Sozialausgaben verschlingen 175 Milliarden Franken

Die Schweiz steht im europäischen Vergleich immer noch gut da. Doch die Armut der Bevölkerung nimmt weiter zu.

Statistischer Bericht: Vor allem die Kosten für ältere Menschen sind gestiegen. (Keystone/Gaetan Bally/Symbolbild)

Statistischer Bericht: Vor allem die Kosten für ältere Menschen sind gestiegen. (Keystone/Gaetan Bally/Symbolbild)

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Die Ausgaben für die soziale Sicherheit nehmen in der Schweiz weiter zu. Sie beliefen sich 2017 auf 175 Milliarden Franken. Das entsprach einem Anteil von 26,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

In Europa liegen die Ausgaben für die soziale Sicherheit höher. Sie betragen 27,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), wie das Bundesamt für Statistik (BFS) zu dem am Donnerstag veröffentlichten statistischen Sozialbericht mitteilte. Wie in der Schweiz seien auch in den 28 Ländern der Europäischen Union (EU) vor allem die Sozialausgaben für die Bereiche Alter, aufgrund der Bevölkerungsalterung, sowie Gesundheit angestiegen.

Die Schweiz im internationalen Vergleich

So entfielen in der Schweiz 2017 auf die beiden Bereiche Alter und Krankheit 42,4 respektive 31,7 Prozent der gesamten Sozialausgaben. Bei den Ausgaben für die Arbeitslosigkeit lasse sich hingegen trotz der zunehmenden Anzahl Erwerbsloser gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) kein Aufwärtstrend erkennen.

Die Ausgaben für Invalidität seien seit Mitte der 2000er-Jahre stabil, jene für die wirtschaftliche Sozialhilfe und die Ergänzungsleistungen zur AHV und zur Invalidenversicherung hätten dagegen zugenommen. 2017 seien für die wirtschaftliche Sozialhilfe und für die Ergänzungsleistungen netto 2,8 beziehungsweise 4,9 Milliarden Franken ausgegeben worden.

Armut nimmt weiter zu

2017 hätten 8,2 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung und 4,3 Prozent der Erwerbstätigen als einkommensarm gegolten. Die Armutsquote ist gemäss BFS seit 2014 angestiegen. Die Sozialhilfequote der Gesamtbevölkerung sei seit 2005 stabil geblieben und habe 3,3 Prozent betragen. Einen Anstieg habe es bei den Kindern und den 46- bis 64-Jährigen gegeben.

Das Einkommen, das den Menschen für den Konsum und zum Sparen zur Verfügung stehe, stagniere seit 2014. 2016 habe es sich auf monatlich 4121 Franken belaufen. 4,9 Prozent der Bevölkerung hätten sich in jenem Jahr einsam gefühlt und 6,0 Prozent der Bevölkerung seien nicht in der Lage gewesen, einmal im Monat Freundinnen und Freunde, Familienangehörige oder Bekannte zu treffen.

Der Ruf nach einer landesweiten Lösung

Das Hilfswerk Caritas Schweiz fordert angesichts der aus seiner Sicht alarmierenden Entwicklung von Bund, Kantonen und Gemeinden entschlossenes Handeln und eine wirksame Armutspolitik. Trotz guter wirtschaftlicher Konjunktur steige die Zahl der Armen in der Schweiz konstant an: Die Zahl der von Armut Betroffenen sei in einem Jahr von 615'000 auf rund 670'000 hochgeschnellt.

Dass der Bundesrat sich im letzten Jahr aus der Armutspolitik zurückgezogen habe, erweise sich nun als Bumerang. Das Problem dürfe nicht einfach den Kantonen und Gemeinden aufgebürdet werden: Es brauche nun dringend eine landesweite Armutsstrategie, fordert Caritas. (fal/sda)

Erstellt: 04.07.2019, 10:52 Uhr

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