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Unnötiger Stress im Alter

Der Wunsch nach Solidarität spricht gerade für eine Pflegeversicherung. Ohne eine Reform drohen Angebotsengpässe.

Man spricht nicht gern darüber, weil es beschämend ist: In der reichen Schweiz denken viele pflegebedürftige Alte nur noch an die Kosten, die sie verursachen. Solche, die noch eigenes Geld haben, fühlen sich schlecht, weil mit jedem Tag, den sie länger leben, den Angehörigen weniger Erbe bleibt. Von denen, die ihr Geld aufgebraucht haben, obschon sie stets sparsam gelebt haben, leiden manche darunter, dass sie auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

Deshalb ist es gut, dass der liberale Thinktank Avenir Suisse die Diskussion über eine obligatorische Pflegeversicherung mit einem neuen Vorschlag befeuert. Neben dem unwürdigen Geldstress vieler Pflegebedürftiger gibt es weitere Gründe, ernsthaft über eine Pflegeversicherung zu reden, damit wenigstens das Prinzip in absehbarer Zeit salonfähig wird. Das Prinzip: Ab 50 oder 55 zahlt man jeden Monat einen Betrag für die später wahrscheinliche Pflege ein.

Wunsch nach Solidarität

Dagegen wird reflexartig der Vorwurf des Tabubruchs erhoben, der darin besteht, dass in einer solchen Versicherung die Solidarität nicht mehr zwischen Jung und Alt, sondern nur noch unter Alten spielt. Bloss: Gerade der Wunsch nach Solidarität spricht zunehmend für eine Pflegeversicherung. ­Wegen der Alterung rechnen Fachleute bis 2030 mit einer Verdoppelung der Pflegekosten. Das wird die Krankenkassenprämien in die Höhe treiben, da die Krankenversicherer einen Teil der Pflegekosten übernehmen. Immer höhere Prämien belasten Jüngere übermässig. Ältere Menschen stehen im Schnitt finanziell besser da – für sie wäre die Zusatzbelastung einer Pflegeversicherung verkraftbar. Jenen mit kleinem Portemonnaie müsste der Staat selbstverständlich die Altersprämie verbilligen.

Ohne grundlegende Reform drohen eines Tages Qualitätsabbau und Angebotsengpässe. Schon hört man, dass einzelne Gemeinden – sie finanzieren die Pflege mit – damit liebäugeln, das Angebot an Pflegeplätzen zu beschränken, weil sie an finanzielle ­Grenzen stossen. Politiker und Verwaltung sollten Vorschläge für eine Pflegeversicherung nicht länger in Bausch und Bogen verwerfen.

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