Tausende 5G-Gegner protestieren in Bern

Die Kundgebung richtet sich gegen die Einführung des Mobilfunk-Standards. Die Teilnehmer fordern aber auch ein Umdenken beim Glasfasernetz.

«Ich musste Medikamente gegen den hohen Puls und Blutdruck nehmen, um hierherzukommen»: Auch eine Elektrosensible besucht die Demonstration auf dem Bundesplatz.

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Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag in Bern gegen die Einführung des Mobilfunk-Standards 5G demonstriert. Sie protestierten gegen «Zwangsbestrahlung» und forderten eine gesundheitsverträgliche Alternative.

Veranstalterin der Kundgebung auf dem Bundesplatz war die neue Umwelt- und Konsumentenorganisation Frequencia. Sie setzt sich nach eigenen Angaben mit den Risiken der Digitalisierung und Mobilfunk-Technologien auseinander. Etliche Vereine und Gruppen hatten ebenfalls zur Teilnahme an der Demo aufgerufen.

Vor dem Bundeshaus warnten Rednerinnen und Redner auf Deutsch, Französisch und Italienisch vor erheblichen Risiken für Gesundheit, Umwelt, Demokratie und Sicherheit, die mit Mobilfunk im Allgemeinen und mit der Einführung von 5G im Speziellen verbunden seien.

Kampf gegen «Aufrüstung»

Die Behörden und die Telekommunikations-Branche mussten viel Kritik einstecken. Sie mussten sich vorwerfen lassen, wirtschaftliche Interessen über alles zu stellen und die Menschen dreist anzulügen. Mehrere Redner riefen dazu auf, Widerstand gegen die «Aufrüstung» bestehender und den Bau neuer Antennen zu leisten.

5G sei «ein Verbrechen gegen Menschenrechte», stand auf einem der vielen handgeschriebenen Transparente zu lesen. «Immer schneller, höher, weiter auf Kosten von Mensch und Umwelt – Stop 5G» hatte ein anderer Demonstrant auf sein Transparent geschrieben.

Die Co-Präsidentin von Frequencia, Tamlin Schibler Ulmann, zeigte sich in einem Communiqué zufrieden mit der Kundgebung: «Dass heute so viele Menschen zusammengekommen sind, ist ein starkes Zeichen gegen die unkontrollierte Einführung von 5G.»

Für Wahlfreiheit

Bereits im Mai hatte es eine Stop-5G-Kundgebung auf dem Berner Waisenhausplatz gegeben. Im Anschluss darauf entstand die Organisation Frequencia. Sie gibt zu bedenken, dass nur 20 Prozent aller mobilen Verbindungen im Freien hergestellt würden. 80 Prozent gingen vom Innern von Gebäuden und von Verkehrsmitteln aus.

Die Organisation fordert deshalb eine strahlungsarme Lösung auf Basis des Glasfasernetzes. Innenräume sollten nur dort mit Strahlung bedient werden, wo das jemand ausdrücklich wolle. So müssten die Mobilfunkmasten lediglich den mobilen Verbindungen im Freien dienen und könnten viel schwächer strahlen.

Nationalratsliste im Kanton Bern

Bei den Nationalratswahlen im Kanton Bern treten die 5G-Gegner mit einer eigenen Liste an. An der Demo verteilten sie Flyer und forderten ebenfalls, 5G durch die «gesundheitlich unbedenkliche» Glasfaser-Technologie zu ersetzen. Die Liste «5G ade» ist eine Listenverbindung mit der christlich-konservativen EDU eingegangen.

(oli/sda)

Erstellt: 21.09.2019, 18:08 Uhr

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