Späte Auszeichnung für Peter Studer

Der 82-jährige Journalist wird für sein Lebenswerk geehrt.

Peter Studer: Ehemaliger Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und Chefredaktor des Schweizer Fernsehens. Foto: Thomas Egli

Peter Studer: Ehemaliger Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und Chefredaktor des Schweizer Fernsehens. Foto: Thomas Egli

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Peter Studer, denkt man, hatte so viele brillante Feinde – eine Auszeichnung mit Urkunde und Feier braucht so einer nicht auch noch. Und doch hat Studer gestern für sein Gesamtwerk den Zürcher Journalistenpreis erhalten. Zu seiner eigenen Überraschung übrigens: Mit 82 hätte er das nicht mehr erwartet. Die Journalisten in der Preisjury ehren damit einen, dem viele seiner Kolleginnen und Kollegen ein Berufsleben lang mindestens argwöhnisch gegenüberstanden. Das hat damit zu tun, dass er nicht allein gern berichtete und kommentierte – Studer, Dr. iur., im Militär Oberst, war auch gern Vorgesetzter: 1978 bis 1987 Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», 1989 bis 1999 Chefredaktor des Schweizer Fernsehens. Und zu Autoritäten pflegen Journalisten berufsbedingt ein Verhältnis gesunden Misstrauens.

Giftig auf den Punkt brachte das Annet Gosztonyi. Als die einstige TV-Moderatorin von Studer einmal wenig charmant als «Fossil» bezeichnet wurde, schoss sie zurück: Zum Fossil könne nur werden, wer über Rückgrat verfüge. Und: «So gesehen wird Peter Studer nie zum Fossil werden, sondern es wird ihm ewig beschieden sein zu bleiben, was Niklaus Meienberg treffend beschrieben hat: Steter Puder nämlich.» Der begnadete Autor Meienberg war 1976 vom damaligen «Tages-Anzeiger»-Verleger Otto Coninx mit einem Schreibverbot belegt worden. Studer und die ganze Redaktion konnten dagegen nichts ausrichten – was Meienberg lebenslang wütend bleiben liess.

Studer weigerte sich, als ihn das Tagi-Management während der 80er-Unruhen aufforderte, linke Reporter zu entlassen. 

In seiner Laudatio zählte Jurymitglied Hannes Britschgi vom Ringier-Verlag gestern allerdings zahllose Situationen auf, in der Studer als Journalist und Chef standhaft blieb. Er weigerte sich erfolgreich, als ihn das Tagi-Management während der 80er-Unruhen aufforderte, linke Reporter zu entlassen. Und er stellte sich vor seine Redaktion, als sie mit ihren Recherchen die damalige FDP-Bundesrätin Elisabeth Kopp zu Fall brachte – obwohl das Ehepaar Kopp schon seit der gemeinsamen Jugend in Luzern eng mit Studer befreundet war. Beim Fernsehen lancierte er die Diskussionssendung «Arena» und das Nachrichtenmagazin «10 vor 10». Beide wurden als zu seicht und zu krawallig für das öffentlich-rechtliche Fernsehen empfunden, gerade von Journalisten. Studer hielt daran fest. Dezidiert. Nicht beeindrucken liess er sich von Christoph Blocher, als der mit Inseraten gegen eine Sendung über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg protestierte und seinen Kopf forderte.

Meienberg hatte Studer als «Scheissliberalen» tituliert. Er selber sieht sich als «Beissliberalen». Seit er von seinen Cheffesseln befreit ist, spielt Studer diese Rolle gern. Nicht nur von der Tastatur aus, sondern auch konkret politisch. Etwa 2016 als Urheber des «dringenden Aufrufs» gegen die SVP-Durchsetzungsinitiative. So etwas versöhnt einen auch mit den kritischsten unter den Journalisten. Und man kriegt einen Preis.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2018, 17:56 Uhr

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