So stark strahlt die Antenne in Ihrer Nähe

Durch die steigende Anzahl Sendeanlagen in der Schweiz nimmt die Strahlung zu. Trotzdem drängen die Mobilfunkbetreiber auf eine Anhebung der Grenzwerte.

Je stärker die Sendeleistung, desto höher die Strahlung: Klicken Sie sich durch die interaktive Karte des Bundesamtes für Kommunikation, um Mobilfunkantennen in Ihrer Nähe zu lokalisieren.


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Heute lehnte der Ständerat eine Motion zur Modernisierung der Mobilfunknetze ab und widersprach damit dem Nationalrat. Dieser wollte die Verordnung ändern, welche die maximal zulässige Strahlung durch Antennen in der Schweiz regelt. Sie schreibt «Anlagegrenzwerte» vor, die gezielt tiefer liegen, als es aufgrund der wissenschaftlich anerkannten Kenntnisse über Gesundheitsrisiken notwendig wäre.

Mobilfunkbetreiber fordern eine Anhebung der Grenzwerte. Diese sei notwendig, weil eine immer grössere Sendeleistung gefragt sei. Trotz des Neins des Ständerats kann man deshalb davon ausgehen, dass sie ihr Lobbying weiter vorantreiben werden.

Zahlen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) zeigen, dass der Elektrosmog beziehungsweise die Belastung durch hochfrequente Strahlung in der Schweiz zunimmt. Ein Hauptgrund dafür ist die rasante Zunahme der Datenübertragung seit der Einführung von Smartphones.

2013 war die per Smartphones übertragene Datenmenge (mehr als die Hälfte davon für Videoanwendungen) bereits 46-mal so gross wie noch 2008. Laut dem Bafu entspricht die Zunahme derzeit fast einer jährlichen Verdoppelung. Je mehr Daten übertragen werden, umso mehr Sendeleistung muss dafür zur Verfügung gestellt werden, und die Belastung durch Mobilfunkstrahlung steigt entsprechend.

Denn jede Antenne beziehungsweise Sendeanlage kann nur eine begrenzte Menge an Gesprächen und Daten übertragen. Bei steigender Nutzung der mobilen Telekommunikation muss folglich die Anzahl Sendeanlagen ausgebaut werden. Dies geschah in den letzten Jahren bereits stark.

Seit dem Jahr 1999 hat sich die Anzahl der Mobilfunksendeanlagen mehr als versechsfacht, und nach wie vor werden die Mobilfunknetze mit neuen Sendeanlagen ausgebaut, da jede Sendeanlage in ihrer Kapazität begrenzt ist. Das führt zwar zu einer praktisch flächendeckenden Mobilfunkversorgung in der Schweiz, gleichzeitig aber auch zu einem landesweiten Anstieg der hochfrequenten Strahlung durch Antennen.

Diese werde «im öffentlichen Raum zunehmen», schreibt das Bafu. Momentan sei sie noch relativ gering, angesichts der Entwicklung könne sich dies jedoch bald ändern.

«Die hochfrequente Strahlung führt zu einer Belastung des Kopfes oder der Hand.»Bundesamt für Gesundheit

Wie intensiv die Strahlung beziehungsweise die Elektrosmogbelastung der Umwelt ist, hängt von mehreren Faktoren ab, beispielsweise der Sendeleistung, der Anzahl der aktuell übermittelten Gespräche, der Entfernung und der Dämpfung durch Mauerwerk und Dächer. Wissenschaftler und Experten sind sich denn auch nicht einig, ob und inwieweit Mobilfunkstrahlung Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

Das Bundesamt für Gesundheit spricht von einer «Strahlenbelastung des Kopfes oder der Hand einer Person» beim Telefonieren direkt am Ohr und dem Halten des Smartphones in der Hand. Bezüglich gesundheitlicher Auswirkungen gebe es aber noch Unsicherheiten. Laut der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation der ETH Zürich kann man eine mögliche Langzeitgefährdung «gegenwärtig nicht zweifelsfrei ausschliessen».

Diese unklare Risikolage wirkt sich auch auf die Wahrnehmung in der Bevölkerung aus. Nur 61 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer glaubten in einer Umfrage im Jahr 2014, dass Mobilfunkstrahlung Gesundheitsrisiken mit sich bringt. Diese Zahl liegt im Vergleich zu anderen Umwelteinwirkungen und im internationalen Vergleich eher tief. In einer europaweiten Umfrage waren 70 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Mobilfunkantennen einen mässigen bis starken Einfluss auf die Gesundheit haben.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.12.2016, 15:00 Uhr)

Ständerat gegen höhere Grenzwerte

Die Grenzwerte für Mobilfunkantennen sollen nicht angehoben werden. Der Ständerat hat sich heute Donnerstag nach intensiver Diskussion dagegen ausgesprochen. Das Thema bewegt: Noch nie hätten sie so viele Zuschriften aus der Bevölkerung erhalten, sagten viele Ratsmitglieder.

Am Ende war es ein knapper Entscheid: Der Ständerat lehnte den Vorstoss mit 20 zu 19 Stimmen bei 3 Enthaltungen ab. Die Motion ist damit erledigt. Der Nationalrat wollte den Bundesrat beauftragen, die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung zu revidieren. Aus seiner Sicht sind die Auflagen heute zu einschränkend.

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