Qadhafi-Affäre: Collombey macht sich Sorgen

Während sich der Rest der Schweiz vom Öllieferstopp Libyens nicht aus der Ruhe bringen lässt, sind die Verantwortlichen der Walliser Gemeinde Collombey-Muraz beunruhigt. In der Gemeinde steht die Tamoil-Raffinerie.

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Kommt diese zum Stillstand, stünden 265 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Tamoil mit seinen libyschen Besitzern ist für die 6700-Seelen-Gemeinde ein wichtiger Arbeitgeber.

Die Raffinerie produziert nach eigenen Angaben jährlich rund 2,7 Millionen Tonnen Erdölprodukte - Benzin, Diesel, Heizöl oder Kerosin. Das Rohöl dafür stammt aus Libyen und wird via eine Pipeline vom Hafen im italienischen Genua nach Collombey gepumpt.

Am Mittwoch gab Tamoil nun bekannt, dass Libyen die Lieferungen eingestellt habe. «Wir hoffen darauf, dass Tamoil sich andernorts eindecken kann», sagte die Gemeindepräsidentin von Collombey, Josiane Granger, am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Sie gehe davon aus, dass der Direktor der Raffinerie, Sirous Ammar, «alles tue», um die Arbeitsplätze zu schützen. Von Tamoil selbst war dazu am Freitag nichts zu erfahren.

Raffinerie stand jahrelang still

Die Raffinerie war 1990 von Tamoil übernommen worden. Zuvor war sie im Besitz der Schweizer Gatoil. Die Libyer retteten die Raffinerie, die seit Dezember 1988 stillgestanden hatte.

Zunächst hatte die damalige Zulieferin ihre Rohöllieferungen wegen eines Streits über den Preis eingestellt. Einige Monate später wurde dann auch noch der Gatoil-Chef, ein libanesischer Geschäftsmann, verhaftet und an Deutschland ausgeliefert, weil er in eine Betrugsaffäre verwickelt war.

Gatoil und damit die Raffinerie schienen am Ende. Die Mitarbeiter in Collombey arbeiteten noch einen Tag pro Woche, für die restlichen vier bezogen sie Arbeitlosengeld.

Kauf mit Nebengeräuschen

Der Kauf durch Retterin Tamoil war nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne gegangen - innerhalb der Gatoil war es nämlich zum Streit gekommen, ob Tamoil oder ein anderer Interessent zum Zuge kommen solle. Schliesslich entschied ein Gericht zugunsten von Tamoil und beendete die Unsicherheit.

Tamoil investierte seitdem massiv in die veraltetete Raffinerie und brachte sie wieder auf Vordermann. Gemeindepräsidentin Granger hofft, dass sich in Collombey nicht wieder ähnliches wie vor 20 Jahren abspielt, wie sie sagte.

Collombey steht zum Verkauf

Nicht nur seit dem jetzigen Öllieferstopp herrscht aber wieder Unsicherheit im Dorf. Denn die Libyer wollen Tamoil und die Raffinerie seit 2007 verkaufen. Allerdings platzten die Verhandlungen mit einem Investionsfonds wegen der Finanzkrise, wie Direktor Ammar erst Anfang September sagte. (bru/sda)

Erstellt: 11.10.2008, 12:35 Uhr

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