Staatsversagen

Es ist ziemlich schwer zu sagen, wer eigentlich wer ist und, was wir an den Bundesratswahlen zu erwarten haben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zum Hören: Laura de Weck liest ihre Kolumne.

Lulu: Morgen wird das Parlament den neuen Bundesrat wählen und seine Meinung über die drei Kandidaten fällen, nachdem es sich umgehört hat, was andere über die drei sagen und was die Kandidaten selber sagen und was die Fraktionen von denen erfragen. Und was andere Fraktionen sagen, was die Kandidaten dort ausgesagt haben und, was die einzelnen Parlamentarier sagen oder lieber nicht sagen. Und das ist im Moment die Lage:

  • CVP-Nationalrat Gmür sagt, dass Aeschi zu wenig Erfahrung und zu wenig Fingerspitzengefühl habe.
  • Die Medien sagen, dass Aeschi all seine Interview-Antworten bereits vorformuliert habe, und deshalb seine voraussagbaren Aussagen gar nichts besagen.
  • Ein Unikollege von Aeschi sagt, dass er sich abschätzig gegenüber Bauern geäussert habe.
  • Also sagt Aeschi, dass er sich jetzt eine Kuh aus Toni Brunners Stall gekauft habe - Lulu sei ihr Name.
  • Von der SP bis zur FDP sagen alle, Aeschi treffe keine Entscheide, ohne vorher mit Blocher telefoniert zu haben.
  • Also sagt Aeschi in jedem Interview monoton, er sei zu eigenen Entscheidungen in der Lage.
  • Aber böse Zungen sagen, dass der Blocher ihm auch diese Antwort aufgesagt habe.
  • SVP-Fraktionschef Amstutz sagt, alle drei Kandidaten hätten keine Geschichten (wie damals der unsäglich Zuppiger), da könne man noch so graben.
  • Der Historiker Kreis schreibt aber, im Falle Gobbis müsse man ja leider gar nicht graben, seine rassistischen Aussagen lägen offen zutage.
  • Gobbi sagte nämlich 2007 zu einem Hockeyspieler: Jetzt kommt der Neger!, und soll dies, wie man sagt, mit Affengeräuschen begleitet haben. Auch Sinti und Roma soll er mit Tieren verglichen haben.
  • Gobbi sagt, es waren Jugendsünden, aber der Blick fragt, ist man noch jugendlich mit 30 Jahren? (Und ist er dann reif für den Bundesrat mit 38 Jahren?)
  • Und was haben die in Bern zu Parmelin zu sagen?
  • Hinter vorgehaltener Hand soll Parmelin auf die Parlamentarier sympathisch, aber inhaltlich am schwächsten gewirkt haben.
  • Von den Mitte-Links-Parteien sei er als kleinstes Übel gerade noch so zu ertragen.
  • Er sei aber auch nicht der Favorit der SVP-Oligarchen. Also wollten die Blocher-Medien selbst eine Alkoholsucht Parmelins ausgraben. So ist er allein schon beschädigt übers Hörensagen.
  • Ansonsten berichten die Medien, dass Parmelin eine englische Frage französisch beantwortet habe. Egal, Hauptsache sein Schwiitzerdüütsch sei akzeptabel.
  • Im Grunde sind sich alle einig, wie FDP-Fraktionschef Cassis sagte, dass keiner der Kandidaten restlos überzeugt habe.
  • Und andere aus der FDP stossen nach, dass sich die drei Männer bei den Hearings nicht staatsmännisch gebaren.
  • Weitere behaupten gar, die seien unwählbar, die Kandidaten.
  • Darum befürchtet Toni Brunner, das Dreier-Ticket werde gesprengt, täglich würde die SP dafür SVPler anfragen.
  • Levrat sagt, die SVP sei paranoid, vielmehr sollen sich zwei SVP-Politiker bei der SP gemeldet haben.
  • Die Gerüchte sagen, Hurter und Germann seien die Sprengkandidaten.
  • Die beiden sagen, sie wollen dazu gar nichts sagen.
  • Brand sagt, er sei eventuell dazu in der Lage.
  • Aber Amstutz sagt, Brand hätte das nicht gesagt, worauf Brand ebenfalls sagt, das sei alles nur eine Sage.
  • Die SVP bleibt dabei, sie will das Sagen über ihre Kandidaten haben.
  • Die Operation vierter Mann sagt aber, sie wollen dem SVP-Diktat absagen und ein SVP-Mitglied, das für die Anerkennung des Völkerrechts ist und für die Bilateralen.
  • Also kommen Hurter und Germann jetzt doch wieder in Frage? Oder eine Dame aus Schaffhausen, Widmer Gysel sei ihr Name?
  • Hat sonst noch jemand Lust auf eine Bundesratsanfrage?

Es ist also alles in allem ziemlich schwer zu sagen, wer eigentlich wer ist und was wir morgen zu erwarten haben. Aber, was auch immer gesagt wird, und wessen Kuh in welchem Stall steht, der, der hier wohl das Sagen hat, wurde von der Mehrheit der Volksvertreter abgewählt.

Erstellt: 07.12.2015, 16:32 Uhr

Die Autorin und Schauspielerin Laura De Weck wechselt sich als Kolumnistin mit Ex-Preisüberwacher Rudolf Strahm und mit Politgeograf Michael Hermann ab.

Artikel zum Thema

Wie würden Sie am Mittwoch wählen?

Drei Tage vor den Bundesratswahlen steigt die Spannung. Stellen Sie Ihre favorisierte Landesregierung zusammen. Und verteilen Sie die Departemente. Interaktiv mit wenigen Klicks. Mehr...

«Das wäre der Super-GAU»

Weibel Ivan Della Valentina sagt, wie das mit den Wahlzetteln bei der Bundesratskür funktioniert und was mit den Papieren am Ende geschieht. Mehr...

Bilanz der Bisherigen

Bundesrat: Die Legislatur 2011-2015 unter der Lupe. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Paid Post

Wie zahlen sich Investitionen in Analytics und KI aus?

Analytics und künstliche Intelligenz (KI) stehen bei vielen Unternehmen oben auf der Agenda. Das bedeutet aber nicht, dass die Investitionen auch zu einem geschäftlichen Mehrwert führen.

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...