«Sobald Blocher involviert ist, muss diese Frage kommen»

Der Mega-Deal in den Schweizer Medien wirft Fragen auf: Baut Christoph Blocher die gekauften Titel in SVP-Kampfblätter um? Antworten von Rolf Bollmann, Chef der BaZ-Holding.

«Ich werde nicht ein erfolgreiches Geschäftsmodell kaputt politisieren»: Rolf Bollmann, CEO und Verwaltungsratspräsident der BaZ-Gruppe.

«Ich werde nicht ein erfolgreiches Geschäftsmodell kaputt politisieren»: Rolf Bollmann, CEO und Verwaltungsratspräsident der BaZ-Gruppe. Bild: Keystone

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Weshalb hat die BaZ Holdig AG den Zehnder-Verlag gekauft?
Weil regional stark verankerte Anzeiger ein gutes Geschäftsmodell sind. Der Zehnder-Verlag konnte in den letzten fünf Jahren im Werbemarkt ein leichtes Wachstum verzeichnen – während die Tages- und Wochenzeitungen schweizweit bis zu 50 Prozent der Werbeeinnahmen verloren haben. Das lokale Gewerbe inseriert weiterhin, und es will in einem lokalen Printtitel inserieren. Dort ist im Gegensatz zum Onlinebereich mit seinen hohen Streuverlusten Geld mit Werbung zu verdienen. Die Basis der Werbekunden ist sehr gross: Metzger, Maler, Garagisten. Wir glauben an die Kraft des gedruckten Worts in der Zeitung.

Wird mit der Übernahme auch eine politische Mission verfolgt?
Wir verfolgen kein politisches Ziel. Die Zeitungen werden sich inhaltlich nicht verändern, das Lokalkolorit ist das Entscheidende. Es wird nicht plötzlich lange Abhandlungen über nationale oder internationale Themen geben, das wollen die Leute in einem solchen Anzeiger nicht lesen. Über Lokalpolitik wird aber weiterhin berichtet werden.

Es fällt schwer, zu glauben, dass hinter dieser Übernahme nicht auch eine politische Absicht steckt.
Sobald der Name Christoph Blocher involviert ist, muss diese Frage natürlich kommen. Aber hier geht es ums Geschäft. Mit der Übernahme kann auch die «Basler Zeitung» (BaZ) geschützt werden, die wie alle Tageszeitungen mit sinkenden Werbeeinnahmen kämpft.

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Wird es denn eine Querfinanzierung zur BaZ geben?
Das ist nicht geplant. Wir verdienen mit der BaZ immer noch Geld. Aber die BaZ Holding AG profitiert als Ganzes von dieser Übernahme, sie steht damit auf einer breiteren Basis. Bei den Gratiszeitungen ist die Aussicht grösser, auch in Zukunft noch Geld zu verdienen.

Wie wurde die Übernahme finanziert?
Durch die BaZ Holding AG.

Die je zu einem Drittel Ihnen, Christoph Blocher und Markus Somm gehört. Haben Sie sich je zu einem Drittel an der Finanzierung beteiligt oder ist Blocher der Investor?
Zu den Details der Finanzierung äussere ich mich nicht wie auch nicht zum Kaufpreis.

Wird BaZ-Chefredaktor Markus Somm künftig in diesen Anzeigern zu lesen sein?
Auch das ist nicht geplant. Markus Somm wird bei diesen Gratiszeitungen keine Rolle spielen, er bleibt Chefredaktor der BaZ.

Das schliesst ja nicht aus, dass seine Kommentare auch in den Gratisblättern erscheinen können.
Diese Zeitungen leben nicht von politischen Inhalten. Natürlich werde ich als CEO versuchen, diese Blätter qualitativ zu verbessern, inhaltlich und layouterisch. Mein Auftrag ist jedoch, mit ihnen Geld zu verdienen. Wenn wir sie jetzt zu SVP-Kampfblättern oder SVP-Extrablättern umbauen würden, hätten wir ein Problem bei den Werbekunden. Ich hoffe nicht, dass Sie mich für so dumm halten, dass ich ein erfolgreiches Geschäftsmodell kaputt politisieren würde.

Man kann das auch subtiler machen, ohne einen Anzeiger gleich zum Kampfblatt umzubauen.
Die Zukunft wird zeigen, dass hinter diesem Kauf keine politische Absicht steht. Es sind auch keine personellen Veränderungen geplant, die gleichen Leute werden weiterhin diese Blätter machen.

Sind mit dieser Übernahme die Pläne für eine Gratis-Sonntagszeitung vom Tisch?
Der Sonntagsmarkt ist sehr gesättigt, die Werbeeinnahmen gehen stark zurück. Deshalb ist die Motivation derzeit nicht gross, diese Pläne weiterzuverfolgen. Was heute so ist, kann morgen jedoch wieder anders sein.

Hat die BaZ Holding AG weitere Übernahmepläne?
Im Moment nicht. Aber wir entscheiden von Fall zu Fall.

Sie haben seinerzeit die Gratiszeitung «20 Minuten» als Geschäftsführer aufgebaut. Welche Erkenntnis nehmen Sie aus dieser Zeit für die neue Aufgabe mit?
Die grösste Veränderung ist, dass sich der Stellenwert der Gratiszeitungen verbessert hat. Wir mussten damals gegen viele Vorurteile ankämpfen. Heute zählt die Werbewirkung – egal, ob sie in einem Gratis- oder Abonnements-Medium erzielt wird.

Die Blätter des Zehnder-Verlags werden bei Tamedia, die auch den «Tages-Anzeiger» herausgibt, gedruckt. Wird dies so beibehalten?
Ich überprüfe natürlich, ob zu einem vorteilhaften Preis gedruckt wird. Oder ob es neue Verhandlungen braucht.

Video: Best-of Teleblocher

Der SVP-Übervater verstand sich auch selber irgendwie als Medienmacher.

Erstellt: 16.08.2017, 16:23 Uhr

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