Unser Mann in Grossbritannien

FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann war diese Woche in London im Westminster Palace – und traf womöglich die künftige Premierministerin.

Hans-Peter Portmann, rechts, mit Innenministerin Theresa May und dem Abgeordneten Peter Lilley, der die Gespräche mit dem Schweizer geleitet hatte.

Hans-Peter Portmann, rechts, mit Innenministerin Theresa May und dem Abgeordneten Peter Lilley, der die Gespräche mit dem Schweizer geleitet hatte.

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Für ein paar Schweizer war der Freitag vor einer Woche, der Freitag des Brexit-Entscheids, ein besonders freudiger Tag. Rechte Journalisten lobpriesen die Kraft der direkten Demokratie (weil das Resultat so herausgekommen war, wie sie es gewünscht hatten), schrien «Götterdämmerung!» und gaben Jubel-Sonderhefte heraus. Nationalräte der SVP twitterten ganz erregt, was ihr Smartphone-Akku hergab, und ihre bürgerlichen Kollegen sahen nicht minder aufgeregt überall nur noch «Chancen».

Einer, der schon lange, lange vor der Abstimmung von den «Chancen» geredet hatte, ist FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann (ZH). Als Mitglied der Schweizer Efta-Delegation hatte Portmann vor der Abstimmung von einer Art «Efta plus» geträumt: die kleine Schweiz Seite an Seite mit dem grossen Grossbritannien. Aus Portmanns Hoffnung ist nach dem Ja eine (wenn auch kleine) Möglichkeit geworden. Und im Gegensatz zu all den anderen Schweizern, die sich aus der Ferne über den Brexit-Entscheid freuten, war Portmann plötzlich mittendrin.

Perfektes Timing

Am Dienstag erhielt er einen Anruf aus London. Sir William Cash, Member of Parliament und Chairman of the European Scrutiny Committee, lud Portmann in den Westminster Palace zu Gesprächen mit einer hochrangigen Gruppe konservativer Abgeordneter. Der Besuch sei ein privater gewesen, wie er unter Aussenpolitikern üblich sei, sagt Portmann. Eingeladen war der FDP-Nationalrat, um vor den konservativen Politikern über Vorzüge und Nachteile des bilateralen Wegs und der Schweizer Efta-Mitgliedschaft zu sprechen.

Das Timing von Portmann: immaculate, wie die Briten sagen würden. Er traf die Politiker am frühen Donnerstagmorgen, als noch niemand wusste, dass Boris Johnson von Justizminister Michael Gove verraten werden würde – und nicht Premierminister wird. «Was für eine Aufregung, als Johnson dann seinen Verzicht bekannt gab!», sagt Portmann jetzt, auf dem Heimweg von London. Sofort kam Bewegung in die Gruppe, mögliche Kandidatinnen und Kandidaten wurden besprochen, geprüft, für zu leicht oder für genau richtig befunden. Immer dabei: Hans-Peter Portmann. Er hatte sein Referat bereits gehalten und wurde jetzt zu jenen Kandidatinnen geschleppt, die in den Augen der Abgeordnetengruppe am ehesten für die Nachfolge von David Cameron infrage kommen. Es sind zwei Frauen, Innenministerin Theresa May und Energieministerin Andrea Leadsom, und beide haben laut Portmann zumindest Interesse am «Swiss Way» bekundet.

Die neue Premierministerin?

Der Nationalrat ist überzeugt, am Donnerstag die neue Premierministerin von Grossbritannien getroffen zu haben. Zum zweiten Mal in der Geschichte werde eine Frau die Schwelle zur Downing Street 10 überschreiten, twitterte Portmann später und lieferte auch einen Fotobeweis für seinen Besuch mit.

Hans-Peter Portmann mit Andrea Leadsom, britische Energieministerin und Kandidatin für das Amt der Premierministerin.

Heute Freitag reiste Portmann zurück in die Schweiz, dabei hatte er ein mit seinen britischen Kollegen abgesprochenes «Statement». Darin stehen Sätze wie «Meine britischen Kollegen haben sich sehr für den bilateralen Weg und die Zukunft der Efta interessiert» oder «Eine gemeinsame Organisation, bestehend aus bilateralen Verträgen mit der EU und einer Mitgliedschaft Grossbritanniens bei der Efta wäre für die Schweiz von grossem Wert». Das ist nicht der grosse Durchbruch. Aber das Ende von Portmanns Hoffnungen auf eine glorreiche Zukunft der Schweizer Beziehungen mit Grossbritannien ist es ebenso wenig.

Erstellt: 01.07.2016, 16:51 Uhr

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