Toni Brunner steigt zum jüngsten Alterspräsidenten seit 1848 auf

Er wurde mit nur 21 Jahren Nationalrat. Nun zeichnet sich ab, dass Toni Brunner (SVP) als Methusalem seiner Ratskammer die nächste Legislatur eröffnen wird.

Schon immer eine Frohnatur: Toni Brunner im Januar 1996 im Bundeshaus. Foto: Keystone

Schon immer eine Frohnatur: Toni Brunner im Januar 1996 im Bundeshaus. Foto: Keystone

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Für junge, ehrgeizige Politiker sind es entscheidende Monate. Die Parteien rekrutieren derzeit ihr Personal für die nächstjährigen Nationalratswahlen – und vielerorts werden nun altgediente Eminenzen von ambitioniertem Nachwuchs bedrängt. Wie sich diese Woche zeigte, ist es im Kanton Aargau gleich ein ganzes Seniorenquartett, das seinen Platz teils mehr, teils minder freiwillig für Jüngere räumt: Luzi Stamm (65), Ulrich Giezendanner (64), Maximilian Reimann (75) und Sylvia Flückiger (65) werden 2019 nicht mehr auf der SVP-Liste stehen, wie die «Aargauer Zeitung» berichtete.

Der Vierfachrücktritt dürfte eine kurios anmutende Personalie zur Folge haben: Der St. Galler SVP-Nationalrat Toni Brunner, der nächstes Jahr seinen 45. Geburtstag feiern kann, rückt wohl in die Position des Alterspräsidenten auf. Diesen Posten hat derzeit Luzi Stamm inne, der der grossen Kammer seit fast 27 Jahren angehört, so lange wie neben ihm nur noch Giezendanner. Scheiden 2019 beide aus dem Nationalrat aus, wird der 1995 erstmals gewählte Brunner alle Verbliebenen an Dienstjahren überflügeln. Dass er nominiert und wiedergewählt wird, ist angesichts seiner starken Stellung in der Partei kaum zu bezweifeln, war er doch 2008 bis 2016 ihr Präsident. Und dass er wieder antreten will, hat Brunner bereits klargestellt.

Der Doppelrekordhalter

Dem Alterspräsidenten kommt die Ehre zu, die konstituierende Parlaments­sitzung zu Beginn einer neuen Legislatur zu leiten. Er eröffnet die Sitzung mit einer Rede über ein frei gewähltes Thema, vereidigt die neu gewählten Ratsmitglieder und lässt anschliessend die Wahl der Nationalratspräsidentin durchführen (2019/20 voraussichtlich die Freisinnige Isabelle Moret). Wie die Parlamentsdienste bestätigen, gab es seit Anbeginn des Bundesstaates 1848 noch nie eine jüngere Person als Brunner in dieser Funktion. Brunner wird damit zum Doppelrekordhalter: Bei seiner ersten Wahl war er 21 Jahre alt, jünger als jeder andere je vereidigte Nationalrat.

Zahlreiche Doyens treten ab

Die Personalie steht zugleich symbolisch für eine kommende, grössere Umwälzung. Bei den Wahlen 2011 und 2015 liessen sich zahlreiche Bisherige mit 20 oder mehr Jahren Ratserfahrung noch einmal aufstellen. Für 2019 haben nun viele Langjährige ihren Rückzug angekündigt, zuletzt etwa Susanne Leutenegger Oberholzer (SP, BL) und Kathy Riklin (CVP, ZH) sowie diverse Ständeräte. Falls auch Jürg Stahl (SVP, ZH) nicht mehr anträte – er war gestern für diese Zeitung nicht erreichbar –, verbliebe Brunner als letzter Nationalrat mit mehr als fünf Legislaturen im Amt. Dass sich die Amtsdauern der Schweizer Parlamentarier im Langzeitvergleich immer mehr verkürzen, hat bereits die Urner CVP-Politikerin Heidi Z’Graggen in ihrer Dissertation von 2008 festgestellt. Erklärt wird die Abnahme unter anderem mit der steigenden zeitlichen Belastung durch das Parlamentsmandat, teils auch mit partei­internen Amtszeitbeschränkungen.

Toni Brunner, der Ratsdoyen in spe, sieht den Jugendtrend jedenfalls nicht nur positiv. Erfahrung und Kontinuität seien wertvolle Qualitäten, betont er. Man verfüge über ein grösseres Netzwerk und breitere Akzeptanz. «Ich vermisse die Koryphäen von einst ein wenig, selbst linke wie Helmut Hubacher. Heutzutage meinen schon Neugewählte, sie müssten einem die Welt erklären.» Worüber er in seiner Eröffnungsrede sprechen wird, weiss Brunner noch nicht, er freut sich aber darauf. «Dann muss mir endlich einmal der ganze Saal zuhören», erklärt er scherzhaft.

Noch nicht entschieden hat Brunner, ob er auch als Ständerat kandidiert. In diesem Fall träfe er auf SP-Mann Paul Rechsteiner, Ständerat seit 2011, zuvor ab 1986 Nationalrat. Rechsteiner ist damit der Parlamentarier mit den kumuliert meisten Dienstjahren (wobei freilich das Alterspräsidium bei der Eröffnungszeremonie stets einem amtierenden Nationalrat zufällt). Macht ihm Brunner Konkurrenz, kommt es im Kanton St. Gallen zum ­Duell der Methusalems.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.04.2018, 22:56 Uhr

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