Pädophile Priester: 28 Fälle gemeldet

Das Bistum von Lausanne, Genf und Freiburg untersucht Meldungen über pädophile Priester. Der Grossteil der 28 gemeldeten Fälle ist verjährt oder die mutmasslichen Täter sind tot.

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Die von der Diözese Lausanne, Genf und Freiburg eingesetzte Kommission «SOS Prevention» hat 28 Meldungen über sexuelle Missbräuche im Kirchenbereich erhalten. Ihren Verdienst sieht die Stelle vor allem darin, Opfern zugehört zu haben. Das sei indessen nicht geringzuschätzen, sagte Rechtsanwalt Jacques Meyer, Vizepräsident der Kommission «SOS Prévention», heute in Freiburg vor den Medien. Für ein Opfer sei es schon einmal sehr wichtig, überhaupt anerkannt zu werden.

Jene, die erwartet hätten, es kämen hunderte von Fällen ans Tageslicht, könnten den Eindruck erhalten, der Berg habe eine Maus geboren. Die Kommission respektive Anlaufstelle bestehe aber nicht aus Detektiven, erklärte ihre Präsidentin, die ehemalige Untersuchungsrichterin Françoise Morvant. Die Kommission sei eine neue Stelle, bei der sich Opfer aussprechen könnten. Nach neun Monaten habe sie damit das Geplante erreicht, lautet die Zwischenbilanz. In dem Gremium sitzen ein Psychiater, ein Dominikanermönch, ein Anwalt und zwei ehemalige Untersuchungsrichter.

Grösstenteils längst verjährt

Die meisten der von der Kommission behandelten Fälle sind verjährt und die mutmasslichen Täter verstorben. Es ging dabei nicht nur um sexuellen Missbrauch, sondern auch um Misshandlungen und um Verstösse gegen Regeln der Kirche wie etwa fehlende Diskretion. Rund zehn der Fälle wurden der Kommission vom Bischof des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg gemeldet.

Nur zwei Fälle sind aus den letzten Jahren. Bei einem ist die Lage aber noch unklar. Er betrifft einen mutmasslichen Verstoss gegen kirchliche Regeln. Beim anderen verfügt die Kommission noch über keinen Bericht aus erster Hand.

Zwei verjährte Fälle sexuellen Missbrauchs von Priestern hat die Kommission der Justiz übergeben. Es handelt sich um die bereits bekannten Fälle des Kapuzinerpriesters, der sich in der Schweiz und Frankreich an 24 Knaben vergangen haben soll, und um einen Priester, dessen Dossier an die Neuenburger Justiz ging.

Noch nichts Konkretes formuliert

Die Kommission bekam im Februar 2008 den Auftrag, sämtliche Informationen zu Pädophilie-Fällen im Bistum zu sichten, zu verifizieren und dann dem Bischof Bericht zu erstatten. Die Kommission analysiert nun, wie mit Präventionsarbeit künftig innerhalb der Kirche Missbrauchsfällen vorgebeugt werden könnte. Konkrete Empfehlungen hat sie aber noch nicht formuliert.

Die Kommission hat auch noch keine Empfehlungen für die Entschädigung der Opfer herausgegeben. Die Kirche habe aber gewissen Opfern Hilfe geleistet, hiess es. (vin/sda/ap)

Erstellt: 07.11.2008, 15:44 Uhr

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