So sollen mehr Flüchtlinge arbeiten können

Ein Bericht enthält Empfehlungen, wie die Arbeitsintegration in der Schweiz weiterkommt.

Schon früh sollen Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene Job-Coaches erhalten: Ein Asylsuchender beschäftigt sich im Rahmen eines Integrationsprogramms (Februar 2017).

Schon früh sollen Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene Job-Coaches erhalten: Ein Asylsuchender beschäftigt sich im Rahmen eines Integrationsprogramms (Februar 2017). Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Bildung und Arbeit ist ein Schlüssel für eine gelungene Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Gerade im Bereich der Arbeitsintegration hat es deshalb in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von neuen Lösungsansätzen gegeben – Ausbildungen, Vorlehren, Beschäftigungsprogramme. Doch bleibt die Erwerbsquote weiterhin tief: Sie beträgt in den ersten 4 bis 5 Jahren nach der Einreise rund 20 bis 30 Prozent und steigt erst nach 7 Jahren auf rund 50 Prozent. Dabei schätzt der Bund, dass rund 70 Prozent der anerkannten Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen das Potenzial haben, im hiesigen Arbeitsmarkt zu bestehen.

Doch Hürden bis zu einer Anstellung von Flüchtlingen gibt es weiterhin viele – sowohl für die Betroffenen wie auch für die Arbeitgeber. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der Beauftragte für Flüchtlinge und Wirtschaft, Eduard Gnesa, im Auftrag des Staatssekretariats für Migration (SEM) 55 Interviews mit Vertretern der Wirtschaft geführt. Aus diesen ist ein Bericht mit Empfehlungen entstanden, wie die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen noch besser gelingen kann.

Basierend auf den Interviews sieht der Bericht Verbesserungspotenzial in den folgenden drei Bereichen:

1. «Potenzialabklärung und Job-Coaching»

Die Kantone sollen möglichst früh und einheitlich abklären, welches berufliche Vorbildung die Betroffenen mitbringen. Zurzeit würden sich solche Abklärung kantonal noch sehr unterscheiden, und die Unternehmen seien für eine Beurteilung teilweise einzig auf die Aussagen der Jobanwärter angewiesen.

Auch wünschen sich die Unternehmen, dass die Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen sogenannte Job-Coaches zur Seite gestellt bekommen. Deren Aufgabe wäre es, Personen auf den Arbeitsmarkteinstieg vorzubereiten, ihnen bei der Stellensuche zu helfen und während der ersten Zeit nach Stellenantritt als Ansprechperson für den Arbeitgeber zu dienen.

2. «Anreize für Arbeitgeber»

Ein weiterer Knackpunkt sieht der Bericht bei finanziellen Hindernissen bei den Arbeitgebern wie beispielsweise ihrem höheren administrativen Aufwand oder den längeren Einarbeitungszeiten. Um diese zu vermindern, gäbe es gemäss Bericht auch die Möglichkeit, zu prüfen, ob den Arbeitgebern ein finanzieller Anreiz mittels Einarbeitungszuschüssen oder Teillohnmodellen gegeben werden soll.

3. «Information und Vernetzung»

Weiter teilten die Arbeitgeber dem SEM auch mit, dass sie oft nicht wissen, wo sie Informationen zu den Anstellungsbedingungen für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene finden. Hier schlägt der Beauftragte des SEM eine einheitliche und schweizweite Informationsplattform vor. Auf dieser sollen die Unternehmen alle relevanten Informationen nachschlagen können. Auch soll es weiterhin Informationsveranstaltungen für potenzielle Arbeitgeber geben.

Dieser Bericht ist ein weiterer Teil der Integrationsagenda Schweiz, welche Bund und Kantone im April 2018 gemeinsam beschlossen haben. Als Auftakt wurden damals die Integrationspauschale, die der Bund den Kantonen für jede Person mit Bleiberecht bezahlt, von 6000 auf 18'000 Franken erhöht. (saf)

Erstellt: 18.09.2018, 10:17 Uhr

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