So stark sind die Mieten in den letzten 11 Jahren gestiegen

Bald wird über die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» abgestimmt. Wir zeigen, wo die Preise am meisten zugenommen haben.

In der Schweiz ist günstiger Wohnraum knapp: Ein Paar bei einer Wohnungsbesichtigung. Foto: iStock

In der Schweiz ist günstiger Wohnraum knapp: Ein Paar bei einer Wohnungsbesichtigung. Foto: iStock

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Am 9. Februar stimmt die Schweiz über die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» ab. Der Mieterinnen- und Mieterverband sowie die SP und die Grünen wollen in der Verfassung verankern, dass der Bund den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern muss. Immer weniger Menschen würden wegen der rasant steigenden Mietpreise eine bezahlbare Bleibe finden, kritisieren die Initianten.

Tatsächlich haben sich die Mieten in den letzten Jahren deutlich verteuert, wie Zahlen zeigen, die das Immobilienportal Homegate in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kantonalbank erhoben hat. Seit Anfang 2009 sind die Preise schweizweit um mehr als 14 Prozent gestiegen.

Der Mieterverband begann Unterschriften für die Initiative zu sammeln, nachdem sich das Wohnungsangebot zwischen 2009 und 2013 massiv verknappt hatte – durch die gute Wirtschaftslage, aber auch, weil jährlich 100'000 Personen in die Schweiz kamen. Gleichzeitig wurden zu wenige Wohnungen gebaut, sodass die Preise deutlich stiegen. Bis Anfang 2016 zeigte die Entwicklung nur in eine Richtung: nach oben. Seither hat sich die Situation etwas entspannt.

Regional gibt es aber grosse Unterschiede. Homegate hat in zwölf Kantonen Zahlen seit 2009 erhoben. Am deutlichsten zugenommen haben die Preise in Genf und in der Waadt, wo neue und wieder zu vermietende Wohnungen mehr als 24 Prozent teurer wurden. Auch in Zürich stiegen die Preise um fast 20 Prozent, im Tessin hingegen nur um 4,5 Prozent.

Von allen Kantonen gibt es Zahlen seit Anfang 2016, als sich die Lage zu beruhigen begann – allerdings nicht überall. Im Kanton Zug stiegen die Mieten seither um 4,5 Prozent, in Bern, Graubünden, Obwalden und Zürich immerhin um 2 Prozent oder mehr. In einigen Kantonen wie Neuenburg, Aargau und Solothurn haben sich die Preise hingegen kaum verändert. Andere verzeichneten gar einen Rückgang. Im Tessin wurden die Mieten in den letzten vier Jahren um 4 Prozent günstiger.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch bei den grössten Schweizer Städten wieder. Während Zürich deutlich teurer wurde (+6,6 Prozent), ist eine Wohnung in Lugano heute viel günstiger zu haben (–7,8 Prozent) als noch vor vier Jahren. Auch Lausanne verzeichnet einen leichten Rückgang, in Basel und Bern wurde Wohnraum ein wenig teurer. In anderen Städten sind die Mieten fast gleich hoch geblieben.

In der Bevölkerung scheint die jüngste Entwicklung allerdings nicht zu einem Meinungsumschwung geführt zu haben. Gemäss der ersten Umfrage von Tamedia hat die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» aktuell eine klare Mehrheit: 63 Prozent der Befragten würden derzeit mit Ja oder eher Ja stimmen.

Wichtigstes Argument der Befürworter ist dabei, dass es sich beim Wohnen um ein Grundbedürfnis handelt, das bezahlbar sein soll, und die Initiative nur umsetze, was als Auftrag bereits in der Verfassung stehe. Aus Sicht der Gegner soll der Bund nicht in den Wohnungsmarkt eingreifen. Die Initiative verlangt unter anderem, dass mindestens 10 Prozent der neu gebauten Wohnungen gemeinnützig sein müssen.

Erstellt: 07.01.2020, 13:31 Uhr

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