Strategin aus Finnland

Die gebürtige Finnin Pälvi Pulli wird zuständig für die Schweizer Sicherheitspolitik.

Spricht neben Finnisch und Deutsch auch Französisch, Italienisch, Englisch, Schwedisch und Russisch: Pälvi Pulli. Foto: PD

Spricht neben Finnisch und Deutsch auch Französisch, Italienisch, Englisch, Schwedisch und Russisch: Pälvi Pulli. Foto: PD

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Für die Sicherheitspolitik der Schweiz und damit auch für die langfristige Ausrichtung der Armee ist künftig eine Frau massgeblich verantwortlich. Pälvi Pulli wird ab April neue Chefin Sicherheitspolitik. Die 47-Jährige wechselt dafür von Simonetta Sommarugas Justiz- und Polizeiministerium in eine leitende Stelle des Militärdepartements von Guy Parmelin. Allerdings ist die Landesverteidigung für sie nichts Neues: Ihre Laufbahn begann sie 1999 bereits in der Sicherheitspolitik, 2008 wechselte sie ins Justizdepartement, war aber auch da für internationale sicherheitspolitische Themen zuständig. Jetzt macht sie einen Karrieresprung zurück ins Militärdepartement.

Pulli stammt aus Finnland. Nach dem Gymnasium reiste sie durch Europa, auch in die Schweiz, wo sie höchstens drei Monate bleiben wollte. Sie jobbte als Kellnerin, fand das Land sehr schön, die Natur, die Berge – und lernte ihren späteren Mann kennen. Sie blieb. In Neuenburg studierte sie Englisch und Geschichte. Ihre Abschlussarbeit widmete sie dem für eine Frau – noch dazu eine mit ausländischen Wurzeln – bemerkenswerten Thema der Armeeeinsätze im Ordnungsdienst bei Unruhen im Inland. Das ist ein politisch empfindlicher Forschungsgegenstand, seit 1932 in Genf tragischerweise 13 Demonstranten durch Armeewaffen ums Leben kamen.

Herkunft, Lebenslauf und Talent haben Pälvi Pulli vielsprachig gemacht. Sie beherrscht neben Finnisch und Deutsch (Dialekt mit einem liebenswürdigen Akzent) auch Französisch, Italienisch, Englisch, Schwedisch und Russisch. Das ist sicher kein Nachteil in der Bundesverwaltung. Es hat Pulli auch auf den vielen Auslandreisen geholfen, bei denen sie ihre vorgesetzten Bundesrätinnen und Bundesräte begleitete.

Eine echte Zugewanderte

Als Strategiechefin folgt Pälvi Pulli auf Christian Catrina. Der Bündner soll künftig als Mister Luftraumverteidigung für Wehrvorsteher Parmelin die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge koordinieren. Der Soziologe gilt im SVP-Milieu als links-internationalistischer Finsterling, dem es dank Amt und Einfluss gelungen ist, die Schweizer Armee zu verzwergen und zu einem Nato-Anhängsel zu machen. Dass Catrina dieses Komplott unter lauter SVP-Verteidigungsministern (Ogi, Schmid, Maurer, Parmelin) betrieben haben soll, besänftigt diese Kritiker nicht – im Gegenteil: Es ist für sie der letzte Beweis seiner rasputinhaften Gefährlichkeit.

Nun übergibt also der angebliche Internationalist und Fachoffizier aus dem Bündnerland seine Aufgaben an eine echte Zugewanderte, die nie Militärdienst geleistet hat. Für Pälvi Pulli aber ist es ein Sprung in das Spezialgebiet, das sie in ihrer Karriere schon immer am meisten interessiert und beschäftigt hat: die strategische Ausrichtung der Schweizer Sicherheitspolitik. In welche Richtung sie diese lenken möchte, das will sie noch nicht verraten.

Erstellt: 22.02.2018, 22:35 Uhr

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