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Travailsuisse ist enttäuscht vom Zinsentscheid

Der Mindestzinssatz für Pensionskassenguthaben soll auf dem historischen Tiefststand von 1,5 Prozent bleiben. Der Arbeitnehmer-Dachverband spricht von einem «Kniefall vor den Versicherungen».

Altersvorsorge im Fokus: Rentner beim Spazieren. (Archivbild)
Altersvorsorge im Fokus: Rentner beim Spazieren. (Archivbild)
Keystone

Die Empfehlung der BVG-Kommission, den Mindestzinssatz für Pensionskassenguthaben bei den historisch tiefen 1,5 Prozent zu belassen, war vom Pensionskassenverband ASIP erwartet worden. Die Gewerkschaften hätten einen höheren Ansatz gewollt.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hätte den Satz, zu dem Alterskapital bei Pensionskassen mindestens verzinst werden muss, auf 2,5 Prozent anheben wollen. Die gängigen Pensionskassen-Indizes mit gemischtem Portfolio aus Aktien und Immobilien hätten deutlich zugelegt, zum Teil mehr als 10 Prozent, begründete er dies.

«Jenseits von Gut und Böse»

Der effektiv realisierte Zins dürfte deutlich über dem schon in diesem Jahr geltenden Mindestzinssatz von 1,5 Prozent liegen. «Die Versicherungswirtschaft profitiert auf dem Buckel der Versicherten von einer viel zu hohen Gewinnmarge», schrieb der SGB. Eine Korrektur mit einem deutlich höheren Mindestzinssatz sei nötig.

Ähnlich argumentierte der Arbeitnehmer-Dachverband Travailsuisse, der eine Erhöhung des Mindestzinssatzes auf 2 Prozent gefordert hatte. Die Empfehlung der BVG-Kommission nannte er in seinem Communiqué vom Montag «einen Kniefall gegenüber den Versicherungen» und «jenseits von Gut und Böse».

ASIP hat den Entscheid erwartet

Hanspeter Konrad, Direktor des Pensionskassenverbandes ASIP, verwies auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda auf die höchst unsichere Entwicklung der Renditen bei Bundesobligationen, Aktien, Anleihen und Liegenschaften. Der Entscheid der Kommission für den Status Quo sei deshalb zu erwarten gewesen.

Es handele sich um einen Mindestzinssatz, hielt Konrad fest. Da es zurzeit keine Inflation gebe, seien die 1,5 Prozent eine angemessene Realverzinsung. Eine Prognose für die kommenden Jahre für den Mindestzinssatz sei aus heutiger Sicht schwierig zu machen.

Die Eidg. Kommission für die berufliche Vorsorge (BVG-Kommission) hat heute bekannt gegeben, dass sie dem Bundesrat empfiehlt, den Mindestzinssatz nächstes Jahr bei 1,5 Prozent zu belassen. Das Gremium begründet seinen Entscheid mit der unsicheren Wirtschaftsentwicklung. «Die Kommission wollte ein Zeichen der Stabilität setzen in dieser Zeit der Unsicherheit», sagte Präsident Claude Frey der Nachrichtenagentur sda. Sie trage damit der Volatilität der Märkte Rechnung sowie der Unmöglichkeit, die kurzfristige Entwicklung vorauszusagen.

Keine mathematische Formel

Nach Freys Angaben fiel der Entscheid mit 13 gegen 1 Stimme bei 3 Enthaltungen. Ein Antrag aus Versicherungskreisen auf Senkung des Mindestzinssatzes auf 1 Prozent scheiterte ebenso wie die Erhöhung auf 2 oder gar 2,5 Prozent, welche die Arbeitnehmerorganisationen gefordert hatten.

Ein Mindestzinssatz von 1,5 Prozent entspricht nicht genau der von der BVG-Kommission vertretenen Berechnungsmethode. Diese stützt sich auf die Renditen langfristiger Bundesobligationen sowie die Entwicklung des Aktien-, Obligationen- und Immobilienmarktes, wie der ehemalige Neuenburger FDP-Nationalrat erklärte.

«Wir haben nie gesagt, dass wir uns an eine mathematische Formel halten.» Damit würde sich die Kommission überflüssig machen. Neben der Wirtschaftsentwicklung müsse etwa auch der nicht existierenden Inflation Rechnung getragen werden. Unter diesem Aspekt sei 1,5 Prozent eine interessante Verzinsung, sagte Frey.

Entscheidung liegt beim Bundesrat

Der Bundesrat entscheidet im Herbst. Folgt er wie üblich den Empfehlungen der BVG-Kommission, bleibt der Mindestzinssatz 2013 das zweite Jahr in Folge auf dem historischen Tiefstand von 1,5 Prozent. 2002 lag der Mindestzinssatz noch bei 4 Prozent.

Von 1985 bis 2002 lag der Satz noch bei 4 Prozent. Seit dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends wird er regelmässig der Börsenentwicklung angepasst. Nach Ausbruch der Finanzkrise senkte der Bundesrat den Satz im Oktober 2008 von 2,75 auf 2 Prozent.

Kampf um den Umwandlungssatz

Wie hoch eine BVG-Rente ausfällt, hängt auch vom Umwandlungssatz ab. Dieser wird derzeit schrittweise auf 6,8 Prozent gesenkt. Dieser Satz gilt ab 2013 für die Frauen und ab 2014 für die Männer. Eine weitere Senkung lehnte das Stimmvolk im März mit 72,7 Prozent Nein- Stimmen ab.

Der Mindestzinssatz gibt an, zu welchen Satz die Pensionskassen die Altersguthaben mindestens verzinsen müssen. Er gilt nur für die obligatorischen Teil der 2. Säule und wird mindestens alle zwei Jahre vom Bundesrat überprüft.

SDA/fko

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