So stehen die Chancen für einen Sprengkandidaten

Die SVP-Spitze will einen Geheimplan für die Bundesratswahlen verhindern. Sie fürchtet eine Retourkutsche bei künftigen Vakanzen.

Der CVP-Präsident steht nicht zur Verfügung: Gerhard Pfister mit SVP-Präsident Albert Rösti in Bern.

Der CVP-Präsident steht nicht zur Verfügung: Gerhard Pfister mit SVP-Präsident Albert Rösti in Bern. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Der Wunsch nach einer Sprengkandidatur für die Bundesratswahlen geistert immer noch herum. In einer kleinen Gruppe umgarnten allen voran SVP-Leute diese Woche in der Wandelhalle des Nationalrats einmal mehr CVP-Präsident Gerhard Pfister. Auf dem Ticket der CVP stünden nur Vertreterinnen des «mittleren Kaders», wurde spöttisch gesagt. Es brauche jetzt Pfister. Doch dieser liess sich nicht erweichen. «Es ist schade, steht Pfister nicht zur Verfügung. Er hätte sehr gute Chancen, gewählt zu werden», sagt SVP-Nationalrat Christian Imark.

Wilde Kandidaturen können zwar noch kurz vor der Wahl, in der Nacht der langen Messer, ins Rollen kommen. Diesmal sieht es nicht danach aus. «Eine Sprengkandidatur ist nicht mehr aktuell», sagt FDP-Ständerat Joachim Eder. Die Kreise, die sich damit befassten, haben wohl aufgegeben. Auch Christian Imark muss zugeben: «Eine Sprengkandidatur müsste jetzt vorbereitet werden, doch dafür sind keine Bestrebungen erkennbar.»

Das hängt primär mit der SVP-Spitze zusammen, die mit ihrem Verhalten alle Geheimpläne abwürgte. Parteipräsident Albert Rösti und Fraktionschef Thomas Aeschi haben in der Fraktion klargemacht, man stehe zur Konkordanz und wolle sich an die Vorschläge der CVP halten. «Unsere Führung will damit verhindern, dass es bei künftigen SVP-Vakanzen eine Retourkutsche gibt», sagt Imark.

Martullo-Blochers Ambitionen würden beeinträchtigt

Klar ist: Wenn die SVP dereinst eine ihrer Leaderfiguren wie Magdalena Martullo-Blocher in den Bundesrat bringen will, braucht sie dafür die Unterstützung anderer Parteien. Es wäre dumm, wenn die SVP diese jetzt mit Spielchen verärgerte. Daher hält sie sich lieber an die Gepflogenheiten und stärkt diese auch, indem sie offizielle Kandidaturen unterstützt.

Pfister wurde ohnehin zu früh als Teil eines möglichen Geheimplans ins Spiel gebracht. «Man kann nicht mit einem Sprengkandidaten antreten, der seit Wochen in den Medien Thema ist», sagt Eder. Dazu kommt, dass die CVP eine mögliche Sprengkandidatur auch selbst ausgebremst hat – indem sie Heidi Zgraggen an der Seite von Viola Amherd nominierte. Zgraggen ist einerseits für die SVP und den rechten FDP-Flügel wählbar. Andererseits stellt sie für die Linke eine Alternative dar, falls Amherd durchfallen sollte. Damit hat auch die SP ihr Interesse an einer Sprengkandidatur, das es tatsächlich gab, verloren.

Eine Tamedia-Umfrage zeigt nun aber, dass sich die Politik durchaus auf eine Sprengkandidatur bei der Bundesratswahl einlassen könnte. Denn selbst im Volk begeistern die beiden CVP-Kandidatinnen Viola Amherd und Heidi Zgraggen nicht. Die Umfrage zeigt aber auch, dass es bis heute nicht gelungen ist, eine überzeugende Ersatzkandidatur aufzubauen – selbst Gerhard Pfister fällt durch.

Absehbar ist, dass Pfister am Mittwoch bei der Wahl Stimmen machen wird – vielleicht sogar so viele, dass er im Parlament eine Erklärung wird abgeben müssen. Spätestens dann wird der Geheimplan aber gescheitert sein, wenn Pfister seinen Verzicht erklärt.

Amherd bricht Widerstand in FDP und SVP

Was passiert dann? Nach wie vor spricht mehr für eine Wahl von Amherd. Zgraggen hat am Dienstag zwar eine Mehrheit der SVP-Fraktion für sich gewonnen. Insgesamt setzte sie sich aber zu wenig deutlich durch.

Amherd hat derweil diese Woche den Widerstand gegen ihre Person im rechts-bürgerlichen Lager brechen können. Sie wird dort nicht mehr als derart links wahrgenommen wie zu Beginn des Wahlkampfs. Sie punktete bei ihren Auftritten vor dem Bauern- und Gewerbeverband. Zudem profitiert sie von ihrer Bekanntheit im Bundeshaus. Auffällig oft sprechen in diesen Tagen gerade auch Vertreter der SVP und des rechten FDP-Flügels einfach von der «Viola». Ständerat Eder sagt denn auch: «Es ist nicht mehr ein Kopf-an-Kopf-Rennen.»

Welcher Effekt dies auf die Linke haben wird, ist offen. Sie hat sich noch nicht festgelegt – die SP hält ihr Hearing mit den Kandidierenden erst am nächsten Dienstag ab. Klar ist, dass aufgrund der Entwicklung im bürgerlichen Lager Zgraggen jetzt auf etliche Stimmen aus der SP angewiesen ist, um gewählt zu werden.

SP-Nationalrat Beat Jans hat unlängst verlauten lassen, dass die Ausgangslage «nicht mehr so klar ist» – zugunsten von Amherd. Diese dürfte vielen Linken zwar immer noch näher sein als Zgraggen. Aus der SP hört man mittlerweile aber auch, dass die beiden Kandidatinnen inhaltlich praktisch deckungsgleich seien. Aus strategischen oder persönlichen Gründen könnten einige SP-Vertreter deshalb auch zum Schluss kommen, Zgraggen zu wählen.

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Erstellt: 02.12.2018, 20:08 Uhr

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