese Voraussetzung, gilt er als anerkannter Flüchtling und erhält in der Schweiz Asyl.

Am meisten Flüchtlinge kamen in den letzten zehn Jahren aus Eritrea, Syrien, Sri Lanka und der Türkei. Vor allem die eritreische Diaspora in der Schweiz ist stark gewachsen und zählt mittlerweile gut 24'400 Personen.

Anerkannte Flüchtlinge erhalten eine Aufenthaltsbewilligung (Ausweis B) und nach zehn Jahren (bei erfolgreicher Integration nach fünf Jahren) eine Niederlassungsbewilligung. Sie zählen damit zur ständigen ausländischen Bevölkerung.

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Das sind die Ausländer in der Schweiz

Gemäss dem aktuellsten Stand (Ende Oktober 2019) leben gut 2,1 Millionen Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz. Sie machten fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus. Vor zwanzig Jahren war es noch weniger als ein Fünftel.

Dass der Anteil gestiegen ist, hat viel mit der Zuwanderung aus Europa zu tun. 68 Prozent der Ausländer stammen aus EU-/Efta-Staaten, fast 40 Prozent sogar aus einem Nachbarland. Die Italiener bilden die grösste Gruppe, vor den Deutschen, Portugiesen, Franzosen und kosovarischen Bürgern. Zusammen machen diese fünf Nationen mehr als die Hälfte der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung aus.

Insgesamt leben hierzulande Menschen aus über 190 Nationen. Im Gegensatz zur Schweizer Bevölkerung, in der die Frauen eine Mehrheit bilden, sind die Männer in der ausländischen Wohnbevölkerung in der Überzahl. Dies ist laut dem SEM auf die Nachfrage im Arbeitsmarkt zurückzuführen. Insbesondere Männer zwischen 30 und 60 Jahren sind überproportional vertreten.

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