Unfall-Hotspots: Hier kracht es am häufigsten

Unsere interaktive Karte zeigt, wo es auf Schweizer Autobahnen besonders gefährlich ist.

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Im vergangenen Jahr kam es auf Schweizer Strassen zu mehr als 18’000 Unfällen mit Personenschaden. Dabei wurden 17’958 Menschen leicht und 3878 schwer verletzt sowie 233 getötet – somit stirbt im Verkehr durchschnittlich alle 38 Stunden jemand.

Die meisten Unfälle ereignen sich innerorts. Aber auch auf den Autobahnen kracht es im Schnitt fast fünfmal täglich mit Folgen für die Betroffenen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) erfasst alle Ereignisse und hat insgesamt 971 Unfallschwerpunkte definiert. Jeder Zehnte befindet sich auf dem Nationalstrassennetz. Dazu zählen nicht nur Autobahnstrecken selbst, sondern auch der Ein- und Ausfahrtsbereich sowie Anschlussknoten zum untergeordneten Netz der Kantons- und Gemeindestrassen.

Wir haben sie auf einer interaktiven Karte visualisiert. Indem Sie die Punkte anklicken, können Sie mehr über die Hotspots in Ihrer Nähe herausfinden:

Gleich mehrere Hotspots sind rund um die Städte Bern und Zürich auszumachen, wo sich täglich Pendlerströme stauen. «Die meisten Unfallschwerpunkte befinden sich bei stark befahrenen Knoten. Hier findet man die komplexeren Verkehrssituationen», erklärt Astra-Sprecher Gabriele Crivelli. Die vielbefahrene A1, mit 410 Kilometern zwischen Genf und St. Gallen die längste Autobahn in der Schweiz, ist grundsätzlich die gefährlichste Strecke.

Auch der Unfallschwerpunkt mit den höchsten Zahlen ist auf dieser Autobahn, genauer in Moosseedorf bei Bern. Zwischen der Raststätte Grauholz und dem Anschluss Schönbühl kam es im untersuchten Zeitraum zu 30 Unfällen mit Leichtverletzten und zwei mit Schwerverletzten.

Der Gubristtunnel auf dem Nordring Zürich bei Regensdorf ist das zweitgefährlichste Pflaster. Ebenfalls in die Top 5 schaffen es die Knotenpunkte bei Wallisellen, Rupperswil und Birsfelden.

An fünf anderen Hotspots auf den Nationalstrassen gab es zwischen 2015 und 2017 Unfälle, bei denen mindestens ein Todesopfer zu beklagen war: bei der Autobahnauffahrt in Zürich-Wiedikon, bei der Ein- und Ausfahrt auf die Autobahn in Dättwil AG und in den Waadtländer Orten Blonay, Ollon und Orbe.

Schlüsselt man die Astra-Angaben nach Kantonen auf, zeigen sich grosse Unterschiede. Am meisten Unfallschwerpunkte gibt es in Bern und Zürich mit 18 respektive 15 Hotspots. Mit der Waadt und dem Aargau folgen zwei weitere Kantone, die auf der Strecke der A1 liegen. In sechs Kantonen gibt es nur einen Unfallschwerpunkt: Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Uri, Wallis und Zug.

Die Auswertung zeigt zudem, dass die meisten Hotspots nicht auf der Autobahnstrecke selbst liegen, sondern im Knotenbereich: 71 der 110 Unfallschwerpunkte befinden sich bei Anschlüssen zum untergeordneten Netz, also auf angrenzenden Kantons- und Gemeindestrassen. Weitere 13 sind direkt bei einem Ein- oder Ausfahrtsbereich zur Autobahn.

Insgesamt ereigneten sich im untersuchten Zeitraum bei den Hotspots 888 Unfälle mit Personenschaden. Die Hälfte davon sind Auffahrkollisionen. Danach kommen Unfälle beim Ab- und Einbiegen sowie Schleuder- oder Selbstunfälle, die fast gleich häufig auftreten. Seltener kommt es zu Kollisionen beim Überholen, dem Fahrstreifenwechsel oder dem Überqueren der Strasse.

Dass Auffahrunfälle dominieren, ist oft auf die Unaufmerksamkeit oder die Ungeduld der Lenkerinnen und Lenker zurückzuführen. Viele sind durch elektronische Geräte wie Handys oder andere Passagiere abgelenkt. Auch Drängeln ist ein Risiko. «Es ist deshalb ratsam, die Unfallschwerpunkten mit der gebotenen Vorsicht zu befahren», sagt Astra-Sprecher Crivelli. Besonders am Feierabend sollte man sich konzentrieren: Statistisch gesehen passieren zwischen 16 und 19 Uhr die meisten Unfälle.

Das Astra setzt auf eine laufende Verbesserung der Fahrausbildung und auf Sensibilisierung. Als Eigentümer der Nationalstrassen muss es dafür sorgen, dass die Infrastruktur den neusten Sicherheitsstandard entspricht. «Zudem werden in Zukunft mehr Fahrzeuge mit immer stärker verfeinerten Fahrerassistenzsystemen ausgestattet sein. Das wird sicher ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit leisten», glaubt Crivelli.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden durch die Weiterentwicklung der Autos (z.B. Airbags), die Prävention und die Verschärfung der Vorschriften (z.B. 0,5 Promille-Grenze) schon grosse Fortschritte erzielt. Seit dem unrühmlichen Höhepunkt im Jahr 1971, als sich fast 30’000 Unfälle mit Personenschaden ereigneten, sind die Schweizer Strassen immer sicherer geworden. Die Anzahl der getöteten und schwerverletzten Personen ging stark zurück – trotz wachsenden Verkehrs.

Nach der Jahrtausendwende setzte sich der positive Trend fort. Zwischen 2000 und 2013 nahm die Zahl der Unfälle um gut 26 Prozent ab. Doch seither stockt die Entwicklung. Im vergangenen Jahr kam es zu mehr als 18’000 Unfällen mit Personenschaden – so vielen, wie seit 2012 nicht mehr.

Davon betroffen sind übrigens nicht nur die direkt Involvierten, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer. Denn Unfälle sind die zweitwichtigste Ursache für Staus. Alleine auf der Strecke A1 wurden im vergangenen Jahr 1'447 unfallbedingte Staustunden registriert.

Erstellt: 03.07.2019, 16:58 Uhr

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