Stundenansatz: 910 Franken

Der St. Galler Anwalt Patrick Stach forderte zu viel Honorar und wurde verurteilt. Nun tritt er als Unirat zurück.

Er verlangte das Drei- oder Vierfache des in St. Gallen üblichen Honorars für Anwälte, urteilt die Anwaltskammer: Patrick Stach. Foto: PD

Er verlangte das Drei- oder Vierfache des in St. Gallen üblichen Honorars für Anwälte, urteilt die Anwaltskammer: Patrick Stach. Foto: PD

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Nach nur sieben Minuten war die Medienkonferenz beendet. So lange dauerte es, bis Patrick Stach am Montagmorgen im Hotel Walhalla seine Erklärung verlesen hatte. Der St. Galler Anwalt entschuldigte sich für die Situation und gab bekannt, er werde per sofort aus dem Universitätsrat austreten.

Damit gab er dem öffentlichen Druck nach, der sich in den letzten Wochen aufgebaut hatte. Im vergangenen Dezember hatte ihn das Bundesgericht wegen krass überrissener Honorarforderungen zu einer Busse von 10'000 Franken verurteilt.

Stach hatte eine Klientin in einem Erbstreit vertreten und als Honorar 20 Prozent der Erbsumme gefordert, mindestens aber 100'000, wie sich einer Recherche des St. Galler Tagblatts entnehmen lässt. Das sei zu viel, entschieden die Richter, zudem sei eine solche Honorarvereinbarung unzulässig. Der Erbschaftsstreit dauerte bereits Jahre, als eine der involvierten Schwestern im April 2016 Stachs Kanzlei Stach Rechtsanwälte AG beauftragte, um ihren Erbteil zu streiten. Ein Jahr später erhielt die Frau eine Zwischenrechnung in der Höhe von 420'069.20 Franken – obschon die Anwälte ihren Erbteil von gut 1,9 Millionen Franken noch nicht hatten erhöhen können. Das Honorar forderten sie trotzdem. Das quittierte die Frau mit einer Anzeige bei der Anwaltskammer.

Er sei fahrlässig gewesen, geisselte er sich selbst, denn er habe viele von ihm geleistete Stunden nicht aufgeschrieben.

Doch bald ging es nicht mehr nur um das überrissene Honorar. Da die Frau zuvor jahrelang von der Sozialhilfe gelebt hatte, fürchtete sie, bei einer allfälligen Auszahlung ihres Erbes einen Teil zurückzahlen zu müssen. Deswegen, so der Vorwurf, soll das Büro Stach versucht haben, die wahren Vermögensverhältnisse der Frau zu verschleiern und das geerbte Geld mittels eigens dafür entworfener Treuhänder-Konstrukte dem Zugriff der Behörden zu entziehen. Auch das brachte die Frau im Juli 2017 zur Anzeige.

Stach ist in St. Gallen eine bekannte Persönlichkeit und gilt im Urteil politischer Beobachter als ebenso erfahrener wie umtriebiger Anwalt. Er sitzt in Verwaltungs- und Stiftungsräten zahlreicher national und international tätiger Firmen. Zudem ist er Präsident des Clubs 2000, des gemäss seinen eigenen Worten «renommiertesten Businessclubs der Schweiz».

Das Bundesgericht entschied Ende November. Die 427,48 in Rechnung gestellten Stunden «Rechtsberatung» seien nicht nachvollziehbar. Zudem belaufe sich Stachs Ansatz nach dieser Rechnung auf 910 Franken pro Stunde – das Drei- oder Vierfache des in St. Gallen üblichen Honorars. Das lasse sich weder durch «die Schwierigkeit der Angelegenheit, das erzielte Ergebnis, die besondere Ausbildung noch das Können» des Anwalts rechtfertigen. Zudem gebe es Hinweise auf unnötig betriebenen Aufwand, so das Urteil der Richter.

Nach dem Urteil forderten Politiker von SP bis FDP seinen den Rücktritt, der gestern erfolgte. Allerdings wies Stach die Vorwürfe erneut zurück. Er sei fahrlässig gewesen, geisselte er sich selbst, denn er habe viele von ihm geleistete Stunden nicht aufgeschrieben. Das Anwaltsgeheimnis aber, das für ihn das höchste Gut sei, verbiete ihm, dazu weitere Angaben zu machen. Nun wolle er die Uni, seine Kanzlei und sich selbst aus der Schusslinie nehmen.

Erstellt: 21.01.2020, 17:43 Uhr

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