SVP-Stiftung hat prominenten Zugang

Swisslife-Präsident Rolf Dörig ist seit Freitag Mitglied der Stiftung für bürgerliche Politik – als Erster seiner Art.

«Die Unternehmen werden sich gut arrangieren können»: Rolf Dörig im März 2017 am Hauptsitz der Swisslife in Zürich.

«Die Unternehmen werden sich gut arrangieren können»: Rolf Dörig im März 2017 am Hauptsitz der Swisslife in Zürich. Bild: Keystone

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Ganz überraschend kam das nicht. Rolf Dörig hatte seine Sympathie für die Ideale der SVP schon mehrmals kundgetan. Beispielsweise, nachdem 2014 die Masseneinwanderungsinitiative angenommen wurde. Da sagte er in einem Interview, er sei froh über diesen Volksentscheid. Die Wirtschaftsverbände hatten die SVP-Initiative vehement bekämpft. Dörig hingegen sagte: «Die Unternehmen werden sich gut damit arrangieren können.»

Rolf Dörig (61), Bürger von Appenzell, wohnhaft in Küsnacht, Präsident der SMI-Firmen Swisslife und Adecco, hatte vor 14 Jahren die «Freunde der FDP» mitgegründet. Doch mit den Freisinnigen kann er heute nichts mehr anfangen. Sie seien ihm zu elitär und opportunistisch geworden, sagte er letzthin der «SonntagsZeitung». Mittlerweile stehe er «klar bei der SVP». Ob er der Partei inzwischen beigetreten ist, konnte diese Zeitung kurzfristig nicht erfahren – Dörig war wegen Ferienabwesenheit so schnell nicht erreichbar. Sicher ist: Laut Handelsamtsblatt ist er seit Freitag, 27. Juli, Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung für bürgerliche Politik – jenes Instituts, das die SVP 2003 errichtet hat, um besseren Zugang zu Geldquellen zu haben.

Mehr als eine Spende

Dörig ist der erste seiner Art in diesem Gremium. Andere waren und sind Nationalräte und Parteigrössen, etwa Hans Kaufmann, Caspar Baader, Walter Frey, Albert Rösti, Toni Brunner, Adrian Amstutz. Der frühere Fraktionschef Baader ist vor Jahresfrist aus dem Stiftungsrat ausgeschieden, Dörig nimmt den frei gewordenen Platz ein. Für die vier Sitzungen pro Jahr bekommen die Stiftungsratsmitglieder nichts ausser Ehre, Ansehen und Mitbestimmungsrecht. Dörig könnte der SVP stillschweigend Geld spenden, doch er will offenbar mehr. Er will sich für die SVP engagieren und ist bereit, sich zu exponieren. «Ich finde es toll, wenn Leute aus der Wirtschaft bei uns mitmachen», sagt Nationalrat Thomas Matter, der ebenfalls im Stiftungsrat sitzt. Andere Topkader getrauten sich nicht, ihre Nähe zur SVP öffentlich zuzugeben, meint der Baselbieter.

Es war nach dem Erdrutschsieg der SVP, Ende der Neunzigerjahre, als die Partei sich Gedanken machte, wie sie zu Geld kommen könnte. Manche Leute wollten die Politik der SVP unterstützen – jedoch nicht mit einem SVP-Einzahlungsschein, wie der damalige Parteipräsident Ueli Maurer feststellte. Für diese Leute wollte man eine diskrete Adresse schaffen. Wenngleich sich bald herumsprach, dass die Stiftung für bürgerliche Politik die Spenden-Annahmestelle der SVP ist, so machte es doch einen Unterschied, ob man bei Abrechnungen «SVP» angeben musste oder den Namen der Stiftung.

Spekulationen über Stiftungsvermögen

Zunächst seien die Spenden zaghaft geflossen, erinnert sich der erste Stiftungsratspräsident Hans Kaufmann. Irgendwann hat sich die Spendemöglichkeit für unzufriedene Schweizer herumgesprochen. Interessant wäre zu wissen: Wie viel Geld hat die Stiftung? Und wie viel trägt Rolf Dörig bei? Nach Jahrzehnten an der Spitze börsenkotierter Unternehmen ist Dörig für die SVP ein interessanter Partner, wenn auch nicht ganz so finanzstark wie die Milliardäre Christoph Blocher und Walter Frey. Zahlen nannte die Stiftung noch nie. Auch dann nicht, als die «SonntagsZeitung» vor Jahren berichtete, das Vermögen der Stiftung betrage mutmasslich 200 bis 299 Millionen Franken. Hans Kaufmann lacht laut, wenn er die Zahl hört. «Nie im Leben», sagt er.

Gut informierte Personen sprechen von gegen 10 Millionen Franken, welche die Stiftung verwalte. Kaufmann und Matter wollen das nicht bestätigen. Doch wenn mit Rolf Dörig nun erstmals ein parteiloser Wirtschaftsführer Einsitz nimmt und weitere Geldgeber anzieht, werden es vielleicht schon bald ein paar mehr sein.

Erstellt: 31.07.2018, 21:07 Uhr

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