Ungebetene Gäste

Die erzkonservative Pius-Bruderschaft sorgte an der Gay Pride in Freiburg für ein Störmanöver.

Hier waren die Brüder noch nicht zu sehen: Gay Pride in Freiburg.

Hier waren die Brüder noch nicht zu sehen: Gay Pride in Freiburg. Bild: Keystone

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Da stand er, aufrecht und gross, mitten auf dem zentralen Pythonplatz: der Phallus. Die mobile Riesenstatue war sichtbares Symbol für die Kraft von 12'000 Schwulen und Lesben, die kürzlich in Freiburg farbenfroh für ihre Rechte demonstrierten. Es ist nicht überliefert, wie die Pius-Bruderschaft auf den Phallus reagiert hat. Sicher ist: Sie dürfte – im Gegensatz zu den vielen lokalen Teenagern, die das aufgerichtete Riesending kichernd fotografierten – daran überhaupt keine Freude gehabt haben.

Die erzkonservative Priesterbruderschaft lehnt Homosexualität strikte ab. Darum hatte sie im Vorfeld der Gay Pride angekündigt, vor Ort gegen «den fortschreitenden Ausbau der Schwulen-Rechte» zu protestieren. Sie wolle das im pazifistischen, nicht konfrontativen Sinn tun. Geplant seien lateinische Gesänge und diverse Gebete am Rande der Manifestation.

Straight aus dem Wallis – und zurück

2013 hatten die Priester bereits einmal gegen den farbigen Umzug angebetet. Damals, der Anlass fand ebenfalls in Freiburg statt, blieb das Ganze friedlich. Mehr noch: Die Anwesenheit der Brüder inspirierte die vorbeiziehende Gay-Community gar zu einem spontanen Ständchen. Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz, einer weltweit organisierten Gruppe von queeren Aktivisten, hatte den Song «Gloria» von Umberto Tozzi angestimmt. Alle lachten. Nur die Brüder nicht. Die beteten unverdrossen weiter, bis niemand mehr da war. Dann gingen sie ihres Weges – straight in den Walliser Weiler ­Encône zurück, wo sich der Hauptsitz der Schweizer Pius-Bruderschaft befindet.

Doch was würde ihr neuerlicher, ungebetener Besuch in diesem Jahr auslösen? Aufgeschreckt von den Nachrichten vom Massaker in einem Gay-Club in Orlando, Florida, machte sich bei den Behörden Nervosität breit. Die Freiburger Kantonspolizei zwang die beiden Parteien also zu einer schriftlichen Zusage.

Die Gay-Pride-Organisatoren versprachen, die Paradenteilnehmer darauf hinzuweisen, auf jeg­liche Provokationen zu verzichten, während die Pius-Brüder zusicherten, die Parade nicht zu stören. Es sollte sowieso keine Probleme geben, liessen die Geistlichen verlauten. Und falls doch, würden sie entsprechende Massnahmen treffen. Was das bedeutete, liessen die Brüder offen. Selbst­verteidigung mit Weihwasser?

Am Paradetag selbst gab es nichts dergleichen zu sehen. Zwar konnten sich einige Paradeteilnehmer ein paar Buhrufe nicht verkneifen, ebenso wenig einige Priester ein besonders laut vorgetragenes Gebet. Aber ansonsten blieb es, wie versprochen, friedlich. Schwul und erzkonservativ. Es geht eben doch, irgendwie. Zumindest einmal im Jahr.

Erstellt: 01.07.2016, 19:31 Uhr

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