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«Tiefe Konflikte» an der Universität Neuenburg

Ein «versehentliches» Plagiat und Hinweise auf Mobbing: Eine Untersuchung bestätigt Vorwürfe des Westschweizer Journalisten Ludovic Rocchi teilweise.

Der Professor erhält einen Verweis und eine formelle Kündigungsdrohung der Neuenburger Regierung: Eingangsbereich der Universität Neuenburg.
Der Professor erhält einen Verweis und eine formelle Kündigungsdrohung der Neuenburger Regierung: Eingangsbereich der Universität Neuenburg.
Keystone
Professor freigestellt: Das Hauptgebäude der Universität Neuenburg. (3. September 2013)
Professor freigestellt: Das Hauptgebäude der Universität Neuenburg. (3. September 2013)
Jean-Christophe Bott, Keystone
«Nicht möglich zu ermitteln, ob die Schlüsselelemente von Mobbing erwiesen sind»: Maire-Hefti verlangt Massnahmen zur Klärung der Konflikte von der Universität. (3. September 2013)
«Nicht möglich zu ermitteln, ob die Schlüsselelemente von Mobbing erwiesen sind»: Maire-Hefti verlangt Massnahmen zur Klärung der Konflikte von der Universität. (3. September 2013)
Jean-Christophe Bott, Keystone
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Eine Administrativuntersuchung zu Plagiats- und Mobbingvorwürfen wirft kein gutes Licht auf die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Neuenburg. Der Bericht stellt «Versäumnisse» sowie «Konflikte» fest, ohne allerdings von Mobbing zu sprechen.

Es handle sich nicht um ein haarsträubendes Plagiat, wie es in der Presse dargestellt worden sei, sagte die Neuenburger Bildungsdirektorin Monika Maire-Hefti (SP) vor den Medien. Die Regierung sei der Ansicht, dass diese Machenschaften nicht ohne Folgen bleiben sollten.

Über die Folgen wird entschieden, nachdem sich die Beteiligten dazu geäussert haben. Yvan Cherpillod, Doktor der Rechtswissenschaften und Spezialist für das Urheberrecht, fand bei der Prüfung der Publikation «La Suisse qui gagne» Teilplagiate sowie Verletzungen der Zitationsregeln.

Diese Ausschnitte betreffen ungefähr 15 der insgesamt rund 300 Seiten. Der Autor des Buches - ein Professor - vertraute offenbar einem pensionierten Redaktor das Werk für den letzten Schliff an. Um die Lektüre flüssiger zu machen, fügte der Redaktor Kasten mit dem Haupttext zusammen. Dabei setzte er Passagen in die indirekte Rede oder umschrieb sie mit anderen Worten.

Fussnoten gelöscht

Er löschte zudem über hundert Fussnoten. Der Experte vermutet, dass die Quellen dort aufgeführt waren, ein Beweis fehle jedoch. Der Redaktor hat die Aussagen des Professors schriftlich bestätigt. Der Experte betonte, dass der Professor dies besser hätte kontrollieren müssen, bevor grünes Licht für den Druck gegeben wurde.

Weiter kam es zu einer Übernahme von zwei Ausschnitten eines Werkes, an dem zwei Co-Autoren beteiligt waren, scheinbar ohne deren Einwilligung. Der Experte Cherpillod analysierte nicht die gesamten Bücher. Er stützte sich auf die Arbeit eines italienischen Experten, der die Voruntersuchung geführt hatte.

Schlechte Arbeitsatmosphäre

Einige der im Protokoll der Voruntersuchung beschriebene Handlungen weisen laut Maire-Hefti auf Mobbing hin. Allerdings würden die zur Verfügung stehenden Informationen es nicht erlauben, zu ermitteln, ob die Schlüsselelemente von Mobbing erwiesen seien, sagte die Staatsrätin.

Ob Mobbing vorliegt oder nicht, die Arbeitsatmosphäre sei von persönlichen Konflikten geprägt gewesen. Die Kantonsregierung verlangt vom Rektorat, Massnahmen zu ergreifen, um die Konflikte zu klären und wieder Ruhe zu schaffen.

Vor allem das Pflichtenheft müsse noch einmal durchgesehen und die Kompetenzen aller Beteiligten geklärt werden. Zudem müsse ein System zur Konfliktlösung eingeführt werden, das diesen Namen verdiene. Man bedaure das Klima des Misstrauens und der Verbissenheit von Seiten einiger Akteure in diesem Fall, sagte die Bildungsdirektorin.

Hausdurchsuchung bei Journalist

Der Fall hatte auch Konsequenzen für den Journalisten Ludovic Rocchi von der Zeitung «Le Matin», dessen Berichte die Affäre ins Rollen gebracht hatten. Der beschuldigte Professor reichte gegen Rocchi eine Klage wegen übler Nachrede, Verleumdung und Verletzung des Amtsgeheimnisses ein.

Darauf kam es am 13. August zu einer Hausdurchsuchung beim Journalisten, bei der elektronische Daten beschlagnahmt wurden. Das Vorgehen der Neuenburger Justiz wurde von der Zeitung und Mediengewerkschaften als Verletzung der Pressefreiheit angeprangert.

SDA/mw

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