«Beim Qigong entschloss ich, dass ich kandidieren werde»

Der Liedermacher Linard Bardill will Bündner Regierungsrat werden – aus Wut über die illegalen Preisabsprachen in der Baubranche.

Linard Bardill ist wütend: «Ich spüre Zorn, brachialen Zorn auf dieses Gemauschel, auf diese Männerbünde, die keine menschliche Kultur von Freiheit und Gewissen entwickelt haben.» Bild: Alexander Wagner/Photopress

Linard Bardill ist wütend: «Ich spüre Zorn, brachialen Zorn auf dieses Gemauschel, auf diese Männerbünde, die keine menschliche Kultur von Freiheit und Gewissen entwickelt haben.» Bild: Alexander Wagner/Photopress

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In Graubünden überstürzen sich die Ereignisse. Zuerst wurden die grössten illegalen Bauabsprachen bekannt, die die Wettbewerbskommission (Weko) je untersucht hat. Mittendrin: Andreas Felix, Geschäftsführer des Bündner Baumeisterverbands, kantonaler BDP-Präsident und Regierungsratskandidat. Kurz darauf trat er als Parteichef und Kandidat zurück. Damit gab die BDP sechs Wochen vor den Wahlen ihren zweiten Regierungssitz vorzeitig und kampflos preis.

Dann schaltete sich der Verleger der «Südostschweiz» ein und griff die Weko frontal an. Graubünden sei «zu einem Gaunerstaat» erklärt worden, schrieb Hanspeter Lebrument in seiner Zeitung.

Auch der Bündner Kinderliedermacher Linard Bardill («Sunne, Sunne, Sunnestrahl: Lüücht üs über Berg und Tal») spürt zurzeit Zorn, ja brachialen Zorn, wie auch er in der gleichen Zeitung schrieb. Nicht wegen der Weko, sondern wegen der Mauscheleien in der Wirtschaft und der Politik seines Kantons. Aber «wo bleibt der Leute Zorn?», fragte der 61-Jährige. Der Zorn über die Millionen, die sich diese Patrons auf Kosten der Steuerzahler unter den Nagel gerissen haben?

Gestern um 6 Uhr wurde aus Zorn Tat. «Als ich mit meiner Frau auf dem Cresta-Hügel die Sonne über dem Berggipfel aufgehen sah, besiegelten wir gemeinsam mit einer Qigong-Session den Entschluss, dass ich kandidieren werde», sagt der Vater von fünf Kindern am Telefon. Ihm sei bewusst geworden, dass Graubünden, ja die ganze Welt einen Neuanfang brauche. Er sei überparteilich, keiner Lobby verpflichtet und könne keinerlei Hausmacht einbringen – dafür aber sein inneres Feuer, einen klaren Verstand und seine Liebe zum Kanton.

Aus dem Gutmenschen Bardill und neuerdings Wutmenschen soll nun also ein Regierungsrat werden. Auf seiner Website finden sich bereits zahlreiche prominente Unterstützer: «Linard ist eine Naturgewalt, er kann Berge versetzen» (Schriftsteller Gion Mathias Cavelty). «Im Zweifel kann er Kinder mit pädagogisch wertvollen Liedern wachrütteln oder in den Schlaf wiegen» (Festivalmacher Christian J. Jenny). «Bardill würde unserem Kanton als Kulturdirektor viel Schub verleihen» (Architekt Valerio Olgiati).

Lebrument glaubt, dass die Weko «in enger Zusammenarbeit» mit dem Onlinemagazin «Republik» den Bündner Wahlkampf aufs Schwerste beschädigt habe. Er fordert deshalb eine externe Untersuchung der Bauabsprachen.

Auch Bardill scheint an umstrittenen Theorien Gefallen zu finden. Letztes Jahr hat er den Verschwörungstheoretiker Daniele Ganser in Schutz genommen. Darauf angesprochen sagt Bardill, Ganser sei fertiggemacht worden, weil er eine andere Sicht auf die Welt habe. Er glaube zwar nicht, dass die Amerikaner für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich seien. «Ich wünsche aber eine neue Untersuchung, die den Namen verdient.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.05.2018, 16:07 Uhr

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