Horrortrip in Tokio

Ein Walliser Politiker geht nach Japan in die Ferien. Er verbringt diese im Gefängnis.

Verwechselt: Werbetafeln für Karaokebars und Hotels in Tokio, Japan.

Verwechselt: Werbetafeln für Karaokebars und Hotels in Tokio, Japan. Bild: Issei Kato/Reuters

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Der Walliser und sein Kanton. Nirgends in der Schweiz wird die Beziehung inniger gelebt. So scheint sich der Bergler am liebsten entlang der Rhone aufzuhalten; zwischen Chablais und Simplon, dort, wo er sich auskennt.

Warum also in die Ferne schweifen? Die Antwort dürfte nach der Geschichte von Frédéric Brantschen für nicht wenige Walliser noch eindeutiger ausfallen. Denn diese Geschichte geht so: Im Januar dieses Jahres verlässt Brantschen, ­Ersatzabgeordneter der CVP Mittelwallis im Grossen Rat, seinen Bergkanton und fliegt nach Japan in die Ferien. Gleich nach der Ankunft checkt er in einem billigen Hotel im Tokioter Quartier Asakusa ein. In diesem Stadtteil, heisst es, soll es viele Theater, Restaurants und Bars geben.

Der Walliser aus Vex macht das, was man an einem solchen Ort zum Ferienanfang eben so macht: ein paar Gläser trinken, wie er «Le Nouvelliste» erzählte. Und irgendwann passiert das, was zum Ferienanfang eben so passiert: Die Müdigkeit meldet sich. So schleicht er durch die Strassen der 10-Millionen-Metropole und will nur noch schlafen. Leider hat der Mann an der Réception etwas dagegen: Er verweigert Frédéric Brantschen die Zimmerschlüssel. Warum genau, kann Brantschen nicht verstehen. Im doppelten Sinn. Denn der Mann hinter der Theke spricht nur Japanisch.

Was dann genau geschieht, lässt sich bis heute schwer verifizieren. Es gibt nur die Version von Brantschen. Dieser betont, nicht betrunken gewesen zu sein, und spricht von einem Konflikt, der wegen unüberwindbarer Sprachbarrieren vollends eskalierte. Gegenüber «20 Minuten» sagt er: «Stellen Sie sich mal vor: Ich war in einer grossen Stadt, verstand kein Wort Japanisch und war dazu noch übermüdet – da verlor ich als kleiner Dorfmensch aus dem Wallis kurz die Nerven.»

Ein einziges grosses Missverständnis

So landet der 30-Jährige nach dem Faustkampf mit dem Einheimischen in einem japanischen Gefängnis. Er wird zwar korrekt behandelt, kommt aber dort nicht so schnell wieder heraus. Denn laut dem Walliser Lokalpolitiker spricht kein einziger Polizist Englisch. Er kann somit niemandem erklären, dass das Ganze ein Missverständnis ist. Denn mittlerweile hat Brantschen begriffen, dass er gar nicht mit einem Hotelangestellten gekämpft hat, sondern mit dem Boss einer Karaokebar, die unmittelbar neben seinem Hotel lag. «Der Empfangsbereich der Bar ähnelte stark der Hotelréception.»

Erst nach sieben Tagen bekommt er Besuch von einer Schweizer Vertretung. Es ist längst klar, dass dieser Schweizer nicht in den Knast gehört. Nur ist da noch eine Forderung des Karaokebarbetreibers. Dessen Handy ging beim Kampf kaputt. Brantschen begleicht die Rechnung und fliegt zurück in die Schweiz. Zurück ins Wallis. Dort, wo er sich auskennt – und den Unterschied zwischen Bar und Hotel jederzeit kennt.

Erstellt: 09.06.2018, 07:09 Uhr

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