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Uni Genf impft Imamen Schweizer Werte ein

Ab heute können sich Imame an der Theologischen Fakultät in Genf weiterbilden. Die Universität schafft eine «Plattform für einen aufgeklärten Islam».

Sieht in der universitären Ausbildung eine mögliche Antwort auf Radikalisierung: Yves Flückiger, Rektor der Universität Genf. (Archivbild)
Sieht in der universitären Ausbildung eine mögliche Antwort auf Radikalisierung: Yves Flückiger, Rektor der Universität Genf. (Archivbild)
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Mit der Ausbildung von Imamen in der Schweiz sollen ihnen vermehrt helvetische Praktiken und demokratische Werte vermittelt werden. (Archivbild)
Mit der Ausbildung von Imamen in der Schweiz sollen ihnen vermehrt helvetische Praktiken und demokratische Werte vermittelt werden. (Archivbild)
Dominic Faivre, Keystone
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Eine neue Weiterbildung soll Imamen helfen, sich besser in die Gesellschaft zu integrieren. Dazu hat die Universität Genf eine Islam-Initiative ins Leben gerufen.

«Wir bilden keine Imame aus, bieten aber eine Weiterbildung für Imame an», sagte Rektor Yves Flückiger der «Tribune de Genève». Die Uni wird Kurse in Französisch, politischer Philosophie, Menschenrechten und Ethik für Imame geben.

Auch Prediger als Zielgruppe

Die Idee für die «Plattform für einen aufgeklärten Islam» ist von aussen eingebracht worden, wie Flückiger sagt. Muslimische Gemeinschaften hätten die Kurse angeregt, ebenso Stadt und Kanton Genf. Laut Flückiger richtet sich die Weiterbildung auch an jene, die an islamischen Zentren lehren.

An eine Gefahr, mit Radikalismus konfrontiert zu werden, glaubt er nicht. «Die Absicherung besteht gerade darin, die Ausbildung in den universitären Rahmen zu integrieren.» Und: «Wir handeln nicht ohne Kenntnis der islamischen Gemeinschaften.»

Diskussion über Koran und Menschenrechte

Die Kurse in islamischer Theologie stehen laut Flückiger allen Studierenden der Universität Genf offen. «Wir geben jenen Theologen das Wort, die sich auf neue Interpretationen von Texten aus dem Koran spezialisiert haben.» Das trage zur Erneuerung des islamischen Denkens bei.

In den Kursen werden Gastredner Islam-Fragen und öffentliches Recht diskutieren und Zusammenhänge zwischen Koran und Menschenrechten aufzeigen. Flückiger liess sich in der Ausgestaltung auch vom tunesischen Anwalt Yadh Ben Achour inspirieren, der sagte, Ethik sei eine mögliche Antwort auf Radikalisierung.

Theologische Angebote für den Islam

Die Universität Genf arbeitet mit dem Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg zusammen. Die Universität und der Kanton Genf finanzieren die «Plattform für einen aufgeklärten Islam» zusammen. Die Kosten schätzt die Uni auf 10'000 Franken pro Teilnehmer.

Mit dem Projekt kommt weiter Bewegung in die politische Frage, ob islamische Vorbeter an Schweizer Universitäten ausgebildet werden sollen. So plant auch die Universität Luzern ein Zentrum für Komparative Theologie, das den Dialog zwischen den drei abrahamitischen Religionen Christentum, Judentum und Islam verbessern will. Derzeit gibt es in Luzern eine Assistenzprofessur für Islamische Theologie. Ebenfalls existiert an der Universität Zürich seit 2015 eine zunächst auf drei Jahre geplante Gastprofessur für Islamische Theologie.

Politik befasst sich mit Thema

Erst in der vergangenen Woche fand eine Fachtagung zum Thema Muslimfeindlichkeit in Freiburg statt. Bundesrat Alain Berset warnte vor einer Vermischung von Islam und Terrorismus.

Die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Martine Brunschwig Graf, sagte, die Ausbildung von Imamen in der Schweiz ermögliche es, ihnen vermehrt helvetische Praktiken und demokratische Werte zu vermitteln. Auch müssten Anstrengungen unternommen werden, um die Vertretung der Muslime in der Schweiz zu verbessern, da es an Ansprechpartnern fehle, an die sich die Behörden wenden könnten.

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