Trump kauft der Schweiz «Alteisen» ab

Die Armee will die alten Tiger-Kampfjets loswerden. Für die USA sind sie immer noch gut genug – als russische Aggressoren im Übungskampf.

Der Flugzeugkauf ist im Budget für das Jahr 2020 des US-Verteidigungsdepartements eingeplant.

Der Flugzeugkauf ist im Budget für das Jahr 2020 des US-Verteidigungsdepartements eingeplant.

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Es wirkt ein wenig bizarr: Für die «beste Armee der Welt», wie Bundesrat Ueli Maurer sie einst nannte, sind nur die neusten Kampfjets gut genug. 6 Milliarden Franken wollen Bundesrat und Parlament dafür ausgeben. In der mächtigsten Armee der Welt hingegen gibt man sich auch mit Secondhand-Flugzeugen zufrieden. Denn ausgerechnet die USA haben es auf alte Tiger-Maschinen der Schweizer Luftwaffe abgesehen. Die US-Navy will dem Bund 22 Stück abkaufen. Das Geschäft steht kurz vor dem Abschluss.

Im «President's Budget» von Donald Trump für das Jahr 2020 sind bei der Navy knapp 40 Millionen Dollar für den Deal mit dem «Swiss Government» reserviert, wie es im Dokument heisst. Die Auslieferung der F5-Tiger soll 2021 erfolgen. Die Schweizer Seite bestätigt die Pläne. Gemäss Armasuisse fanden diesen Sommer Verkaufsgespräche statt. Der Vertrag sei zwar noch nicht unterzeichnet. Sobald das US-Verteidigungsbudget von Kongress und Senat bewilligt sei, könne der Vertrag jedoch abgeschlossen werden. Zusätzlich soll die Navy auch Ersatzteile und Bodenmaterial erhalten.

Die Tiger-Jets sind 35-jährig oder noch älter. «Wenn die Amerikaner das Alteisen übernehmen wollen, sollen sie das tun», sagt Beat Flach, Sicherheitspolitiker und Nationalrat der Grünliberalen. «Dies ist besser, als wenn die Tiger auf einem Abstellplatz verrotten.» Die 22 Flugzeuge wurden bereits ausgemustert – und kosten trotzdem noch. Die Auslagen für die Abstellplätze und Kontrollarbeiten belaufen sich auf über eine halbe Million Franken pro Jahr.

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Im Gegensatz zur Schweizer Armee kann die Navy das «Alteisen» immer noch gebrauchen. Die amerikanischen Seestreitkräfte, die auch über eine Luftwaffe verfügen, kauften bereits vor ein paar Jahren der Schweiz 44 Tiger-Jets ab. Der Stückpreis belief sich auf eine halben Million Dollar. Jetzt sind es sogar 1,8 Millionen pro Maschine.

Die Navy ist begeistert von den ­Tiger-Flugzeugen aus der Schweiz. Die bereits übernommenen Jets wurden in den USA aufgemotzt und dienen jetzt Trainingszwecken. Im Übungskampf spielen sie feindliche Maschinen. Sie haben sogar einen neuen Tarnanstrich erhalten – inklusive rotem Stern auf der Heckflosse. Sie spielen also die Rolle von russischen Gegnern. Ausserdem sind die Tiger günstig, verfügen über vergleichsweise wenig Flugstunden und sind einfach zu warten. Selbst die Navy muss aufs Geld schauen. Statt bis 2025 sollen die Tiger nun, auch dank der erneuten Zukäufe aus der Schweiz, über das Jahr 2030 hinaus verwendet werden.

Ein Tiger-Update ist dem Bund zu teuer

In der Schweiz geht derweil mit dem Verkauf an die USA eine ­Tiger-Odyssee zu Ende. Ursprünglich wollte der Bundesrat die ganze Flotte per 2016 ausser Dienst stellen. Nach dem Nein zum Kauf der Gripen-Jets mussten die Pläne jedoch geändert werden. Dabei stand auch die Frage im Raum, ob die F5-Tiger länger in Betrieb bleiben und ein Update erhalten sollten. Die Kosten von rund einer Milliarde Franken wurden jedoch als zu teuer eingestuft.

Von den einst über 100 beschafften Tiger-Maschinen sind 53 übrig geblieben. Im letzten Jahr wurde entschieden, 26 Jets weiterzubetreiben. Sie werden als Serviceflugzeuge eingesetzt und entlasten damit die F/A-18 von Nebenaufgaben. Die restlichen Tiger wurden ausgemustert. Die meisten gehen nun in die USA – die restlichen fünf landen im Museum.



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Erstellt: 14.12.2019, 23:15 Uhr

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