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Tatort Flums: «... und dann passiert plötzlich so etwas»

Am Tag nach den Axt-Attacken des 17-jährigen Letten ist die Landgemeinde Flums wieder so wie immer. Scheinbar.

«Das schockiert einen»: Der Flumser Gemeindepräsident Christoph Gull zeigt sich betroffen. Video: TA

Im Zentrum von Flums, dieser St. Gallischen Landgemeinde mit knapp 5000 Einwohnern, zeigt sich der Postplatz an diesem Montag, als wäre nichts geschehen. Vielleicht liegt es am Regen, der unablässig strömt und längst weggespült hat, was an Spuren noch hätte da sein können.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass am Tag nach den Attacken des 17-jährigen Letten, der hier und bei der nahen Autobahn-Tankstelle mit einer Axt auf Menschen losging und dabei mehrere Personen leicht bis schwer verletzt hat, passiert, was immer passiert: Das Leben nimmt seinen gewohnten Lauf.

Bilder: Teenager verletzt mehrere Personen mit Axt

Der Täter kommt in eine geschlossene Einrichtung: Auch vor diesem Tankstellenshop in Flums griff der junge Mann mehrere Menschen an. (Archiv)
Der Täter kommt in eine geschlossene Einrichtung: Auch vor diesem Tankstellenshop in Flums griff der junge Mann mehrere Menschen an. (Archiv)
Eddy Risch, Keystone
Tatwaffe sichergestellt: Ein Beil liegt am Boden in der Nähe der Tankstelle.
Tatwaffe sichergestellt: Ein Beil liegt am Boden in der Nähe der Tankstelle.
Kapo SG
In Flums soll ein 17-Jähriger mehrere Menschen mit einem Beil angegriffen haben.
In Flums soll ein 17-Jähriger mehrere Menschen mit einem Beil angegriffen haben.
Screenshot Google Maps
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Die Polizeiabsperrung ist weg, Bewohner sind kaum unterwegs. Und die, die es sind, wollen nichts sagen, können nichts sagen oder dürfen nichts sagen zu dem, was am Vorabend geschehen ist. Sie gehen strikt weiter, steigen schnell in den anfahrenden Bus ein, kehren zurück in ihre Häuser und an ihre Arbeitsplätze.

Einer, der redet und auch reden muss, ist Gemeindepräsident Christoph Gull. Er empfängt im Ratshaus in seinem Büro, nur wenige Meter vom Postplatz entfernt. Heute ist er ein gefragter Mann.

Der Postplatz in Flums ist menschenleer. Bild: Salome Müller
Der Postplatz in Flums ist menschenleer. Bild: Salome Müller

Am Sonntagabend sei er «gemütlich» bei sich daheim am Flumserberg gewesen, als er plötzlich auf den Sozialen Medien und via Pushmeldungen mitbekommen habe, dass in seiner Gemeinde etwas geschehen sein soll. Viele aus dem Dorf hätten sich direkt bei ihm gemeldet, besorgt und darum bemüht, die fehlenden Fakten zu bekommen. Nur hatte Gull sie selbst auch nicht.

Gemeindepräsident weiss nichts von laufenden Untersuchungen

Inzwischen hat die Kantonspolizei St. Gallen über die Tat und den Täter informiert, und Gull weiss, wer die Betroffenen sind und wer die Personen, die versuchten, den 17-Jährigen von seiner Tat abzuhalten und dabei selbst verletzt wurden. Mit ihnen werde er sich bald in Kontakt setzen und ihnen seine Unterstützung anbieten, sagt er. Von den Abklärungen, welche die Behörden aufgenommen haben, weil der 17-Jährige offenbar schon Monate vor seiner Attacke Gewaltfantasien geäussert hatte, weiss Gull nichts. Die Gemeinde sei hierbei nicht involviert gewesen.

Dass so etwas Tragisches in einer normalen Landgemeinde passiert, ist wohl das, was Einheimische am meisten schockiert. Wie soll das zusammengehen: Etwas derart Monströses an einem so durchschnittlichen Ort wie Flums? «Man muss schon Glück haben, um hier an einem regnerischen Sonntagabend überhaupt Leute anzutreffen», sagt Gull. Und dann geschehe plötzlich das, mitten im Dorf.

Video: Jugendanwalt Ramseyer im Interview

Mutmasslich wird dem Angreifer eine Persönlichkeitsstörung zugeschrieben.

Bei den Leuten sei das sicher noch länger Thema. Aber da der Tat viel Zufälliges anhafte, sie also nichts sei, das in einem direkten Zusammenhang mit der Gemeinde Flums stehe, ist Gull überzeugt: «Uns wird dieses Geschehnis nicht nachhaltig beeinflussen.» Angst werde nicht zurückbleiben, weil die Menschen genug gut von sich abstrahieren könnten.

Die Flumserinnen und Flumser reden dann doch, aber untereinander, miteinander beim Mittagessen in den Dorfbeizen. Es sind eher Mutmassungen und Fragen, die sie austauschen und an ihren Tischen besprechen, beim Wurst-und-Käse-Salat oder dem nachmittäglichen Jass. Und manchmal sind es auch falsche Aussagen, die fallen: Der Täter wurde nicht erschossen, sondern ist gefasst.

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