Ankläger zieht Grenzwächter-Urteil weiter

Der Ankläger gibt sich mit dem Urteil gegen den Grenzwächter, der einer schwangeren Frau medizinische Hilfe verwehrt hatte, nicht zufrieden.

Totgeburt bei Rückführung: Der angeklagte Grenzwächter (l.) und die Staatsanwälte vor dem Militärgericht. Bild: Karin Widmer/Keystone

Totgeburt bei Rückführung: Der angeklagte Grenzwächter (l.) und die Staatsanwälte vor dem Militärgericht. Bild: Karin Widmer/Keystone

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Im Prozess gegen den Grenzwächter, der einer schwangeren Flüchtlingsfrau die Hilfe versagt hatte, ruft der Ankläger die nächste Instanz an. Er habe Appellation erklärt, sagte heute der Auditor (wie der Ankläger in der Militärjustiz genannt wird) Kenad Melunovic auf Anfrage. Er hatte eine Strafe von sieben Jahren Gefängnis gefordert.

Der tragische Fall geht auf das Jahr 2014 zurück: Eine syrische Familie reiste in einer Flüchtlingsgruppe mit dem Zug von Italien nach Frankreich, als sie von der französischen Grenzpolizei aufgegriffen wurde. Die Schweizer Grenzwache übernahm die Gruppe und brachte sie von Vallorbe VD nach Brig VS. Von dort sollten die Flüchtlinge im Zug nach Domodossola zurückgeschafft werden, mussten aber mehrere Stunden in der Grenzwache Brig warten. Dabei ging es der schwangeren Syrerin immer schlechter. Erfolglos bat ihr Gatte um medizinische Hilfe. In Domodossola gebar sie im Spital eine tote Tochter.

Video: Der Auditor nach dem Urteil

Die Prozess-Parteien reagieren auf das Urteil des Militärgerichts in Bern. Video: Tamedia/SDA

Letzte Woche sprach das Militärgericht 4 den Einsatzleiter wegen versuchten Schwangerschaftsabbruchs, fahrlässiger Körperverletzung und mehrfacher Nichtbefolgung von Dienstvorschriften schuldig. Der Mann wurde zu sieben Monaten Gefängnis bedingt auf zwei Jahre verurteilt. Wegen Verstössen gegen die Dienstvorschriften wurde er mit einer Geldstrafe von 60 Tagen zu 150 Franken, ebenfalls bedingt auf zwei Jahre, bestraft. Zudem muss er die Verfahrenskosten von rund 19’000 Franken bezahlen.

Die heute 25-jährige Suha Alhussein Jneid verlor im Juli vor drei Jahren ihr ungeborenes Kind. Foto: Dominik Asbach (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.12.2017, 16:13 Uhr

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