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«Todesfolgen sind durchaus möglich»

Der Import illegal hergestellter Medikamente in die Schweiz nimmt jedes Jahr stark zu. Das Heilmittelinstitut Swissmedic warnt nachdrücklich vor Gefahren für die Gesundheit.

Frau Mathys, wie gross ist das Problem des illegalen Arzneimittelhandels in der Schweiz?Wir gehen aufgrund von Analysen und Erhebungen beim Zoll davon aus, dass Privatpersonen jedes Jahr rund 50'000 Sendungen illegaler Medikamente in die Schweiz importieren. Die Bestellungen erfolgen in der Regel via Internet. Geliefert werden die Produkte dann zumeist aus Indien und Thailand.

Wie viel Geld wird damit umgesetzt?Das haben wir nicht erhoben. Klar ist jedoch, dass der illegale Handel stark zunimmt. Schätzungen aus den USA gehen davon aus, dass im Jahr 2010 weltweit etwa ein Umsatz von 75 Milliarden Dollar mit illegalem Medikamentenhandel gemacht wird. Für viele kriminelle Organisationen löst der illegale Handel mit Arzneimitteln jenen mit Betäubungsmitteln ab. Der illegale Medikamentenhandel ist ein lukratives Geschäft und gilt in vielen Ländern noch als Bagatelldelikt.

Was für Medikamente werden importiert?Es handelt sich vor allem um Erektionsförderungsmittel, Muskelpräparate und Schlankheitsmittel. Weiter werden Schmerzmedikamente, Verhütungsmittel und Hautaufheller für Menschen mit dunkler Hautfarbe importiert.

Wer bestellt diese Mittel? Das lässt sich nicht eingrenzen. Männer wie Frauen aller Altersschichten aus städtischen und ländlichen Gebieten sind vertreten. Die Frau aus der Stadt, die ein Schlankheitsmittel will, ist ebenso darunter wie der Mann vom Land, der eine Art Viagra braucht, sich aber nicht getraut, dies seinem Arzt zu sagen.

Wie gefährlich sind diese im Ausland bestellten Medikamente? Die Mittel sind sehr gefährlich. Wir haben einen Teil davon im Labor untersucht. Keinem einzigen waren Informationen zur Einnahmehäufigkeit oder zu möglichen Nebenwirkungen beigefügt. Über die Hälfte der Produkte enthielt nicht den Wirkstoff oder nicht die Menge an Wirkstoff gemäss Packungsbeilage. Oder es waren andere, medizinisch nicht geprüfte Stoffe drin. Mit der Einnahme solcher Präparate geht man ein grosses Gesundheitsrisiko ein. Todesfolgen sind durchaus möglich.

Kam es schon zu Zwischenfällen?Aus der Schweiz sind uns bisher keine Zwischenfälle bekannt, die nachweislich auf gefälschte Medikamente zurückzuführen sind. Wenn ein Patient nach der Einnahme solcher Mittel Beschwerden verspürt und den Arzt aufsucht, sagt er ihm meist nicht, was er eingenommen hat. In den USA kam es hingegen zu Todesfällen.

Soll man überhaupt Arzneimittel via Internet bestellen?Wir raten dringend davon ab, über das Internet Medikamente aus dem Ausland zu beziehen – auch wenn sich der Konsument, der kleine Mengen für den Eigengebrauch bestellt, nicht strafbar macht. Man weiss einfach nicht, was man erhält.

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