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«Über Nacht gesund»

18 medizinische Abklärungsstellen erstellen für die IV rund 4000 Gutachten pro Jahr.

Um die Berechtigung von Rentenansprüchen festzustellen, hat die Invalidenversicherung (IV) quer durch die Schweiz sogenannte medizinische Abklärungsstellen (Medas) installiert. In mittlerweile 18 Medas – ein Drittel davon private Firmen – beurteilen Fachärzte verschiedener Richtungen gemeinsam komplexe Fälle und erstellen pro Jahr rund 4000 Gutachten. Bei ihren Rentenentscheiden stützt sich die IV darauf ab.

Die Medas stehen seit Jahren in der Kritik. Weil sie wirtschaftlich abhängig seien von der IV, lehnten sie berechtigte Rentenbegehren auffällig oft ab, heisst es unter Schadenanwälten. Man habe den Eindruck, es gehe ihnen vorrangig darum, die IV bei ihren Sparbemühungen zu unterstützen. Die Berner Fürsprecherin Daniela Mathys sagt: «Man staunt immer wieder, wie in Medas-Gutachten aus gesundheitlich angeschlagenen Menschen über Nacht gesunde, voll arbeitsfähige Personen werden.»Der Staatsrechtler Jörg Paul Müller kam 2010 in einem Rechtsgutachten zum Schluss, das Recht auf ein faires Verfahren sei für Betroffene mit dem in der Schweiz praktizierten Medas-System nicht gewährleistet. Er schrieb: «Hinsichtlich der Unabhängigkeit der Medas gegenüber der Verwaltung bestehen schwerwiegende objektive Zweifel.»

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