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So tief war die Stimmbeteiligung zuletzt vor 40 Jahren

Nur rund 27 Prozent der Stimmberechtigten haben sich zum Tierseuchengesetz geäussert. Seit Einführung des Frauenstimmrechts war die Stimmbeteiligung nur ein einziges Mal noch geringer.

Kein Andrang: Abstimmungsurne in einem Wahllokal. (Archivbild TA)
Kein Andrang: Abstimmungsurne in einem Wahllokal. (Archivbild TA)

Etwa 27 Prozent der Stimmberechtigen haben über das revidierte Tierseuchengesetz abgestimmt. Das ist ausserordentlich wenig: Noch nie in den vergangenen 40 Jahren hat ein fakultatives Referendum weniger Menschen zum Abstimmen motiviert.

Das sei ein historischer Tiefstwert für ein fakultatives Referendum, sagte der Politologe Claude Longchamp vom Forschungsinstitut Gfs Bern im Schweizer Fernsehen SF. Den Negativrekord der letzten Jahre hatte bisher das Gesetz über die Anpassung der Beiträge der Kantone an Spitalbehandlungen gehalten.

An jenem Urnengang im Jahr 2003 beteiligten sich 28,7 Prozent der Stimmberechtigten. Hinter dem Referendum gegen die Spitalfinanzierungsvorlage stand die Krankenkasse Assura.

Longchamp: Nicht wirklich ein Konflikt

Die tiefe Stimmbeteiligung zeige, dass es um das revidierte Tierseuchengesetz nicht wirklich einen Konflikt gegeben habe, sagte Longchamp. 25 Prozent der Berechtigten gingen immer stimmen. Die übrigen gäben den ausgefüllten Stimmzettel jeweils aus Betroffenheit ab.

Die tiefste Beteiligung gab es am Wochenende mit 15,5 Prozent im Kanton Glarus - dort gab es keine kantonalen Vorlagen. Die höchste Beteiligung verzeichnete Schaffhausen mit rund 57 Prozent. Der Nordostschweizer Kanton kennt einen «Stimmzwang».

Dahinter folgt Graubünden mit einer Beteiligung von 34,4 Prozent. An die Urnen gelockt haben dürfte die kantonale Vorlage für eine Tourismusabgabe. Im bevölkerungsreichsten Kanton Zürich gingen 33,8 der Berechtigten zur Urne. Sie hatten über umstrittene Volksinitiativen zur Grundstufe und zum Mietrecht zu befinden.

Die – von der Bundeskanzlei erst provisorisch errechnete – Beteiligung vom Wochenende ist eine der tiefsten überhaupt seit der Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene im Jahr 1971: Obligatorische Referenden und Volksinitiativen mitgezählt, gingen gemäss einer Aufstellung der Nachrichtenagentur sda nur am 4. Juni 1972 (26,7 Prozent) weniger Stimmberechtigte an die Urnen.

Damals wurde über Massnahmen zur Stabilisierung des Baumarktes sowie über den Schutz der Währung abgestimmt. Zu beiden Vorlagen sagten über 80 Prozent der Stimmberechtigten Ja.

Im Mittel 43 Prozent

Tief war die Beteiligung auch am 4. März 1973 (27,5 Prozent): Damals hatten Volk und Stände über zwei Verfassungsänderungen zu Bildung und Förderung der wissenschaftlichen Forschung zu befinden.

Seit Einführung des Frauenstimmrechts liegt der Durchschnitt der Stimmbeteiligung bei knapp 43 Prozent. Bei der eidgenössischen Abstimmung im vergangenen September gingen 42,5 der Stimmberechtigten an die Urnen. Themen waren die Volksinitiativen «Schutz vor Passivrauchen» und «Sicheres Wohnen im Alter» sowie die Verankerung der Jugendmusikförderung in der Verfassung.

Den Spitzenwert der vergangenen 30 Jahre erreichte die EWR-Abstimmung 1992, als sich knapp 79 Prozent der Stimmberechtigten äusserten. In jüngster Zeit sorgten die Ausschaffungs- und Anti-Minarett-Initiativen mit je rund 53 Prozent für eine hohe Stimmbeteiligung.

(SDA)

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