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So viele Wohnungen werden trotzdem gebaut

Seit dem Ja zur Zweitwohnungsinitiative wurden 14'000 kritische Baugesuche eingereicht. Die CS schätzt nun, dass die Hälfte trotz Bundesgerichts-Urteil bewilligt wird.

Noch nicht der letzte Spatenstich: Ferienwohnungs-Überbauung in Laax-Murschetg im Bündner Oberland. (23. Mai 2013)
Noch nicht der letzte Spatenstich: Ferienwohnungs-Überbauung in Laax-Murschetg im Bündner Oberland. (23. Mai 2013)
Keystone

Baugesuche für 14'000 Wohnungen sind nach Annahme der Zweitwohnungsinitiative im März 2012 in den betroffenen Gemeinden noch eingereicht worden. Rund die Hälfte davon kann nach dem Entscheid des Bundesgerichts tatsächlich gebaut werden, wie die Grossbank CS schätzt.

Eine exakte Schätzung, wie viele Wohnungen betroffen sind, sei noch nicht möglich, sagte Thomas Rieder von der Credit Suisse am Donnerstag der Nachrichtenagentur sda. «Grob schätzen wir, dass etwas weniger als die Hälfte der 14'000 Wohnungen, für die 2012 in betroffenen Gemeinden noch Baugesuche eingingen, nicht mehr gebaut werden können.»

Die Zahl der Wohnungen bezieht sich auf die zehn Monate zwischen Annahme der Zweitwohnungsinitiative und Inkrafttreten der Umsetzungsverordnung Anfang 2013. Nicht unter das Bauverbot fallen etwa rechtskräftig bewilligte Wohnungen, Erstwohnungen oder bewirtschaftete Zweitwohnungen.

«Auswirkungen werden vorverlagert»

Für tausende betroffene Grundeigentümer, die ihre Schäfchen noch vor Anfang 2013 ans Trockene bringen wollten, wiegt der Entscheid des Bundesgerichts aber schwer. Ihr Bauland verliert an Wert, weil sie keine Ferienwohnungen mehr bauen dürfen, ausserdem bleiben sie auf den Planungskosten sitzen.

Weniger gravierend sind die Folgen des Bundesgerichtsurteils auf die Wirtschaft der 544 Gemeinden, die bereits einen Zweitwohnungsanteil über 20 Prozent haben. Nach dem Entscheid aus Lausanne wird sich der ohnehin erwartete Rückgang der Bautätigkeit bloss einige Monate früher einstellen. «Durch das Urteil werden die Auswirkungen der Initiative vorverlagert», sagte Rieder.

Die Initiative selber aber wiegt schwer: Nach Einschätzungen der CS werden die Einschränkungen in den betroffenen Gemeinden tiefe Spuren hinterlassen. Bau und baunahe Branchen sind in diesen Regionen für über 16 Prozent der gesamten Beschäftigung verantwortlich.

Tausende Stellen weg

Die CS rechnet wegen der Zweitwohnungsinitiative mit einem Beschäftigungsrückgang von durchschnittlich 30 Prozent in den betroffenen Branchen, was den Verlust von rund 7500 Stellen bedeutet. Das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel, das die Auswirkungen der Initiative im Auftrag des Seco untersucht hat, geht von einem Beschäftigungsrückgang in ähnlichem Rahmen aus.

Auch mit einer Verlagerung der Bautätigkeit, etwa in benachbarte Gemeinden, ist nicht zu rechnen. In den wichtigen Tourismusregionen sind praktisch alle Gemeinden betroffen. «Es gibt kaum weisse Flecken auf der Karte. Das Potenzial für eine Ausweichbewegung ist darum gering», sagte Rieder.

Er erinnert auch daran, dass langfristig nicht nur das Baugewerbe unter der Entwicklung leiden wird. Mangels Perspektiven werden manche Haushalte abwandern, was sich dann auch im Erstwohnungsbau, im Detailhandel und auch in anderen Branchen bemerkbar machen werde.

Preise für Zweitwohnungen steigen

Gute Nachrichten gibt es nur für jene, die bereits eine Ferienwohnung besitzen. Rieder geht davon aus, dass der Preis solcher Immobilien in Zukunft deutlich steigt. «Die Nachfrage wird ungebrochen sein. Wenn es kein zusätzliches Angebot gibt, wird das zu weiteren Preisanstiegen führen.»

Auch für die Tourismuswirtschaft könnte sich die Zweitwohnungsinitiative letztlich als Segen erweisen. BAK Basel geht je nach Szenario davon aus, dass Hotels und Ferienwohnung zulegen werden. Dank der höheren Wertschöpfung dieser Beherbergungsformen könnte die Wirtschaft in den betroffenen Regionen wieder in Fahrt kommen.

(SDA)

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