Undercover im Empfangszentrum

Das Schweizer Asylsystem entpuppt sich als einfacher Weg, um ohne notwendige Bewilligungen einzureisen und unterzutauchen. Ein Reporter hat es ausprobiert.

Ein gravierendes Sicherheitsproblem? Asylunterkunft in Basel. (17. August 2006)

Ein gravierendes Sicherheitsproblem? Asylunterkunft in Basel. (17. August 2006) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Der Bericht des Undercover-Journalisten Shams ul-Haq zeigt auf, wie leicht es ist, als Asylsuchender in die Schweiz einreisen und anschliessend unterzutauchen. Haq schildert in der SonntagsZeitung, wie er mit falscher pakistanischer Identität im Empfangszentrum Kreuzlingen TG Asyl beantragte, mehrere Tage dort lebte – und den Asylantrag wieder zurückzog, um mit Einwilligung der Behörden und ohne Kontrolle seines Weges zu ­gehen.

Der deutsche Journalist ist in seine Heimat zurückgekehrt, hätte aber genauso gut in der Schweiz untertauchen können. Asylpolitiker wie CVP-Nationalrat Gerhard Pfister sehen das Schweizer Asylsystem als «Einfalls­tor, um hier illegal unterzutauchen». Er ortet ein «gravierendes Sicherheitsproblem». Solche Personen hielten sich illegal in der Schweiz auf, könnten auf dem Schwarzmarkt arbeiten, als Drogenhändler tätig sein oder gar terroristische Anschläge planen.

Drogen, Gewalt, Islamismus

Wie häufig ein behördlich erlaubtes Untertauchen vorkommt und inwiefern dies gängige Praxis ist, konnte das zuständige Staatssekretariat für Migration (SEM) nicht sagen. Man erklärt aber: «Bei Rückzug des Asylgesuchs können wir niemanden im Zentrum festhalten.»

Tatsächlich ist es kein Einzelfall: Zusammen mit dem Journalisten haben mehrere andere Asylbewerber ohne Auflagen das Zentrum verlassen. Haq berichtet weiter, wie er im Kreuzlinger Asylzentrum Gewalt gegen Asylsuchende erlebte und wie er auf mutmassliche Drogenhändler, Schlepper und ehe­malige islamistische Kämpfer gestossen sei. Das SEM sagt dazu, es habe keine Hinweise, welche die Vorwürfe belegten. Andernfalls würde man eine Untersuchung eröffnen und Massnahmen ergreifen. Bei Verdacht auf kriminelle Vorgänge schalte man die zuständigen Behörden ein. (chi)

Erstellt: 17.01.2016, 06:16 Uhr

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