SRF stellt die regionalen Internetportale ein

Die SRG treibt eine weitere Zentralisierung voran. Jetzt sind auch die Regionaljournale betroffen. Die Mitarbeiter protestieren.

Kaum Reichweite: Den regionalen Internetportalen von SRF geht es an den Kragen. (Keystone/Anthony Anex/Symbolbild)

Kaum Reichweite: Den regionalen Internetportalen von SRF geht es an den Kragen. (Keystone/Anthony Anex/Symbolbild)

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Ohne Ankündigung hat die Leitung von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) eine weitere pikante Neuausrichtung beschlossen: Sie teilte vor wenigen Tagen den Lokalredaktoren mit, dass sämtliche regionalen Internetportale demnächst eingestellt werden. Dafür sollen nur noch ausgewählte Regionalgeschichten auf der Hauptseite des Senders publiziert werden.

Im gleichen Zug will SRF auch die erst kürzlich als Pilotprojekte lancierten Facebook-Auftritte der SRF-Regionalredaktionen in Basel, Bern und St. Gallen abschaffen. Zudem werde es künftig im Lokalen keine reinen Online-Redaktoren mehr geben, teilten die SRF-Verantwortlichen den Mitarbeitern mit. Die SRF-Leitung mit Direktorin Nathalie Wappler an der Spitze begründet den digitalen Rückzug so: Eine «umfassende quantitative Analyse der Marktund Publikumsforschung» habe gezeigt, dass die Artikel auf den Regionalseiten «kaum Reichweite generieren» und zu wenig gelesen werden.

Auf den regionalen Internetportalen publizieren die Lokalredaktionen ihre Beiträge in digitaler Form. Auch die TV-Sendung «Schweiz aktuell» beteiligt sich. Meist werden die Beiträge durch zusätzliche Videos oder Texte ergänzt. Die Seiten sind vergleichbar mit den Internetportalen der Tageszeitungen. SRF betreibt in sieben Regionen der Deutschschweiz Lokalredaktionen und ebenso viele lokale Internetseiten. Die Lokalredaktionen produzieren unter anderem die Regionaljournale von SRF.

Die SRF-Chefs betonen in der Mitteilung an die Mitarbeiter, dass es sich bei der Abschaffung der regionalen Seiten «explizit nicht um ein Sparprogramm» handle. Doch umso deutlicher wird, dass es in Wirklichkeit um eine reine Zentralisierung geht. So schreiben die SRF-Verantwortlichen den Mitarbeitern, «die Anzahl regionaler Geschichten wird bewusst reduziert, zugunsten aufwendigerer Recherchen oder überregionaler Themen». Und mit dem Abbau werde sich das «Jobprofil der regionalen Online-Redaktoren ändern». Aus «den schnellen News-Deskern» würden «Autorinnen mit überregionaler Strahlkraft».

«Geht es nur darum, möglichst viele Klicks zu generieren?»

In den Lokalredaktionen kann man die Argumentation der SRG-Führung nicht nachvollziehen. Erstaunlich viele kritisieren die Zentralisierung im internen Blog offen und undiplomatisch. So schreibt ein SRF-Mitarbeiter, es liege in der Natur der Sache, dass kleine lokale Geschichten nicht so häufig angeklickt werden wie die nationalen. Und: «Geht es uns wirklich nur darum, möglichst viele Klicks zu generieren?» Ein anderer kritisiert: «In der Region Aargau-Solothurn werden nach diesem Abbau die kleinen News-Geschichten aus den Gemeinden online fast ausschliesslich den Tageszeitungen überlassen. Medienvielfalt geht anders.» Zynisch schreibt ein weiterer: «Wenn es die Idee ist, den Regionen und der lokalen Berichterstattung jede Sichtbarkeit zu nehmen, dann gelingt dies mit diesem Ansatz ganz sicher.» Im Jahr 2019 die Onlinepräsenz zurückzuschrauben, sei schlicht eine «Kamikazeübung».

SRF-Sprecher Stefan Wyss verteidigt die Abbaustrategie. Er beteuert, dass die einzelnen Geschichten auf den regionalen Websites durchschnittlich nur einige Hundert Klicks generierten. Wyss glaubt nicht, dass der regionale Rückzug im Internet die Medienvielfalt schmälere.

«SRF will auch in den Regionen eine wichtige Stimme bleiben», sagt Wyss. Genau dieses Ziel verfolge man mit der neuen Strategie. Dazu brauche es aber «nicht zwingend einen eigenen Kanal, dafür umso mehr gute Geschichten», so der SRF-Sprecher.

Erstellt: 10.11.2019, 09:41 Uhr

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