Trumps Geldsegen für Davos – trotz WEF-Absage

232'000 Franken für ein 3-Stern-Hotel in Klosters, 228'000 für einen Konferenzraum in Davos – die WEF-Buchungen der US-Regierung gehen längst in die Millionen.

«Wenn der Haushaltsstreit weitergeht, werde ich nicht gehen»: Donald Trump stellt WEF-Teilnahme infrage. (10. Januar 2019) Video: ACC

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Am 20. Tag des Shutdowns der US-Bundesregierung haben seine Schockwellen auch die Schweizer Berge erreicht. US-Präsident Donald Trump hat seine Teilnahme am Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos abgesagt. Das vom 22. bis 25. Januar stattfindende Treffen verliert damit seinen diesjährigen Stargast.

«Wegen der Uneinsichtigkeit der Demokraten den Grenzschutz betreffend und der Wichtigkeit von Sicherheit für unser Land, sage ich hochachtungsvoll meine sehr wichtige Reise nach Davos in der Schweiz zum Weltwirtschaftsforum ab», twitterte Trump am Donnerstag, und fügte an: «Herzlichste Grüsse und Entschuldigung ans WEF!»

Die US-Behörden haben bis zuletzt weiter Verträge mit Hoteliers und anderen Dienstleistern in und um Davos abgeschlossen. Das heisst, dass die US-Regierung wegen der Budgetkrise zwar ihre Beamten nicht bezahlen kann, dass sie für das WEF in Davos aber weiterhin hohe Beträge ausgibt.

Buchungen in Millionenhöhe vorgenommen

Zwölf Tage vor WEF-Beginn, hat die US-Regierung für den eigentlich geplanten Davos-Besuch Trumps und seiner Entourage umgerechnet Buchungen in Höhe von mindestens 3,45 Millionen Franken vorgenommen. Das geht aus einer Datenbank der US-Regierung hervor, welche diese Zeitung ausgewertet hat.

Hier buchte die US-Regierung Zimmer für 230'000 Dollar: Madrisa Lodge in Klosters. Foto: PD

Gemäss den Einträgen in der Datenbank sind 2,8 der 3,4 Millionen Franken bereits vor Beginn der Budgetkrise ausgegeben worden. Doch auch seit dem Shutdown haben die amerikanischen Behörden für die geplante WEF-Reise weitere Verträge im Wert von Hunderttausenden von Dollar in der Datenbank eingetragen. Unter diesen Neueinträgen findet sich etwa eine Vorauszahlung von 322'953 Dollar für Mietwagen sowie 231'855 Dollar für Zimmer im 3-Stern-Haus Madrisa Lodge in Klosters.

5 Sterne Hotels, Spa-Anlagen

Dass die Regierung trotz Budgetkrise in der Schweiz munter weiter Hotels bucht und Autos mietet, kommentiert die amerikanische Onlinezeitung «Quartz» spitz. Sie stellt die Regierungsausgaben für das Weltwirtschaftsforum der Situation zu Hause gegenüber, wo Trumps Regierung rund 800'000 Regierungsangestellte entweder nach Hause geschickt hat oder ohne Bezahlung weiter arbeiten lässt.

Maliziös weist die Zeitung auch darauf hin, dass die WEF-Ausgaben auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler erfolgen – der gleichen Steuerzahler also, welche wegen des Shutdowns zu Hause gegenwärtig nur noch eine teilweise operative Staatsverwaltung haben.

Weiter führt die US-Zeitung ihren Lesern vor Augen, in welch luxuriösen Unterkünften Trumps Delegation in Graubünden abzusteigen plante. So findet sich in der Datenbank eine Rechnung über 227'733 Dollar für einen sogenannten Functional Space, welcher für den amerikanischen Präsidenten im Davoser 5-Stern-Hotel Intercontinental hätte eingerichtet werden sollen.

Trumps Minister, von denen einige trotz seiner Absage ans WEF reisen dürften, logieren nicht minder angenehm: So haben der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und seine Entourage im Bad Ragazer 5-Stern-Hotel Quellenhof für 103'935 Dollar Zimmer reserviert. Und «Quartz» vergisst natürlich nicht zu erwähnen, über welch tollen Spa-Anlagen der Quellenhof verfügt – indoor wie outdoor notabene.

Riesengeschäft für die Tourismusbranche

Aus Schweizer Sicht zeigen die Zahlen der amerikanischen Regierung, was für ein Riesengeschäft das WEF für die hiesige Tourismusbranche darstellt. Selbst bescheidene 3-Stern-Hotels und Appartementanlagen in und um Davos können dem amerikanischen Staat hohe sechsstellige Beträge in Rechnung stellen. Dabei zeigen in der US-Datenbank erfasste Rechnungen höchstwahrscheinlich noch nicht den ganzen Umfang der US-Ausgaben, weil die Rechnungen oftmals erst mit Verzögerung erfasst werden.

Ob alle diese Zahlungen auch fällig werden, nachdem Trump seine Davos-Reise absagt hat, geht aus der Datenbank nicht klar hervor. Die US-Zeitung «Quartz» geht davon, dass der US-Staat so oder so zahlen wird. Zum Beleg verweist sie auf die «rigide Annullierungspolitik» von Davoser Hoteliers und anderen Dienstleistern während des WEF.

Erstellt: 11.01.2019, 06:35 Uhr

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