Übermut und Überreaktion

Wegen Bundesrat Guy Parmelin und seinen Generälen muss die Schweiz nun Jahre länger auf eine zeitgemässe Raketenabwehr warten.

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Mit einem übereilten Vorgehen hat der neue Verteidigungsminister Guy Parmelin ohne Not das derzeit wichtigste Rüstungsprojekt seiner eigenen Armee abgeschossen ­– ein Projekt, das sich mit einem überlegteren Vorgehen wohl hätte retten lassen. Diese Schlussfolgerung muss man aus der Administrativuntersuchung zum Raketenabwehrsystem Bodluv ziehen, auch wenn der Untersuchungsleiter selber ein deutlich gnädigeres Urteil über Parmelins Vorgehen fällt.

An der Überreaktion von Parmelin tragen seine Untergebenen jedoch eine entscheidende Mitschuld. Zwar haben sich die Bodluv-Verantwortlichen um Luftwaffenkommandant Aldo Schellenberg laut der externen Untersuchung keine Verfehlungen im engeren Sinne zuschulden kommen lassen; ihr Projektmanagement erhält im Bericht sogar recht gute Noten. Am 19. Januar 2016 fällten Schellenberg und seine Leute aber einen Vorentscheid, den man bloss mit frivolem Übermut erklären kann: Obwohl das Geld beim Bund schon für ein Lenkwaffensystem knapp ist, wollte Schellenbergs Projekt­ausschuss sogar zwei verschiedene Waffensysteme einkaufen.

Konfrontiert mit einer finanzpolitisch derart illusorischen Lagebeurteilung seiner Generalität, war Parmelin zum Eingreifen gezwungen. Dabei beging er den Fehler, das Bodluv-Projekt kurz vor Ende der letzten Tests ganz abzuwürgen, anstatt seine Untergebenen im Evaluationsprozess bloss ein paar Felder zurückzuschicken. Die unschöne Folge des Übermuts der Generäle und der Überreaktion ihres Bundesrats ist, dass die Schweiz nun ein paar Jahre länger auf ein zeitgemässes Abwehrsystem gegen Bedrohungen aus der Luft warten muss.

Erstellt: 22.09.2016, 21:23 Uhr

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