Töffs in der Schweiz knattern viel zu laut
24-mal lauter als erlaubt: Die Motorradhersteller umgehen mit einem technischen Trick die hiesigen Lärmvorschriften. Wie das möglich ist – und wo sich Widerstand regt.
In wenigen Wochen wird sich der Nationalrat mit dem Thema Töfflärm befassen. Auf die Motorradbesitzer könnte dabei einiges zukommen: Die nationalrätliche Umweltkommission verlangt eine baldige Um- oder Nachrüstung aller Motorräder, die «speziell störende Emissionen produzieren».
Die Gründe für die rigorose Forderung finden sich in einem aktuellen Bericht des Bundesamtes für Strassen (Astra):Motorräder lärmen demnach systematisch mehr, als sie eigentlich dürften – und doch kann die Polizei nicht dagegen einschreiten. Wie die Astra-Untersuchungen nämlich zeigen, trickst ein Grossteil der Hersteller, um den von den Kunden gewünschten «Sound» zu erzeugen. Die Maschinen werden so programmiert, dass sie die Emissionsvorschriften einhalten, allerdings nur unter den Laborbedingungen der massgeblichen Geräuschtests.
Das Astra illustriert die Raffinesse mit einem Beispiel: Im Juli 2012 wurde die Kantonspolizei Zürich auf fünf besonders lautstarke Motorradtypen aufmerksam. In sogenannten Vorbeifahrtmessungen fand die Polizei heraus, dass die von den Fahrzeugen produzierten Geräuschemissionen massiv über dem Grenzwert von 80 Dezibel lagen – der höchste gemessene Wert betrug 93,8 Dezibel. Das ist dramatisch, weil eine Erhöhung des Schallpegels um 3 Dezibel bereits eine Verdoppelung der effektiven Schallleistung bedeutet (die Dezibelskala ist logarithmisch aufgebaut). Das Motorrad mit dem Schallpegel von 93,8 Dezibel ist folglich lauter als 24 gleichzeitig vorbeifahrende Töffs mit vorschriftskonformen Werten.