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«Thomas Borer erreichte sicher völlig neue Zielgruppen, aber ...»

Der frühere Diplomat Max Schweizer legt mit «Diplomatenleben» ein neues Buch vor. Im Interview äussert er sich zu Diplomatenberuf und Politikerkritik, unschönen Schlagzeilen und stillen Helden.

Beim Karneval in Aachen 2002 bekam Thomas Borer – hier mit seiner damaligen Frau Shawn Fielding – den «Orden wider den tierischen Ernst». Wegen einer vermeintlichen Sexaffäre musste er drei Monate später als Schweizer Botschafter in Berlin zurücktreten. Borer verstand es, sich öffentlich zu inszenieren. Sein Wirken stand für eine «Public Diplomacy». Bekanntheit hatte Borer im Konflikt um die nachrichtenlosen Vermögen in den 1990er-Jahren erlangt, als er die Taskforce Schweiz–Zweiter Weltkrieg leitete.
Beim Karneval in Aachen 2002 bekam Thomas Borer – hier mit seiner damaligen Frau Shawn Fielding – den «Orden wider den tierischen Ernst». Wegen einer vermeintlichen Sexaffäre musste er drei Monate später als Schweizer Botschafter in Berlin zurücktreten. Borer verstand es, sich öffentlich zu inszenieren. Sein Wirken stand für eine «Public Diplomacy». Bekanntheit hatte Borer im Konflikt um die nachrichtenlosen Vermögen in den 1990er-Jahren erlangt, als er die Taskforce Schweiz–Zweiter Weltkrieg leitete.
Keystone
Edouard Brunner – hier in einer Aufnahme von 1982 – gilt als einer der prägendsten Schweizer Diplomaten der Nachkriegszeit. Er wirkte bei den KSZE-Verhandlungen mit, die 1975 zur Unterzeichnung der Helsinki-Akte führten. 1980 wurde Brunner zum Chef der Politischen Abteilung 1 im Schweizer Aussenministerium und 1984 zum Staatssekretär ernannt. Von 1991 bis 1993 war er Sonderbeauftragter des UNO-Generalsekretärs für den Nahen Osten, von 1993 bis 1997 für Georgien und für den Abchasien-Konflikt.
Edouard Brunner – hier in einer Aufnahme von 1982 – gilt als einer der prägendsten Schweizer Diplomaten der Nachkriegszeit. Er wirkte bei den KSZE-Verhandlungen mit, die 1975 zur Unterzeichnung der Helsinki-Akte führten. 1980 wurde Brunner zum Chef der Politischen Abteilung 1 im Schweizer Aussenministerium und 1984 zum Staatssekretär ernannt. Von 1991 bis 1993 war er Sonderbeauftragter des UNO-Generalsekretärs für den Nahen Osten, von 1993 bis 1997 für Georgien und für den Abchasien-Konflikt.
Keystone
Der amtierende Staatssekretär Michael Ambühl – hier an einer Medienkonferenz mit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf – war in vielen Schlüsselpositionen tätig. Er war Chefunterhändler der Bilateralen Abkommen II mit der EU und handelte das UBS-Abkommen mit den USA aus. Nach fünf Jahren als Chefdiplomat im EDA wurde er 2010 zum Staatssekretär für Internationale Finanzfragen ernannt. Seither ist Ambühl Chefunterhändler und eigentlicher Vordenker in den Steuerkonflikten mit den USA und anderen Ländern. Ende dieses Monats verlässt er das EDA und wechselt an die ETH Zürich, wo er eine Professur für Verhandlungsführung und Konfliktmanagement übernimmt.
Der amtierende Staatssekretär Michael Ambühl – hier an einer Medienkonferenz mit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf – war in vielen Schlüsselpositionen tätig. Er war Chefunterhändler der Bilateralen Abkommen II mit der EU und handelte das UBS-Abkommen mit den USA aus. Nach fünf Jahren als Chefdiplomat im EDA wurde er 2010 zum Staatssekretär für Internationale Finanzfragen ernannt. Seither ist Ambühl Chefunterhändler und eigentlicher Vordenker in den Steuerkonflikten mit den USA und anderen Ländern. Ende dieses Monats verlässt er das EDA und wechselt an die ETH Zürich, wo er eine Professur für Verhandlungsführung und Konfliktmanagement übernimmt.
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Mit dem Buch «Diplomatenleben» dokumentieren Sie die Geschichte der Schweizer Diplomatie seit dem Zweiten Weltkrieg. Wer waren aus Ihrer ganz persönlichen Sicht die herausragenden Schweizer Diplomaten? Und warum? Das EDA verfügt über hervorragendes Personal, nicht unbedingt weil heute Psychologen eifrig ihre Assessments auf Kosten der Steuerzahler machen dürfen. Die Frage ist: Was macht man mit dieser Frau- und Mannschaft, die ganz unterschiedliche Funktionen haben und erst im Zusammenspiel ein Ganzes bilden. Ich möchte keine Namen von «hervorragenden Diplomaten» nennen. Das diplomatische Personal besteht aus vielen Personen, die oftmals Heldenhaftes in ihren Bereichen leisten, ohne dass davon je jemand Notiz nimmt. Sie müssen an der Front, mitunter gefangen im bürokratischen Dschungel, Lösungen für real existierende Schwierigkeiten finden. Stellvertretend für diese nicht kleine Gruppe steht für mich der Gesandte Harald Feller, der 1944/45 in Budapest auch Juden rettete. Nach seiner sowjetischen Gefangenschaft erwartete ihn in Bern ein Disziplinarverfahren: Das ist natürlich brisant.

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