So könnte die Vignette ersetzt werden

Mit Mobility-Pricing würde die Autobahnvignette hinfällig. Der Astra-Chef macht einen Vorschlag für einen Ersatz.

Seit 1985 obligatorisch: Eine Frau klebt die Vignette an die Frontscheibe ihres Autos. (26. Januar 2016)

Seit 1985 obligatorisch: Eine Frau klebt die Vignette an die Frontscheibe ihres Autos. (26. Januar 2016) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Sollte dereinst Mobility-Pricing Realität werden, hätten Vignette und GA ausgedient. Deren fixe, von der Benutzung unabhängige Preise laufen dem Prinzip von flexiblen Tarifen auf Strasse und Schiene zuwider. Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra), macht heute im «Blick» einen Vorschlag, wie die Autos künftig erfasst werden könnten: Ein Fahrtenschreiber im Auto sei «eine denkbare Lösung.» Bei Lastwagenchauffeuren werden diese heute bereits eingesetzt für die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Mittels Fahrtenschreiber können die zurückgelegten Kilometer erfasst werden.

Kontrollstellen erfassen über ein dreidimensionales Kamerabild alle LSVA-pflichtigen Fahrzeuge und überprüfen anhand des Nummernschildes automatisch, ob der Halter die LSVA bezahlt hat. (Bild: Keystone)

Eine sinnvolle Variante, findet Verkehrsexperte Daniel Müller-Jentsch von Avenir Suisse. Idealerweise würden allerdings nicht nur die gefahrenen Kilometer gemessen, sondern auch wo und wann diese gefahren worden seien: «Mobility-Pricing wirkt vor allem dann verkehrslenkend, wenn man nach Zeiten und Strecken differenziert. Dann liessen sich Staus vermeiden und Verkehrskapazitäten besser nutzen.» Er verweist auf Singapur, das zu den Pionieren in Sachen Roadpricing gehört. Jedes Auto hat ein Erfassungsgerät an der Frontscheibe, die nach Strecke oder Zeit gestaffelten Tarife werden automatisch abgebucht.

Ein gläserner Lenker?

Das Resultat wären sehr umfassende Bewegungsprofile, die Fahrer würden zu gläsernen Lenkern. Kritiker warnen deshalb vor Missbrauch und pochen auf den Datenschutz. Für dieses Problem gäbe es durchaus Lösungen, sagt Müller-Jentsch: «In den Niederlanden bestanden Pläne für ein Roadpricing, bei dem Funkstationen an Streckenabschnitten die Bewegungsdaten erfassen. Diese sollten nur die sich daraus ergebenden Gebühren an die zentrale Datenbank weiterleiten, ohne persönliche Bewegungsdaten zu speichern.» Die Pläne für ein Roadpricing wurden in den Niederlanden wegen eines Regierungswechsels allerdings nicht umgesetzt. Müller-Jentsch findet zudem: Ohnehin seien von den meisten Benutzern durch ihre Smartphones bereits umfangreiche Bewegungsprofile vorhanden.

Abgerechnet werden soll monatlich, sagt Astra-Chef Jürg Röthlisberger. Es sei denkbar, dass mittels Mobility-Pricing auch die Geschwindigkeit gemessen werden könne. Dass damit auch gleich Geschwindigkeitsübertretungen gebüsst würden, lehnt er allerdings ab. Bis Mobility-Pricing in der Schweiz eingeführt werden könnte – wenn es denn die politischen Hürden nimmt und in der Praxis besteht –, dürfte es nach Einschätzung von Verkehrsministerin Doris Leuthard noch mindestens 15 Jahre dauern. Daniel Müller-Jentsch ist überzeugt, dass bis dahin neue technische Möglichkeiten bestehen, wie Fahrten erfasst und die Kosten verrechnet werden können.

Die Schweiz war 1985 das erste Land Europas mit einer Autobahnvignette. Mittlerweile sind viele Nachbarländer weiter: In mehreren Staaten erfolgt die Kontrolle automatisiert via Kameras. Auch in der Schweiz laufen Bestrebungen, die Klebeetikette durch ein modernes System zu ersetzen. (thu)

Erstellt: 13.07.2016, 18:32 Uhr

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